Andrzej Nowacki: Erkundung des Quadrats

Andrzej Nowacki: 31-24-11-16-2016
Andrzej Nowacki: 31-24-11-16-2016
Einstieg

Ein weißes Quadrat scheint über der schwarzen, ebenfalls quadratischen Grundfläche zu schweben. Darüber, angehalten in ihrer Bewegung, drei Linien in Schwarz, die nicht genau parallel vom linken Rand nach oben rechts steigen. Drei greifbare Linien, dargestellt reliefartig durch die Körperlichkeit der Holzleisten. Es ist, als sehnten sie sich nach einer Begegnung, die nie stattfinden kann, da es jenseits des Quadrats nichts mehr gibt. Sie beunruhigen und wirken doch harmonisch, sie schweigen schwarz in der weißen Umgebung.

Das Jahr 1987, Westberlin, eine der ersten Ausstellungen von Andrzej Nowacki. Indes hat sich seine Kunst wesentlich verändert, doch der Weg von jenen Anfängen bis zu heutigen Werken lässt sich nachvollziehen. Die Entwicklung verlief nicht einfach linear, einzelne Phasen greifen ineinander, wechseln ab, inspirieren sich in gewissem Sinne gegenseitig. Wiederzuerkennen sind aber einige konstante, unverkennbare Merkmale: emotionsgeladene Expressivität kontrapunktiert durch strenge, abstrakte Sprache der Geometrie sowie die bevorzugte Form: das Relief, ein dreidimensionales, räumliches Bild. Im Quadrat.

 

Lebenswege 1

Der Geburtsort ist scheinbar unbedeutend: eine kleine Provinzstadt im polnischen Süden. Es fiele schwer zu entdecken, in wie weit sie die weiteren Lebenswege bestimmte. Die Gegend gehörte einst zum legendären, untergegangenen Galizien, einem Landstrich der K.-und-K.-Monarchie, mit ihrer unverwechselbaren, multikulturellen Geschichte, deren alter Mythos bis heute in der nun polnischen Region zu spüren ist. Aber jeder Provinz wohnt auch eine Zentrifugalkraft inne, die in die weite Welt herauszuschleudern vermag.

Wichtig war die Nähe von Krakau, einem Kultur- und Kunstzentrum, einem Ort, der zu einer Öffnung und kultureller Sensibilität beitrug. Dort verkehrte der künftige Künstler hauptsächlich im Kreis von Studenten der Akademie und Künstlern. In den 1970er Jahren kamen erste Auslandsreisen: nach Schweden, Deutschland und Österreich, mit denen weitere Studienjahre einhergingen.

Annäherungen an die aktive Kunsttätigkeit verliefen stufenweise und hingen zweifellos mit Menschen zusammen, denen er begegnete, wie der verkannte polnische Künstler Marian Kruczek (Abb. 01) mit seiner exzentrischen, kreativen Persönlichkeit oder der großer Geometriker Henryk Stażewski (Abb. 02). Ende der 1970er Jahre gelangte Nowacki nach Westdeutschland und ließ sich schließlich in Westberlin nieder. Bis die Zeit der künstlerischen Initiation kam, arbeitete er eine Weile als Experte und Berater in Sachen Kunst. Mitte der 1980er begann er zu malen, kurz darauf entstanden seine ersten Reliefs, 1987 kam die Debütausstellung.

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  • 15.01.17, Relief auf Hartfaser, Acryl, 4 x 100 x 100 cm, 2017

    Abb. 30: Andrzej Nowacki: 15.01.17, 2017

    15.01.17, Relief auf Hartfaser, Acryl, 4 x 100 x 100 cm, 2017
  • 24.11.16, Relief auf Hartfaser, Acryl, 9 x 64 x 64 cm, 2016

    Abb. 31: Andrzej Nowacki: 24.11.16, 2016

    24.11.16, Relief auf Hartfaser, Acryl, 9 x 64 x 64 cm, 2016
  • 09.10.18, Komposition mit rotem Schatten, Relief auf Hartfaser, Acryl, 4 x 64 x 64 cm, 2018

    Abb. 32: Andrzej Nowacki: 09.10.18, Komposition mit rotem Schatten, 2018

    09.10.18, Komposition mit rotem Schatten, Relief auf Hartfaser, Acryl, 4 x 64 x 64 cm, 2018
  • Andrzej Nowacki: 18.11.15 Komposition mit Schwarz, 100 x 100 cm, 2015; 04.12.15, Komposition mit B., 100 x 100 cm, 2015

    Abb. 33: Andrzej Nowacki: 18.11.15 Komposition mit Schwarz; 04.12.15, Komposition mit B., 2015

    Andrzej Nowacki: 18.11.15 Komposition mit Schwarz, 100 x 100 cm, 2015; 04.12.15, Komposition mit B., 100 x 100 cm, 2015
  • 26.03.98, Kohle auf Papier, 36 x 36 cm, 1998

    Abb. 34: Andrzej Nowacki: 26.03.98, 1998

    26.03.98, Kohle auf Papier, 36 x 36 cm, 1998
  • 26.03.98-2, Graphit, Pastell auf Papier, 36 x 36 cm, 1998

    Abb. 35: Andrzej Nowacki: 26.03.98-2, 1998

    26.03.98-2, Graphit, Pastell auf Papier, 36 x 36 cm, 1998
  • 03-11-16-3, Pastell, Kohle auf Papier, 23x23 cm, 2016

    Abb. 36: Andrzej Nowacki: 03-11-16-3, 2016

    03-11-16-3, Pastell, Kohle auf Papier, 23x23 cm, 2016
  • 03-11-16-5, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016

    Abb. 37: Andrzej Nowacki: 03-11-16-5, 2016

    03-11-16-5, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016
  • 03-11-16-10, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016

    Abb. 38: Andrzej Nowacki: 03-11-16-10, 2016

    03-11-16-10, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016
  • 03-11-16-15, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016

    Abb. 39: Andrzej Nowacki: 03-11-16-15, 2016

    03-11-16-15, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016
  • 03-11-16-22, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016

    Abb. 40: Andrzej Nowacki: 03-11-16-22, 2016

    03-11-16-22, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016
  • Bożena Kowalska (l.) und Andrzej Nowacki, 1996

    Abb. 42: Bożena Kowalska (l.) und Andrzej Nowacki, 1996

    Bożena Kowalska (l.) und Andrzej Nowacki, 1996
  • 03-11-16-23, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016

    Abb. 41: Andrzej Nowacki: 03-11-16-23, 2016

    03-11-16-23, Pastell, Kohle auf Papier, 23 x 23 cm, 2016
  • (von links): Horst Bartnig, Heinz Teufel, Andrzej Nowacki, Ende der 1990er Jahre

    Abb. 43: Horst Bartnig, Heinz Teufel, Andrzej Nowacki

    (von links): Horst Bartnig, Heinz Teufel, Andrzej Nowacki, Ende der 1990er Jahre
  • (von links): Horst Bartnig, Manfred Mohr, Andrzej Nowacki, Anfang der 2000er Jahre

    Horst Bartnig, Manfred Mohr, Andrzej Nowacki, Anfang der 2000er Jahre

    (von links): Horst Bartnig, Manfred Mohr, Andrzej Nowacki, Anfang der 2000er Jahre
  • (von links): Rudolf Valenta, Milan Dobeš, Horst Bartnig, Andrzej Nowacki, Berlin 2011

    Abb. 45: Rudolf Valenta, Milan Dobeš, Horst Bartnig, Andrzej Nowacki, Berlin 2011

    (von links): Rudolf Valenta, Milan Dobeš, Horst Bartnig, Andrzej Nowacki, Berlin 2011
  • Andrzej Nowacki (l.), Jan Lenica, Berlin 1996

    Abb. 46: Andrzej Nowacki und Jan Lenica, Berlin 1996

    Andrzej Nowacki (l.), Jan Lenica, Berlin 1996
  • Jan Svetlik (l.), Andrzej Nowacki, Ostrava 2017

    Abb. 47: Jan Svetlik und Andrzej Nowacki, Ostrava 2017

    Jan Svetlik (l.), Andrzej Nowacki, Ostrava 2017
  • Ausstellungseröffnung in Sopot, (von links): Hubertus Gaßner, Małgorzata Szot-Emus, Andrzej Nowacki, Zbigniew Buski, Sopot, 23.4.2017

    Abb. 48: Ausstellungseröffnung in Sopot, 2017

    Ausstellungseröffnung in Sopot, (von links): Hubertus Gaßner, Małgorzata Szot-Emus, Andrzej Nowacki, Zbigniew Buski, Sopot, 23.4.2017
  • Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017

    Abb. 49: Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“, Sopot 2017

    Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017
  • Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017

    Abb. 50: Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“, Sopot 2017

    Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017
  • Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017

    Abb. 51: Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“, Sopot 2017

    Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017
  • Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017

    Abb. 52: Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“, Sopot 2017

    Bilder der Ausstellung „An der Schwelle der Unendlichkeit“ in der Staatlichen Kunstgalerie Sopot, 2017
  • Andrzej Nowacki in seinem Berliner Atelier, 2018

    Andrzej Nowacki in seinem Berliner Atelier, 2018

    Andrzej Nowacki in seinem Berliner Atelier, 2018