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Dynastische Hochzeiten zwischen polnischen und deutschen Fürstenhäusern Piasten: 1115 Bolesław III. Schiefmund

Grabstätte von Władysław I. Herman und seinem Sohn Bolesław III. Schiefmund, Herzöge von Polen, in der Kathedrale Mariä Himmelfahrt/Katedra Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny in Płock, Königliche Kapelle. Schwarzer Marmorsarkophag mit Alabaster-Adler nach dem Entwurf von Zygmunt Vogel (1764-1826), 1825
Grabstätte von Władysław I. Herman und seinem Sohn Bolesław III. Schiefmund, Herzöge von Polen, in der Kathedrale Mariä Himmelfahrt/Katedra Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny in Płock, Königliche Kapelle. Schwarzer Marmorsarkophag mit Alabaster-Adler

Die Ehe zwischen Bolesław III. und Salome von Berg bewirkt einen derartigen „regen Kulturtransfer“. Bis heute könne man „Reste dieses Güterverkehrs“, so Röckelein, der durch Handschriften der Mönche Berthold und Ortlieb ausführlich dokumentiert worden ist, im schwäbischen Hauskloster der Grafen von Berg, der (ehemaligen) Abtei Zwiefalten bestaunen. Die im 12. Jahrhundert entstandene Chronik des Klosters in der Württembergischen Landesbibliothek[7] listet die Geschenke des Ehepaars detailliert auf und bestimmt sogar deren pekuniären Wert. Danach stiftet Bolesław dem Kloster unter anderem ein schwarzes Pluviale mit eingewebten weißen Rindern sowie goldene und silberne Geräte und kostbare Pelze, die sicher aus polnischer Produktion stammen. Salome schenkt der Abtei eine goldene Stola, zwei seidene Alben, einen silbernen Krug, einen mit Gold eingelegten elfenbeinernen Schrein, einen roten Mantel mit goldenem Saum und einen golddurchwirkten Mantel zu einem Messgewand sowie aufwändig verzierte Rückenlaken für Sitzbänke. Die Textilien dürften teilweise orientalischen Ursprungs gewesen sein.

1139, ein Jahr nach Bolesławs Tod, übergibt Salome dem Frauenkonvent des Doppelklosters ihr „kostbarstes Geschenk“, so Röckelein, „ihre eigene Tochter Gertrud als Nonne“. Als die Familie beschließt, deren dreijährige Schwester Agnes nicht in das Kloster zu geben, sondern mit dem gleichaltrigen Prinzen Mstislaw von Kiew zu verloben, entschädigt Salome die Zwiefaltener Mönche anlässlich eines Delegationsbesuchs in Polen mit weiteren großzügigen Geschenken. Darüber berichtet die Chronik von Zwiefalten: „100 Pfund Silber, eine Kasel mit goldenem Saum, ein goldenes Kreuz im Gewicht von mehr als vier Mark Gold, eine goldverzierte Stola mit leinenem Altartuch, ein Zingulum, eine ganz mit Gold durchwirkte Dalmatik im Wert von 50 und mehr Mark, ein feingewebtes Gewand des Subdiakons mit Gold verziert […]. Eine aus Seide gewebte Rückendecke, einen elfenbeinernen Schrein, einen sehr schönen Kristall, drei Pferde, zwei Unzen Gold, zwei Felle […]. Ferner eine Bischofsmitra mit Handschuhen im Wert von vier Mark, drei Pallien und andere kleine Geschenke. Dies alles kam trotz der weiten Entfernung und der Gefahren von Räubern wohlbehalten bei uns an.“ Daneben überlässt Salome dem Kloster wertvolle Reliquien aus dem Nachlass von Bolesław, darunter die rechte Hand des Erzmärtyrers Stephanus (Abbildung unten) sowie Reliquien, die aus dem byzantinischen Kaiserhaus über die Aussteuern verheirateter Prinzessinnen nach Kiew gekommen sind.[8]

In den beiden Jahrzehnten nach seiner Hochzeit konzentriert sich Bolesław III. auf die Unterwerfung und Christianisierung Pommerns. In Feldzügen der Jahre 1116, 1119 und 1121 erobert er die Gebiete um die Odermündung, Hinterpommern sowie die beiden wichtigsten Burgen, Cammin und Stettin, und unterwirft den Pommern-Herzog Wartislaw I. (um 1100-1148), den Begründer des Greifengeschlechts, der fortan jährliche Tributzahlungen an Polen zu leisten hat und die Christianisierung Pommerns versprechen muss. Die Greifen werden Pommern bis zu ihrem Aussterben 1637 regieren. Als bei der Christianisierung keine Fortschritte zu verzeichnen sind, beauftragt Bolesław 1124/25 Bischof Otto von Bamberg, der 1088 die Hochzeit seines Vaters mit Judith von Schwaben arrangiert hat, mit einer ersten Missionsreise in das westliche Hinterpommern. Wartislaw unterwirft zu dieser Zeit, vermutlich mithilfe der Polen, die Siedlungsgebiete der Lutizen westlich der Oder bis zur Müritz.

 

[7] Ortlieb [von Zwiefalten]: De fundatione monasterii Zwivildensis libri 2, 12. Jahrhundert, 55 Blätter, Cod.hist.qt.156, Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart, Online-Ressource: http://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sammlungsliste/werksansicht/…

[8] Röckelein 2006 (siehe Literatur), Seite 131-133. – Im Zuge der Säkularisation des Klosters Zwiefalten 1803 wurde der Kirchenschatz nach Stuttgart gebracht und dort in Teilen eingeschmolzen. Einzelne Relikte, darunter auch die rechte Hand des heiligen Stephanus in dem 1624 von einem Augsburger Meister geschaffenen Reliquiar,  befinden sich heute in nicht öffentlich zugänglichem Besitz der Kirchengemeinde Zwiefalten. (Ökumenisches Heiligenlexikon online, https://www.heiligenlexikon.de/BiographienS/Stephanus.htm

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  • Reliquiar, 1624

    Augsburger Meister: Reliquiar mit der rechten Hand des heiligen Stephanus, 1624. Nach 1138 aus dem Nachlass von Bolesław III. Schiefmund im 1803 aufgelösten Klosterschatz Zwiefalten, heute im Besitz d...