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Die Kinder vom Bullenhuser Damm

Die ehemalige Schule Bullenhuser Damm in Hamburg, Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme, nach der Räumung im Mai 1945.
Die ehemalige Schule Bullenhuser Damm in Hamburg, Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme, nach der Räumung im Mai 1945. Zu sehen sind auch die Auswirkungen eines Bombenangriffs vom 27./28. Juli 1943 und des anschließenden Brandes.

Surcis Goldinger, die 1934 oder 1935 in Polen geboren wurde, ist mit Nachnamen, Alter, Geschlecht und ihrer Herkunft aus Polen auf jener Liste vermerkt, die Henry Meyer im „Rapport fra Neuengamme“ publizierte. Ein Mädchen ihres Namens ist auch auf der Liste eines Transports vermerkt, der am 3. August 1944 von einem NS-Zwangsarbeitslager in Ostrowiec Świętokrzyski in Polen nach Auschwitz ging. Surcis war zu diesem Zeitpunkt etwa zehn Jahre alt.

Riwka Herszberg, geboren am 7. Juni 1938 in Zduńska Wola in der polnischen Wojewodschaft Łódź, war die Tochter von Mania und Mosze Herszberg, dem Geschäftsführer einer kleinen Textilfabrik. Die Familie wurde im Sommer 1944 über das von den Nationalsozialisten in Piotrków eingerichtete Sammellager in das KZ Auschwitz deportiert, wo Riwka und ihre Mutter im Frauenlager interniert wurden. Der Vater wurde im Januar 1945 ins KZ Buchenwald gebracht und dort drei Monate später ermordet. Nachdem die Mutter am 23. November 1944 in ein KZ-Außenlager in Lippstadt überstellt worden war, wurde ihre Tochter fünf Tage später in das KZ Neuengamme transportiert. Sie war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Mania Herszberg überlebte das Kriegsende und emigrierte später in die USA.

Alexander und Eduard Hornemann (Abb. 2, 3) stammten aus Eindhoven in den Niederlanden. Eduard wurde am 1. Januar 1933, Alexander am 31. Mai 1936 geboren. Der Vater Carl Philip Hornemann arbeitete bei der Elektro- und Radiogerätefirma Philips. Ab 1941 versteckte sich die Mutter Elisabeth mit ihren Söhnen auf verschiedenen Bauernhöfen. Als die rund einhundert jüdischen Angestellten der Firma 1943 in das Konzentrationslager Herzogenbusch bei Vught verschleppt wurden, folgte Elisabeth ihrem Mann mit den Kindern. Die Familie wurde am 3. Juni 1944 ins KZ Auschwitz deportiert. Eduard war zu diesem Zeitpunkt elf, Alexander acht Jahre alt. Nachdem die Mutter im September an Typhus gestorben war, wurden Eduard und Alexander in die Kinderbaracke verlegt und am 28. November 1944 nach Neuengamme gebracht. Der Vater kam später in das Konzentrationslager Dachau und starb am 21. Februar 1945 auf einem Transport ins KZ Sachsenhausen.

Marek James (Abb. 4) aus Radom in Polen wurde am 17. März oder 17. April 1939 geboren. Seit der Einrichtung des Gettos von Radom durch die deutschen Besatzer im März 1941 mussten seine Eltern Adam und Zela mit ihm dort leben und kamen 1943 wie Mania Altmans Familie ins Zwangsarbeitslager Pionki. Von dort wurden sie im Sommer 1944 ins KZ Auschwitz deportiert, wo Marek von seiner Mutter getrennt wurde. Er war zu diesem Zeitpunkt fünfeinhalb Jahre alt. Die Mutter überlebte das Kriegsende im Frauen-Außenlager des KZs Groß-Rosen im böhmischen St. Georgenthal/Jiřetín, der Vater in den Außenlagern Glöwen und Rathenow des KZs Sachsenhausen. Sie lebten anschließend in Süddeutschland, bekamen einen weiteren Sohn und emigrierten 1949 in die USA.

Walter Jacob Jungleib (Abb. 5) kam am 12.8.1932 im slowakischen Hlohovec als Sohn des Goldschmieds und Uhrmachers Arnold Jungleib und seiner Frau Malvina, geborene Frieder, zur Welt, die schon die zweijährige Tochter Grete hatten. Die Eltern besaßen ein Juweliergeschäft. Im Zuge der Judenverfolgung musste die Familie ab 1942 mehrfach umziehen und wurde über das Durchgangslager Sered’ in der Westslowakei im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort getrennt. Walter war zur diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt. Der Vater starb später im Konzentrationslager Mauthausen. Die Mutter wurde wie die von Riwka Herszberg am 23. November 1944 in ein KZ-Außenlager in Lippstadt überstellt, wo sich ihre Spur verliert. Grete überlebte den Holocaust und lebt in Israel nahe Tel Aviv.

Lea Klygerman (Kligerman) wurde am 28. April 1937 in Ostrowiec Świętokrzyski in Polen geboren. Aus dem dortigen NS-Zwangsarbeitslager wurden sie und ihre jüngere Schwester Rifka zusammen mit ihrer Mutter Ester, geborene Herczyk, wie Surcis Goldinger am 3. August 1944 nach Auschwitz deportiert. Lea war sieben Jahre alt und wurde am 28. November des Jahres ins KZ Neuengamme gebracht. Über das Schicksal von Rifka ist nichts bekannt. Der Vater Berek Klygerman wurde aus dem vierzig Kilometer südwestlich von Radom gelegenen NS-Zwangsarbeitslager Bliżyn, einem Außenlager des Konzentrationslagers Majdanek, nach Auschwitz deportiert, kam im Oktober 1944 in das KZ Sachsenhausen und später ins KZ Buchenwald, wo er im Februar 1945 starb. Ester Klygerman überlebte und kehrte nach Polen zurück. In den 1970er-Jahren wanderte sie nach Israel aus und heiratete erneut.

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  • Abb. 1: Sergio De Simone

    Sergio De Simone aus Neapel, um 1943. Yad Vashem Photo Collections, Nr. 14142831
  • Abb. 2: Alexander Hornemann

    Alexander Hornemann aus Eindhoven, um 1942. Yad Vashem Photo Collections, Nr. 14262100
  • Abb. 3: Eduard Hornemann

    Eduard Hornemann aus Eindhoven, um 1942. Yad Vashem Photo Collections, Nr. 14262099
  • Abb. 4: Marek und Adam James

    Marek James aus Radom mit seinem Vater Adam, um 1943. Yad Vashem Photo Collections, Nr. 14265681
  • Abb. 5: Walter Jungleib

    Walter Jungleib aus Holohovec, um 1942
  • Abb. 6: Georges André Kohn

    Georges André Kohn aus Paris, um 1944
  • Abb. 7: Jacqueline Morgenstern

    Jacqueline Morgenstern aus Paris bei ihrer Erstkommunion, 1944
  • Abb. 8: Die Angeklagten, 1946

    Die Angeklagten im Neuengamme-Hauptprozess im Hamburger Curiohaus, 1946
  • Abb. 9: Eingang zum Rosengarten

    Eingang zum Rosengarten, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Juni 2022
  • Abb. 10: Denkmal für die ermordeten sowjetischen Häftlinge, 1985

    Anatoli Mossitschuk: Denkmal für die ermordeten sowjetischen Häftlinge, 1985. Am Eingang zum Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, 2022
  • Abb. 11: Rosengarten

    Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg. Blick auf den Zaun mit den Gedenktafeln für die ermordeten Kinder, die Ärzte und die Pfleger. Foto: Juni 2022
  • Abb. 12: Gedenktafel

    Gedenktafel und Zaun mit den Granittafeln für die ermordeten Kinder. Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg. Foto: Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto:...
  • Abb. 13: Gedenktafel für Surcis Goldinger

    Gedenktafel für Surcis Goldinger aus Ostrowiec Świętokrzyski, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 14: Gedenktafel für Lea Klygerman

    Gedenktafel für Lea Klygerman aus Ostrowiec Świętokrzyski, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 15: Gedenktafel für H. Wasserman

    Gedenktafel für das Mädchen H. Wasserman aus Polen, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 16: Gedenktafel für Marek James

    Gedenktafel für Marek James aus Radom, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 17: Gedenktafel für Roman und Eleonora Witoński

    Gedenktafel für Eleonora und Roman Witoński aus Radom, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 18: Gedenktafel für R. Zeller

    Gedenktafel für den Jungen R. Zeller aus Polen, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 19: Gedenktafel für Eduard und Alexander Hornemann

    Gedenktafel für Eduard und Alexander Hornemann aus Eindhoven, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 20: Gedenktafel für Riwka Herszberg

    Gedenktafel für Riwka Herszberg aus Zduńska Wola, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 21: Gedenktafel für Georges André Kohn

    Gedenktafel für Georges André Kohn aus Paris, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 22: Gedenktafel für Jacqueline Morgenstern

    Gedenktafel für Jacqueline Morgenstern aus Paris, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 23: Gedenktafel für Ruchla Zylberberg

    Gedenktafel für Ruchla Zylberberg aus Zawichost, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 24: Gedenktafel für Eduard Reichenbaum

    Gedenktafel für Eduard Reichenbaum aus Kattowitz, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 25: Gedenktafel für Mania Altman

    Gedenktafel für Mania Altman aus Radom, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 26: Gedenktafel für Sergio De Simone

    Gedenktafel für Sergio De Simone aus Neapel, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 27: Gedenktafel für Lelka Birnbaum

    Gedenktafel für Lelka Birnbaum aus Polen, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 28: Gedenktafel für Walter Jungleib

    Gedenktafel für Walter Jungleib aus Hlohovec, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 29: Gedenktafel für Bluma Mekler

    Gedenktafel für Bluma Mekler aus Sandomierz, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 30: Gedenktafel für Marek Steinbaum

    Gedenktafel für Marek Steinbaum aus Radom, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 31: Gedenktafel für den Arzt Gabriel Florence

    Gedenktafel für den Arzt Professor Gabriel Florence aus Lyon, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 32: Gedenktafel für den Arzt René Quenouille

    Gedenktafel für den Arzt René Quenouille aus Villeneuve-Saint-Georges, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 33: Gedenktafel für den Pfleger Dirk Deutekom

    Gedenktafel für den Pfleger Dirk Deutekom aus Amsterdam, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 34: Gedenktafel für den Pfleger Anton Hölzel

    Gedenktafel für den Pfleger Anton Hölzel aus Deventer, Rosengarten bei der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 35: Gemälde von Jürgen Waller, 1987

    Jürgen Waller: 21. April 1945, 5 Uhr morgens, 1987. Öl auf Leinwand, Montagen, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg
  • Abb. 36: Gedenkstele von Leon Mogilevski, 2000

    Leonid Mogilevski: Gedenkstele für die Kinder vom Bullenhuser Damm, 2000. Roman-Zeller-Platz, Hamburg
  • Abb. 37: Ehemalige Janusz-Korczak-Schule, Hamburg

    Ehemalige Janusz-Korczak-Schule am Bullenhuser Damm 92, Hamburg-Rothenburgsort, Foto: Juni 2022
  • Abb. 38: Denkmaltafeln für die ehem. Janusz-Korczak-Schule, Hamburg

    Denkmaltafeln für die Janusz-Korczak-Schule am Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 39: Denkmaltafel der ehem. Janusz-Korczak-Schule, Hamburg

    Denkmaltafel der Freien und Hansestadt Hamburg für die ehemalige Janusz-Korczak-Schule am Bullenhuser Damm 92, Hamburg-Rothenburgsort, Foto: Juni 2022
  • Abb. 40: Ausstellungsraum 1

    Ausstellungsraum 1 mit symbolischen Koffern für die Biografien der Kinder, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 41: Ausstellungsraum 1

    Ausstellungsraum 1 mit symbolischen Koffern für die Biografien der Kinder, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 42: Koffer für Riwka Herszberg

    Symbolischer Koffer für die Biografie von Riwka Herszberg aus Zduńska Wola, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 43: Koffer für Ruchla Zylberberg

    Symbolischer Koffer für die Biografie von Ruchla Zylberberg aus Zawichost, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 44: Koffer für Mania Altman

    Symbolischer Koffer für die Biografie von Mania Altman aus Radom, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 45: Koffer für Eleonora Witońska

    Symbolischer Koffer für die Biografie von Eleonora Witońska aus Radom, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 46: Koffer für Roman Witoński

    Symbolischer Koffer für die Biografie von Roman Witoński aus Radom, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 47: Koffer für Professor Gabriel Florence

    Koffer für den Arzt Professor Gabriel Florence aus Lyon, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 48: Ausstellungsraum 2

    Ausstellungsraum 2 mit vertiefenden Materialien zu den Biografien der Kinder und allen Aspekten des Tatgeschehens, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 49: Tatraum

    Tatraum mit einem Verschlag, in dem Leichen der Kinder lagen, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022
  • Abb. 50: Gedenkraum für die Opfer

    Gedenkraum für die ermordeten Opfer vom Bullenhuser Damm, Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Hamburg, Foto: Juni 2022