"Buchbund" Berlin

Der Eingang der Buchhandlung
Der Eingang der Buchhandlung, 2017

Buchbund - Die deutsch-polnische Buchhandlung in Berlin

 

Die Idee zu einer deutsch-polnischen Buchhandlung in Berlin entstand lange bevor in der Sanderstraße 8 im Multikulti-Stadtteil Neukölln die ersten Bücher ins Regal kamen. Das polnisch-deutsche Ehepaar Marcin Piekoszewski und Nina Müller, das den Buchbund führt, träumte von einem Ort der Begegnungen und reger Diskussionen, nicht unbedingt nur über Literatur. Beide haben übrigens eine ganz besondere Vorliebe für solche Orte: das Paar hat sich schließlich in einer Krakauer Buchhandlung kennengelernt.

Entscheidend für die Eröffnung des Buchbunds war jedoch, dass es in der Dreieinhalb-Millionen-Metropole, in der rund 180.000 Polen und Menschen polnischer Herkunft leben, die zahlenmäßig nach den Türken die zweitstärkste Migranten-Gruppe stellen, überhaupt keine Buchhandlung gab, die polnischsprachige Bücher verkaufte, während man problemlos Veröffentlichungen auf Japanisch, Persisch, Russisch, Französisch und in skandinavischen Sprachen bekam, ganz zu schweigen von englischer und amerikanischer Literatur. Historisch gab es nur in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts einmal eine polnische Buchhandlung in Berlin. Sie war ein Begegnungsort der Polen, an dem man über aktuelle politische Themen diskutieren und Bücher aus Polen besorgen konnte, und zwar sowohl die offiziell erlaubten als auch die im Kommunismus verbotenen.

Wer auf den Namen Buchbund gekommen ist, ist nicht klar. Die Eigentümer der Buchhandlung streiten bis heute darüber, räumen aber einmütig ein, dass ihnen nicht die Bedeutung des Namens, sondern vielmehr sein Klang gefiel.

Die Eröffnung des Ladens im Oktober war ein Erfolg. Der Buchbund entwickelte sich sehr rasch zu einer Adresse, die nicht nur von Polen aufgesucht wurde, sondern auch von Deutschen, die nach polnischer Literatur in deutscher Übersetzung oder vor ihrer ersten Reise ins Land nach Informationen suchten. Da der Buchbund zunehmend auch von anderen in Berlin lebenden Ausländern aufgesucht wird, hat die Buchhandlung ihr Sortiment inzwischen mit Büchern in englischer Sprache erweitert. 

Die Buchhandlung verdankt ihren Ruf womöglich nicht nur der langen Liste der Bücher, die man hier bekommt, sondern auch und vor allem dem Umstand, dass das Geschäft so anheimelnd ist. Der bequeme Polstersessel und der mitten im Raum stehende Holztisch, der zu Gesprächen einlädt, erinnern eher an eine Wohnung. Daneben befindet sich eine kleine Bar, in der man Kaffee, Tee und andere Getränke bestellen kann. Die rauen, unverputzten Wände, an denen gerahmte Bilder und Plakate hängen, unterstreichen diese Atmosphäre.

Die Umgebung der Buchhandlung ist eher untypisch: es überwiegen Billigläden mit Textilien und Haushaltswaren. In der Nähe findet sich ein Klub für Immigranten aus arabischen Ländern, zu dem nur Männer Zutritt haben, außerdem gibt es noch einen Epiliersalon und einige Gastronomiebetriebe. Insofern könnte man meinen, dies sei eine etwas ungünstige Nachbarschaft für eine Kultureinrichtung, zu der sich der Buchbund zweifelsfrei entwickelt hat. Und dennoch: die deutsch-polnische Buchhandlung fügt sich in den multikulturellen Mischmasch in Neukölln bestens ein.

 

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    Marcin Piekoszewski, Mitbegründer und Eigentümer des Buchbunds, 2017
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