Brandt, Józef

Lager der Zaporoger Kosaken oder Lagerplatz der Tataren
Lager der Zaporoger Kosaken oder Lagerplatz der Tataren/Obóz Zaporożców; Obozowisko tatarskie, München um 1880, Öl auf Leinwand, 72,5 x 113 cm

Info

Józef Brandt (1841-1915), polnischer Maler, Mitglied der „Münchner Schule“.

Ab 1863 Student der Akademie der Bildenden Künste in München, ab 1867 eigenes Atelier in München.

Brandt, Józef (Josef von Brandt), polnischer Maler, führendes Mitglied der „Münchner Schule“. Ab 1863 Student der Akademie der Bildenden Künste München. 1867 eröffnet er in München sein eigenes Atelier, das er bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn betreibt. *11.2.1841 Szczebrzeszyn, †12.6.1915 Radom. Nach Abschluss der Gymnasialzeit in Warschau beginnt er 1858 ein Ingenieurstudium an der École Nationale des Ponts et Chaussées in Paris, wendet sich aber bald auf Anregung des Malers Juliusz Kossak (1824-1899) der Malerei zu. Unterricht erhält er von Kossak, Léon Cogniet (1794-1880) und Henryk Rodakowski (1823-1894). 1860 bereist er mit Kossak die östlichen polnischen Gebiete. 1863 geht er zum Studium nach München; erste Malstudien im Atelier von Alexander Strähuber (1814-1882). Am 17.2.1863 Eintritt in die Antikenklasse der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München, Studium bei Carl Theodor (Karl) von Piloty (1826-1886), vor allem aber in den privaten Ateliers von Franz Adam (1815-1886) und den Aquarellkursen von Theodor Horschelt (1829-1871). Die Sommermonate verbringt er in Orońsko und eröffnet dort 1866 ein Atelier, das zahlreiche Schüler anzieht. Ab etwa 1875 führt er in seinem Münchner Atelier eine inoffizielle Malschule, in der er vor allem junge polnische Maler unterrichtet, und wird Mittelpunkt der sogenannten „Polenkolonie“ der „Münchner Schule“. 1877 heiratete er Helena von Woyciechowski Pruszaków, die Besitzerin des Gutes Orońsko. Auf dem Gut organisiert er seitdem während der Sommermonate zusammen mit Künstlerkollegen eine Malakademie. Seit 1878 ist er Honorarprofessor an der Münchner Kunstakademie. Auszeichnungen: 1869 Goldene Medaille, München; 1893 Orden der Isabel la Católica, Spanien; 1898 Bayerischer Maximiliansorden; 1900 Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in Prag. Werke befinden sich in den Nationalmuseen von Krakau, Posen/Poznań und Warschau sowie in nahezu allen großen polnischen Museen, im Braith-Mali-Museum in Biberach, in der Gemäldegalerie Neue Meister in Dresden, im Museum der bildenden Künste in Leipzig, in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. – B. malt in meisterhafter Öltechnik, die er von dem Schlachten- und Pferdemaler Franz Adam erlernt, mit überbordender Phantasie, in dramatischen Kompositionen und reicher Farbigkeit hauptsächlich Bilder von kriegerischen Ereignissen der Kosakenkriege und der Tatareneinfälle des 17. Jahrhunderts, außerdem zum Osmanisch-Polnischen Krieg 1620/21, zum Schwedeneinfall 1674/75, zur Schlacht am Kahlenberg 1683 und vieles mehr. Als Inspiration dienen ihm literarische und historische Quellen, z.B. die historischen Schriften von Wojciech Dembołęcki (um 1585-1645/47), Tagebücher des Jan Chryzostom Pasek (1636-1701) oder Dichtungen der Romantik etwa von Joseph Bohdan Zaleski (1802-1886). Historische Gewänder, Musikinstrumente, Waffen, Pferdegeschirre und Schabracken malt er mit großer Genauigkeit nach seiner im eigenen Atelier untergebrachten Requisitensammlung und vermittelt so das angeblich Malerische und Exotische der jeweiligen Epoche. Besonderen Wert legt er auf die zugleich naturalistische und dramatische Darstellung der Pferde und der farbenprächtigen Reiter. Außerdem malt er Genre‑ und Jagdszenen, Pferdeställe und ­‑märkte, Landschaften aus der Gegend von Orońsko, Bildnisse, Pferde‑ und Kostümbilder.

Literatur: Adolf Rosenberg: Die Münchener Malerschule in ihrer Entwicklung seit 1871, Leipzig 1887, S. 46 f.; Janusz Derwojed: Józef Brandt, Warschau 1969; Münchner Maler im 19. Jahrhundert, Band 1, München 1981, S. 129 f.; Hans-Peter Bühler: Jäger, Kosaken und polnische Reiter. Josef von Brandt, Alfred von Wierusz-Kowalski, Franz Roubaud und der Münchner Polenkreis, Hildesheim/New York, 1993; Halina Stępień/Maria Liczbińska: Artyści polscy w środowisku monachijskim w latach 1828-1914. Materiały źródłowe, Warschau 1994, S. 8, 31; Irena Olchowska-Schmidt: Józef Brandt, Krakau 1996; Halina Ste̜pień: Artyści polscy w środowisku monachijskim w latach 1856-1914 (Studia z historii sztuki / Instytut Sztuki, Polska Akademia Nauk, 50), Warschau 2003; Ewa Micke-Broniarek: Józef Brandt, Breslau/Wrocław 2005; Anna Bernat: Józef Brandt (1841-1915), Warschau 2007; Jednodniówka – Eintagszeitung. Neuausgabe, herausgegeben von Zbigniew Fałtynowicz / Eliza Ptaszyńska, Muzeum Okręgowe w Suwałkach, Suwałki 2008, zugleich Katalog der Ausstellung „Signatur - anders geschrieben. Anwesenheit polnischer Künstler im Lichte von Archivalien“, Polnisches Kulturzentrum, München 2008; Monika Bartoszek (Hrsg.): Józef Brandt (1841-1915). Między Monachium a Orońskiem/Between Munich and Orońsko, Orońsko 2015 (polnisch/englisch); Egzotyczna Europa. Kraj urodzenia na płótnach polskich monachijczyków/Das exotische Europa. Heimatvisionen auf den Gemälden der polnischen Künstler in München, Ausst.-Kat. Suwałki 2015

 

Online: Matrikeldatenbank, Matrikelbuch 2, Akademie der Bildenden Künste München, 01934 Josef Brandt, http://matrikel.adbk.de/matrikel/mb_1841-1884/jahr_1863/matrikel-01934

Zahlreiche Werke auf Pinakoteka Zascianek, https://www.pinakoteka.zascianek.pl/Brandt/Index.htm

Ewa Micke-Broniarek: Józef Brandt (2017), auf: culture.pl (polnisch/englisch), http://culture.pl/en/artist/jozef-brandt

Zur Ausstellung in Orońsko 2015: http://www.rzezba-oronsko.pl/?aktualnosci,841,jozef_brandt_(1841%E2%80%931915)_

 

Axel Feuß

 

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Lager der Zaporoger Kosaken oder Lagerplatz der Tataren/Obóz Zaporożców; Obozowisko tatarskie
Lager der Zaporoger Kosaken oder Lagerplatz der Tataren/Obóz Zaporożców; Obozowisko tatarskie
Lager der Zaporoger Kosaken oder Lagerplatz der Tataren/Obóz Zaporożców; Obozowisko tatarskie, München um 1880, Öl auf Leinwand, 72,5 x 113 cm, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie.