Celina Muza – Schauspielerin, Chansonsängerin und Frauenaktivistin

Celina Muza, Berlin, 2021 © Gabriella Falana
Celina Muza, Berlin 2021

Celina Muza wurde 1966 in Puck (bei Danzig) geboren. Ab der 5. Klasse der Grundschule sang sie dort und tanzte in der kaschubischen Folkloregruppe Zespół Pieśni i Tańca Alga. In der Oberstufe komponierte sie ihre ersten Lieder zu den Texten polnischer Dichter:innen. Nach dem Abitur ging sie nach Danzig wo sie Seeverkehrsökonomie an der Universität studierte.

Während ihres Studiums wurde sie dort im Studierendenklub Łajba in Sopot entdeckt und von dem Regisseur Jerzy Gruza (1932–2020) eingeladen am Musiktheater in Gdynia die Theaterausbildung zu absolvieren. Nach ihrer Ausbildung nahm sie im Sommer 1990 an einem internationalen Theaterfestival in Menden (NRW) teil („theatrium – Junges Europäisches Theater in Menden“), wo sie ihren Mann kennenlernte. Zurück in Gdynia, spielte sie am dortigen Stadttheater. 1993 kehre sie zum Musiktheater zurück, um dort ein Programm mit Marlene-Dietrich-Liedern zu realisieren, welches bis heute noch sehr oft gebucht wird. Später erfolgte dann ein Engagement bei dem berühmten Regisseur Adam Hanuszkiewicz (1924–2011) am Neuen Theater (Teatr Nowy) in Warschau, bei dem ihr die Rolle der Roza Weneda angeboten wurde. Diese Zeit bezeichnet Celina Muza als besonders prägend für ihr künstlerisches Schaffen. Im Anschluss an ein Engagement am Berliner Theater des Westens 1994 folgte ihre Entscheidung, langfristig in Deutschland zu bleiben.

Der Einstieg in den Berufsalltag in Deutschland war für Celina Muza nicht leicht. So musste sie zuerst die Sprache lernen, da man als Schauspielerin und Chansonsängerin ohne Sprachkenntnisse nur schwerlich arbeiten konnte: „Vor allem hatte ich Glück. Ich bekam ein privates Stipendium und durfte einen Deutschkurs am Goethe-Institut absolvieren“, erinnert sie sichAuch dank ihrer Lehrer:innen, Rainer Hauer (Schauspielhaus Bochum) und Rosemarie Hagemann (Musikhochschule Dortmund), fand sie schnell einen hervorragenden Zugang zur deutschen Sprache. Dass sie sogar Hildegard Knef persönlich kennenlernte, gehört für Celina Muza bis heute zu ihren persönlichen Highlights.

„Später hatte ich wieder Glück und durfte für Hildegard Knef singen, meine Lieder in einem Verlag veröffentlichen, tolle Musiker kennenlernen, mich musikalisch entwickeln. Und jetzt kehre ich wieder ins Theater zurück. Das neuste Stück heißt ‚Zornige Frauen‘ von Maja Staśko am ACUD-Theater in Berlin“.

Neben ihrer Arbeit hält Celina Muza einen sehr engen Draht zur polnischen Community in Deutschland. Sie ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied im Verein POLin Polnische Frauen in Wirtschaft und Kultur e.V. Dort initiierte sie den Internationalen Literaturwettbewerb „Jugend schreibt Gedichte“, der 2024 zum mittlerweile zwölften Mal stattfand. 

„Ich wollte unbedingt sichtbar beweisen, dass Zweisprachigkeit ein Gewinn für die Kinder ist und kein Hindernis. Ursprünglich sollte es ein Projekt nur für die Kids aus Berlin sein. Dass sich so viele Jugendliche aus ganz Deutschland, Polen und anderen Länder zum Wettbewerb anmelden, konnte ich nicht ahnen. Unsere Kinder sind begabt, wissbegierig und humorvoll!“

Auch die Politik steht bei ihr auf der Agenda. Ganz besonders ihr Engagement für Frauenrechte: „Ich zitiere sehr gerne Professor Bartoszewski: Es lohnt sich anständig zu sein!“ An die junge Generation von Kunstschaffenden appelliert sie: „Es ist alles im Fluss und deswegen lohnt es sich als Künstlerin immer ein zweites Standbein zu haben“.

 

Anna Stahl-Czechowska, Juni 2024

(Der Text basiert auf einem mündlichen und schriftlichen Interview mit Celina Muza.)

 

Webseite der Künstlerin: www.muza.de

 

Mediathek
  • „Der einsame Engel – Lieder von Marlene Dietrich“

    Musiktheater Gdynia, 1992
  • Mit Hildegard Knef

    Filmmuseum Potsdam, 1996
  • Als Roza Weneda in „Lilla Weneda“ (Juliusz Słowacki)

    Stadttheater Gdynia, 1993
  • Probenfoto aus „Frau Arndt ist systemrelevant“

    Theaterhaus Berlin, 2021
  • „Entdeckung – Projekt SZYMBORSKA“

    Kunstfabrik Schlot, Berlin 2022
  • Celina Muza und Adam Hanuszkiewicz

    Stadttheater Gdynia, 1993
  • In „Zornige Frauen“ (von Maja Staśko)

    ACUD-Theater Berlin, 2024
  • „Nähe des Geliebten“ – live in der Werkstatt der Kulturen, Berlin, Oktober 2005 (Studioversion auf der CD „Madonna, Hexe und Clown“, 1998)

    Gesang: Celina Muza, Musik: Andrzej Zarycki, Text: Johann Wolfgang von Goethe | Musiker: Fuasi Abdul-Khaliq (sax), Guilherme Castro (bass), Zbigniew Kosmalski (piano), Rolo Rodriguez (drums), Magdalen...
  • „Helikopter w brzuchu (Flugzeuge im Bauch)“ – live in der Werkstatt der Kulturen, Berlin, Oktober 2005 (Studioversion auf der CD „sorglos“, 2000)

    Gesang: Celina Muza, Musik/Text: Herbert Grönemeyer - Polnischer Text/Tekst polski: Celina Muza, Musiker: Fuasi Abdul-Khaliq (sax), Guilherme Castro (bass), Zbigniew Kosmalski (piano), Rolo Rodriguez ...