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Katarina Niewiedzial – Eine Polin im Dienst der Migrant:innen

Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration
Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration

Eine andere Herausforderung besteht sicher auch darin, die breite Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Migrant:innen vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sind. In dieser Hinsicht ändert sich in Deutschland viel, so dass immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln herausgehobene Positionen bekleiden oder uns in den Medien als Moderator:innen begegnen. Trotzdem aber sind sie beispielsweise in politischen Gremien nicht nach ihrem tatsächlichen Anteil an der Gesellschaft repräsentiert. Auch die Zwei- und Mehrsprachigkeit von Kindern aus den Migrantenfamilien ist nach wie vor ein emotional aufgeladenes Thema, wobei hier ebenso ist ein Wandel eingetreten ist. Das im September 2021 novellierte Schulgesetz des Berliner Senats enthält erstmals Bestimmungen zur Förderung von Zwei- und Mehrsprachigkeit, wobei die Verwaltung nun auch auf die Bezeichnung „Kinder nicht deutscher Herkunft“ verzichtet und einen Anspruch auf Unterricht in der Herkunftssprache begründet, einschließlich der Option, sie auf Zeugnissen als anerkannte zweite Fremdsprache auszuweisen. Diese Neuordnung ist als nahezu revolutionär zu bezeichnen. Dass es sie jetzt gibt, ist in hohem Maße auf die Bemühungen der Beauftragten für Integration und Migration zurückzuführen.

Die Liste der Herausforderungen ist jedoch noch lang. Katarina Niewiedzial ist sich bewusst, dass die Berliner Administration bei vielen Zugewanderten als abweisend gilt. Deshalb möchte sie dieses Bild und Arbeitsweise, der den Anforderungen der modernen digital geprägten Wirklichkeit nicht mehr genügt, gemeinsam mit dem Senat positiv verändern. Die Berliner Ämter sollen die multikulturelle Gemeinschaft der Stadt wiederspiegeln. In diesem Sinne wurde die Kommunalverwaltung kurz vor der Bundestagswahl im September 2021 verpflichtet, die Zahl der Mitarbeiter:innen mit Migrationshintergrund schrittweise zu erhöhen, damit ihr Anteil mittelfristig dem tatsächlichen Anteil der Migrant:innen in der Gesellschaft entspricht.

Viele Probleme können jedoch nicht ohne Mitwirkung der Betroffenen selbst gelöst werden. Katarina Niewiedzial gibt unumwunden zu, dass Migrant:innen ihre Bedürfnisse klar formulieren und sich aktiv an ihrer Umsetzung beteiligen müssen. Das gelingt jedoch nicht immer: Polen sind als eine der größten Migrantengruppen in Deutschland in vielen Bereichen immer noch kaum präsent oder sie agieren zu vereinzelt. Dies sei allerdings kein ausschließlich „polnisches“ Problem, so dass Niewiedzial ermutigt, indem sie sagt: „Die Akklimatisierung fällt leichter, wenn man am gesellschaftlichen Leben teilnimmt – sei es in einem Verein, durch ehrenamtliche Tätigkeit oder in politischen Gremien. Auf diese Art und Weise lassen sich Strukturen und Mechanismen des neuen Umfelds besser erkennen und besser mitgestalten.“

Auf die Frage, was ihr die Emigration gegeben hat, antwortet Katarina Niewiedzial ohne zu zögern: „Flexibilität. Ich habe überhaupt keine Angst vor Veränderungen und bin überzeugt, dass das etwas mit meiner Biografie zu tun hat. Außerdem komme ich nicht gerne an Orte, an denen alles fertig ist. In Baden-Württemberg möchte ich also nicht arbeiten – dort funktioniert alles bestens. In Berlin haben wir noch einiges zu tun.

 

Monika Stefanek, Oktober 2021