Radio Flora aus Hannover – auf Polnisch
Hier spricht die polnische Redaktion von Radio Flora …
Wir schreiben den zweiten Dienstag im Dezember 2002. Diesmal darf unser Rundfunknachwuchs das wöchentliche Polenmagazin „Polenflug“ vorbereiten. Wir treffen uns im Studio, eine Stunde vor Sendebeginn. Heute sind hauptsächlich Themen dran, die die lokale polnische Community unmittelbar betreffen: ein Bericht über das Konzert junger Talente in Hannover, eine Vorstellung des Vereins Polnischer Ingenieure, einige Informationen zu den Voraussetzungen für ein Studium an deutschen Hochschulen. Nur das Gespräch über Olga Tokarczuks neuestes Buch fällt ein wenig aus dem Rahmen. Mira Duszek, Antek Stiller und ich besprechen den Ablauf und die Moderation, Katarzyna Liesiewitz spricht die politischen Nachrichten ein, Teresa Czaniecka-Kufer telefoniert mit meiner Namensvetterin Grażyna Słomka, da wir ihr Material auf unserem Rechner nicht finden können. Und nicht nur ihres. Der PC ist von Anfang an das schwächste Glied in unserer Arbeitskette. Fast alle können darauf zugreifen und es kommt oft vor, dass vorab vorbereitete Aufnahmen beliebig hin- und hergeschoben oder sogar gelöscht werden. Nachdem wir die gesamte Festplatte durchforstet haben, fischen wir die Aufnahmen von Agata Kwiatkowska und Regina Hinkelmann heraus. Mira hat ihre Aufnahme zum Glück auf einer MiniDisc dabei und Antek spricht live, also haben wir nur einen Beitrag verloren.
Fünf Minuten vor Sendebeginn. Mira sitzt in der Regie und bereitet die Musikplatten vor. Dabei versucht sie, die Kolleg:innen vom „Magazin International“ nicht zu stören, die gerade auf Sendung sind. Katarzyna, die ihre Politiknachrichten gerade fertig eingesprochen hat, gesellt sich zu ihr. Antek und ich machen es uns im Studio gemütlich: Sendungsablaufprotokoll, Moderationstexte, Kulturnachrichten, Notizen, Zettelwirtschaft, ein Glas Wasser. Zwei Minuten vor Sendebeginn. Wir setzen uns die Kopfhörer auf. Da läuft schon die Schlussmusik der vorangegangenen Sendung.
Der diensthabende Techniker stürzt in die Regie. „Anderthalb Minuten noch“, ruft er in unser studiointernes Mikrofon, und: „Warum ist der Computer aus?!“ Ich reiße mir die Kopfhörer vom Kopf und renne hinter die Glaswand. Einschalten, Passwort, noch 30 Sekunden bis Sendebeginn, die Software lädt ewig. Endlich fährt sie hoch. Ein geübter Blick aufs Material – die Politiknachrichten fehlen! „Jingle, Begrüßung und dann Musik“, entscheide ich und werfe damit den sorgfältig von Mira geplanten Ablauf direkt zu Sendebeginn durcheinander. Als ich mich wieder ans Mikro setze, hat Antek schon mit der Moderation angefangen. Während der erste Song läuft, durchforsten wir erneut die Festplatte in der Regie. Acht Aufnahmen unter demselben Namen – welche davon ist nun unser heutiges Material? „Kasia, ins Studio, aber zackig!“, befehle ich. „Notfalls liest du den Text live vor!“ Katarzyna wird bleich, doch sie geht wortlos ins Studio. 10 Sekunden vor Songende finden wir dann doch die richtige Aufnahme. Nicht nur Katarzyna atmet erleichtert auf. Nach so einem Warm-Up kann uns nichts mehr aus der Ruhe bringen. Antek liest seinen Feuilleton wie ein Engel, Mira und Katarzyna helfen dem Tontechniker, die Änderungen im Ablauf umzusetzen und ich kontrolliere die Zeit. Wir beenden die Sendung pünktlich und ohne weitere Hürden. „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir hören uns nächste Woche wie gewohnt.“
So beschrieb Grażyna Kamień-Söffker für das Monatsmagazin „Twoja Gazeta“ (Nr. 2/15, Februar 2003) den Ablauf einer typischen „Polenflug“-Sendung anlässlich des 5. Jahrestags der Erstausstrahlung.