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Franz Nerowski (1911–1942): Ein Spion aus dem Bund der Polen in Deutschland

Franz Nerowski, ca. 1931
Franz Nerowski, ca. 1931

1936 wird Franz zur Wehrmacht eingezogen und kurz vorher durch die Vermittlung von Seweryn Pieniężny jun. (1890–1940), dem Verleger der Gazeta Olsztyńska, zusammen mit mehreren anderen Mitgliedern des Bundes vom polnischen Konsulat in Allenstein/Olsztyn als Spion angeworben. Unter seinem selbstgewählten Codenamen Późny, „Spät“, liefert er Kopien seines Soldbuches, Details über die Kasernen und Einheiten in Ostpreußen und weitere Informationen an die polnische Geheimdienststelle „Bombaj“ in Stettin/Szczecin und Berlin. 1937 endet sein Dienst und Franz wird an die Filiale Slawische Bank in Berlin versetzt. Auch hier unternimmt er weitere Spionageaktivitäten, berichtet über Kriegsvorbereitungen in der Stadt und versucht, weitere Polen als Spione anzuwerben. 

1939 wird er erneut in die Wehrmacht eingezogen und dient im Militär während der Invasion Polens, wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben in dem er den Boden der Zweiten Polnischen Republik betritt, sowie im Frankreichfeldzug. Hinzu kam die Angst, als Spion entdeckt zu werden. In einem Brief an Pelagia offenbarte er:

„Ich habe Angst vor mir selbst. Ich habe Angst vor meinen Träumen, davor daß ich im Schlaf zufällig meine Gedanken und Absichten verrate.“[1]

Während des Überfalls auf Polen erbeuten die deutschen Streitkräfte die Akten des polnischen Geheimdienstes, die auch Einzelheiten zu den Spionageaktivitäten von Franz beinhalten. Im Oktober 1940 wird er während eines Heimaturlaubs im Haus seiner Schwester Ottilie Pomaska (geb. Nerowski, 1912–1999) in Allenstein/Olsztyn verhaftet und nach Berlin gebracht, wo alle Fälle von Militärverrat vor einem Wehrmachtsgericht verhandelt werden. Franz befindet sich anderthalb Jahre in Untersuchungshaft im Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Berlin-Tegel.

Am 10. Juli 1942 wird Franz vom Reichskriegsgerichts der Wehrmacht zum Tode verurteilt. Er wird zum Polen erklärt, oder wie sein Urteil besagt: „Reichsdeutscher aber polnischer Volkszugehörigkeit“[2]. Er wird in das Zuchthaus Brandenburg-Görden gebracht, das nach dem Strafgefängnis Plötzensee in Berlin zu den Haupt-Hinrichtungsstätten der Nationalsozialisten in Deutschland gehört.

 

[1]   Zitat aus einem Brief von Franz, Interview mit Pelagia Stramkowska, Słowo na Warmii i Mazurach nr 25, 1956. 

[2]   Feldurteil Franz Nerowski, 10.7.1942. Archiv der Gedenkstätte Roter Ochse, Halle (Saale)

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  • Die Familie Nerowski-Barabasch Anfang der dreißiger Jahre

    Hintere Reihe v.l.n.r  Franz, Otti, Otto; vordere Reihe v.l.n.r. Lucie. Monika, Ottilie, Bruno, Cäcilie.
  • Akte von Franz Nerowski - Wojskowe Biuro Historyczne

    Abteilung II des Generalstabs der polnischen Armee, Militärgeheimdienst der Zweiten Polnische Republik
  • Franz Nerowski in der Uniform der Wehrmacht

    Franz Nerowski in der Uniform der Wehrmacht
  • Feldurteil Franz Nerowski, 1942.

    Feldurteil Franz Nerowski, 1942.
  • Verfügung der Hinrichtung von Franz Nerowski

    Verfügung der Hinrichtung von Franz Nerowski
  • Gedenktafel für die polnischer Kämpfer gegen den Nationalsozialismus aus Ermland-Masuren

    Burg Allenstein/Olsztyn