"Ein Gespräch mit einem interessanten Menschen". Folge 7: Jerzy “Jurek” Kranz

"Ein Gespräch mit einem interessanten Menschen": Jerzy “Jurek” Kranz, Kleinunternehmer der ersten Stunde
"Ein Gespräch mit einem interessanten Menschen": Jerzy “Jurek” Kranz, Kleinunternehmer der ersten Stunde

Gusowski: "Guten Abend meine Damen und Herren, in unserer allwöchentlichen Sendung “Ein Gespräch mit einem interessanten Menschen” heute zu Gast bei mir, aber dank der neuesten Übertragungstechnik auch bei Ihnen zu Hause, Jerzy Kranz. Guten Abend."

Kranz: "Guten Abend, aber sagen Sie wie alle anderen auch einfach “Jurek” zu mir."

Gusowski: "Herr Jurek, bevor wir zu Ihrer mit Sicherheit interessanten Person kommen, sagen Sie uns bitte, wo sind wir und was sehen wir im Hintergrund."

Kranz: "Wir sitzen vor einem Fußballstadion, das bald in einem neuen Glanz erscheinen wird. Mein nächstes Projekt."

Gusowski: "Ihr nächstes Projekt, das ist die Zukunft, aber schauen wir ganz kurz in Ihre Vergangenheit."

Kranz: "Ah diese Jugendsünden … nicht der Rede Wert. Wir haben erst langsam den legalen Kapitalismus gelernt."

Gusowski: "Nein, das meinte ich nicht, ich meine Ihren beruflichen Aufstieg bis hin zur UEFA EURO2012 in Polen."

Kranz: "Ah das … Ja, gerne. Alles fing mit dem Stadion in Warschau an. Also mit dem “Stadion des 10. Jahrestages”."

Gusowski: "Ein historischer Name aus dem Jahre 1955, als dieses Stadion gebaut wurde, übrigens im Weltrekordtempo, in nur 11 Monaten."

Kranz: "Ja?? Das wusste ich nicht. Egal, als ich da anfing, hieß das Stadion bereits “Jarmark Europa”. Es war der größte Markt Europas, mit über 5000 Kleinhändlern."

Gusowski: "Darunter auch Sie. Auf dem Stadiongelände “Jarmark Europa” handelten Sie seit Anfang der 90er Jahre mit Textilien. Schnell spezialisierten Sie sich in der Sportbekleidung. Warum?"

Kranz: "Ah wissen Sie, damals waren “dresy” also Sportanzüge gerade im Kommen. Ich war einer der ersten. Ich mochte meine Kunden. So einfach und treu. Manche tragen bis heute nur “dresy”."

Gusowski: "Auch sie sind sich treu geblieben. Allerdings international. Schnell expandierten Sie in die Tschechoslowakei, Bulgarien, Ungarn, später sogar in Ostdeutschland.  Sie waren jung und ehrgeizig. Und dieser Ehrgeiz brachte Sie sogar in die Zimmer der UEFA-Zentrale."

Kranz: "Ja, das waren coole Jungs. Aber auch harte Geschäftsleute. Mit Sport oder gar mit Sportbekleidung hatten Sie wenig zu tun, aber sie wußten, das Leben zu genießen."

Gusowski: "Sie sind auch nicht gerade ein Kind von Traurigkeit."

Kranz: "Wir sind Freunde geworden. Ich habe oft von dem Stadion erzählt. Sie fanden es sehr spannend und wollten den unglaublichen Ort, Jarmark Europa, besuchen."

Gusowski: "Toll."

Kranz: "Toll? Machen Sie Witze. Mal ehrlich, das war kein Ort für Leichtgewichte. Hier herrschten andere Naturgesetze. Der Kapitalismus in seiner reinen Form kann tödlich sein. Keine Regel. Geld diktiert alles. Und die sanitären Zustände. So konnte ich sie nicht einladen."

Gusowski: "Und dann kamen Sie auf die Idee, das Stadion zu renovieren?"

Kranz: "Ja, aber ich bin doch nicht die heilige Mutter Teresa von Warschau. Ich habe so lange die Jungs in der UEFA-Zentrale bearbeitet, bis sie die Idee gut fanden, EURO2012 in Polen auszurichten. So wurde aus dem Jarmark Europa das “Nationalstadion”, neu, schick, groß und modern. Nebenbei habe ich noch etwas dabei verdient."

Gusowski: "Und mit diesem positiven Akzent verabschiede ich mich von Ihnen Herr Jerzy “Jurek” Kranz, vielen Dank für das interessante Gespräch."

Kranz: "Bitte, bitte."

Gusowski: "Und auch vielen Dank an Sie, bitte schalten Sie wieder ein, wenn es heisst “Ein Gespräch mit einem interessanten Menschen”, nächste Woche ungefähr um die gleiche Zeit, Und bis dahin sage ich Ciao Ciao und Pa Pa."

 

Autoren: Adam Gusowski, Piotr Mordel
Kamera und Ton: Jarek Godlewski
Schnitt: Adam Gusowski
Jahr: 2018

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