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Verbotene Liebe: Ermordung von Leon Szczepaniak in Stadecken-Elsheim

Auf dem Elsheimer Friedhof der rheinhessischen Gemeinde Stadecken-Elsheim wurde im Jahr 1975 ein Gedenkstein für den ermordeten polnischen Zwangsarbeiter Leon Szczepaniak (* 10.2.1912 † 27.5.1942) aufgestellt.
Auf dem Elsheimer Friedhof der rheinhessischen Gemeinde Stadecken-Elsheim wurde im Jahr 1975 ein Gedenkstein für den ermordeten polnischen Zwangsarbeiter Leon Szczepaniak (* 10.2.1912 † 27.5.1942) aufgestellt.

Ein zweiter Fernsehbeitrag, der am 22. Januar 1976 gesendet wurde, nahm sich des Themas ebenfalls noch einmal an; darin wurde das Bild eines in zwei Lager geteilten Dorfes gezeichnet, wobei die eine Seite sich weiterhin gegen den Gedenkstein für Leon Szczepaniak positionierte; der erste Beigeordnete Horn allerdings, der im vorangehenden Beitrag als Gegner des Gedenkens in Erscheinung getreten war, bekräftigte nun jedoch sein generelles Einverständnis zur Setzung eines Steines. Seine Kritik wollte er vor allem auf den Standort bezogen verstanden wissen.[19] Anschließend erläuterte noch einer der Pfadfinder den empfundenen Erfolg der im Jahr 1975 durchgeführten Polenfahrt:

„[D]as Allerpositivste daran ist, dass wir jetzt zu Hause hier in Elsheim bei unseren Jugendlichen – wir haben … bei uns sind 120 Pfadfinder, die wir haben ungefähr …  doch jetzt erreicht, dass ein ganz anderes Bild von Polen und speziell von polnischen Jugendlichen gezeigt wird und der schönste Erfolg ist vielleicht, dass man also dieses negative Wort Polack, mit dem man doch hier so vorher alles abgetan hat, dass das praktisch ausgelöscht ist, es verschwunden ist, ich würde sagen, das war doch wirklich ein ganz großer Erfolg.“[20]

Die eigentliche Versöhnungsfahrt wurde von den Pfadfindern denn auch als Höhepunkt erinnert. Zwölf Jugendleiter des Stammes Greifenklau und Pfarrer Hellriegel hatten sich am 18. Juli 1975 nach Polen aufgemacht; sie fuhren in den folgenden Tagen über Görlitz nach Breslau (Wrocław), wurden im schlesischen Peiskretscham (Pyskowice) von katholischen Schwestern beherbergt, reisten unter anderem weiter bis nach Krakau und erreichten am Dienstag, 22. Juli, Neu Sandez (Nowy Sącz). Dort trafen sie Edward Noga, einen früheren polnischen Zwangsarbeiter, der während des Krieges ebenfalls in Elsheim hatte arbeiten müssen, der dort mit seiner Familie, darunter auch seine aus Mannheim stammende deutsche Ehefrau, lebte. Zu den weiteren Zielen auf der Fahrt gehörte etwa der Erholungsort Zakopane, aber auch das deutsche Vernichtungslager Auschwitz; von einem Besuch der Schwester des verstorbenen Szczepaniak in Lodz hatte man allerdings Abstand genommen:

„Herr Noga hat inzwischen in unserem Auftrag Frau Kowalska, die Schwester Leons besucht. Brieflich hat uns Frau Kowalska […] gedankt für die Ehrung ihres Bruders. Sie hatte in 30 Jahren nicht mehr gewußt, als daß er tot ist. Alle näheren Umstände erfuhr sie erst jetzt. Verständlich, daß sie darüber sehr betrübt war.“

Am 27. Juli 1975 traf die Gruppe, die noch unter dem schweren Eindruck des Besuches in Auschwitz am Ende der Reise stand, wieder in Elsheim ein.

 

 

[19] SWF-1-Rheinland-Pfalz-Beitrag von Schächter in der Reihe „Blick ins Land“ mit dem Titel „Vertagte Versöhnung“, ausgestrahlt am 22.1.1976.

[20] Ebd.

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Mediathek
  • Leon Szczepaniak, vermutlich 1939

    Als Soldat der polnischen Armee (hintere Reihe Mitte) mit seinen Kammeraden auf einem Gruppenfoto, Jahr unbekannt, vermutlich 1939
  • „Schamloser Verkehr mit einem Polen“

    Margarete Heß’ Demütigung in der NS-Propaganda, 1942. 
  • Beitrag in „Glaube und Leben“ (Mainz) zur Einweihung des Gedenksteines am 8. Juli 1975

    Unter der Überschrift „Deutsch-polnischer Tag“ wurde in der katholischen Zeitung „Glaube und Leben“ aus Mainz vom 29.6.1975 über die Gedenksteineinweihung am 8. Juli 1975 berichtet.
  • Der Gedenkstein für Leon Szczepaniak am 25. Mai 2022

    Der Gedenkstein an der Gedenkveranstaltung für Leon Szczepaniak am 25. Mai 2022 mit den Kränzen des Polnischen Generalkonsulats Köln und der Ortsgemeinde Stadecken-Elsheim, 2022