Luckenwalde

Denkmal für italienische Kriegsgefangene
Denkmal für italienische Kriegsgefangene

Im September 1939 kamen polnische Gefangene nach Luckenwalde, die in Zelte von 12 x 35 Metern untergebracht wurden und mit dem Bau von Baracken sowie anderer Lagergebäude und Anlagen begannen. Die intensiven Bauarbeiten dauerten den ganzen Winter 1939/40, der gesamte Lagerkomplex bestand aus ungefähr 100 gemauerten Baracken und 50 Zelten. Den Polen folgten Niederländer und Belgier, die nach einigen Wochen oder Monaten wiederum Platz für 40.000 französische Kriegsgefangene machten. Nach der Kapitulation der italienischen Armee wurden weitere 16.000 Kriegsgefangene einquartiert, deren Umverteilung auf andere Kriegsgefangenenlager nach einem kurzen Aufenthalt stattfand. Zum Ende der Kriegshandlungen gelangten amerikanische, rumänische und abermals englische sowie polnische Kriegsgefangene nach Luckenwalde. Unter den Polen befanden sich auch Angehörige der Heimatarmee, die am Warschauer Aufstand teilnahmen. Neben den Ende 1941 angekommenen tausenden sowjetischen Kriegsgefangenen stellten die Franzosen bis zum Kriegsende die größte Gruppe dar. Insgesamt gingen über 200.000 Gefangene aus zehn Nationen durch Stalag III A Luckenwalde.

Das Lager war das größte im Bereich von Berlin und Brandenburg und eines der größten des Deutschen Reiches. Im Hauptlager befanden sich durchschnittlich 6.000 bis 8.000 Kriegsgefangene, tausende weitere leisteten Zwangsarbeit in über 1.000 Arbeitskommandos. Am schlechtesten wurden im Lager und bei der Arbeit sowjetische Inhaftierte behandelt, die vom Schutz internationaler Konventionen ausgenommen waren. Sie erlitten die größten Verluste, allein im Winter 1941/42 starben während einer Typhusepidemie ungefähr 2.500 von ihnen, die anonym in Massengräbern begraben wurden. Die häufigste Todesursache unter nicht sowjetischen Kriegsgefangenen waren Infektionen, Tuberkulose, Arbeitsunfälle, Selbstmorde und Erschießungen während vermeintlicher Fluchtversuche.   

Als Anfang 1945 die Rote Armee die Bereiche am Ostufer der Oder bedrohte, gelangten durch einen Evakuierungsmarsch tausende Kriegsgefangene aus dem Stalag III B Fürstenberg nach Lückenwalde, was zur Verschlechterung der ohnehin bereits schlechten Versorgungs- und Sanitätsbedingungen führte, wodurch die Zahl der Todesopfer insbesondere unter den sowjetischen Gefangenen anstieg. In den letzten Wochen der Kriegshandlungen verließ die Wachmannschaft unter Führung des Offizierskaders das Lager angesichts der nahenden sowjetischen Streitkräfte. Am 22. April 1945 befreiten die Sowjets das Lager.

Auf dem Lagerfriedhof fanden in nationalen Gräberfeldern ungefähr 5.000 überwiegend sowjetische Kriegsgefangene ihre letzte Ruhe. Regierungskommissionen Frankreichs und Großbritanniens exhumierten ihre in Luckenwalde gestorbenen Bürger und brachten die Überreste in ihre Heimat. 1992 setzte die italienische Regierung eine Kommission ein, die dasselbe mit 215 Gräbern italienischer Inhaftierter tat. Auf dem jugoslawischen Gräberfeld, das mehrere Grabsteine und Informationstafeln hinsichtlich des Schicksals jugoslawischer Kriegsgefangener aufweist, ruhen die polnischen Kriegsgefangenen ohne Kennzeichnung der Gräber.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gelangte das Stalag III A samt Lagerfriedhof wieder in Erinnerung, zuerst amtlich im Rahmen der Gesetzgebung bezüglich des Schutzes von Kriegsgräbern, dann gesellschaftlich und bei der Stadtverwaltung Luckenwalde. Es entstand der Luckenwalder Heimatfreunde e.V., der sich zur Aufgabe machte, die Dokumentation zu überarbeiten und auf den Überresten des Friedhofes einen Gedenkort einzurichten, der im September 2009 feierlich seine Tätigkeit aufnahm. Zugleich entstanden im städtischen Museum eine Ausstellung und ein Archiv zur Lagergeschichte und zum Aufenthalt der Gefangenen.

Es folgt eine alphabetische Namensliste der polnischen Kriegsgefangenen, die im Stalag III A starben und die auf dem jugoslawischen Gräberfeld bestattet wurden (während der Dokumentationsarbeit waren die Gräber nicht zu identifizieren, Abweichungen der namentlichen Friedhofslisten stehen in Klammern):

 


BOCHODNICKI METODY (Bocholnica Mefody)

Unteroffizier

* 6.4.1913 Jeżów

† 13.2.1940 Luckenwalde

 

BOCZKOWSKI STANISŁAW

Zuhführer

* 17.11.1906 Nowogród Kreis Lomscha

† 28.4.1940 Luckenwalde

 

CIOSNAK JAN (Ciosniak)

Soldat

* 20.2.1917 Ciosny (?) Kreis Biłgoraj

† 15.2.1940 Luckenwalde

 

CZATYŃSKI STEFAN

Soldat

† 29.9.1939 Luckenwalde

 

ENGEL S.

Soldat (Zivilist)

† 20.9.1939 Luckenwalde

 

FRANEK IGNACY (Frank Ignacz)

Soldat

* 24.1.1916 Brenno Kreis Lissa

† 14.11.1939 Luckenwalde

 

Hulis Władysław (Hulist Wladyslaw)

Soldat

* 25.1.1907 Donbrowa Kreis Bandin

† 18.4.1940 Luckenwalde

 

JEZIERSKI JÓZEF (Jezewski Josef)

Soldat

* 7.3.1899 Iloczew Kreis Sieradsch

† 11.1.1940 Luckenwalde

 

KNEBLOCH WŁADYSŁAW

Hauptmann

* 26.6.1893

† 12.5.1945 Luckenwalde

 

KRYSA ALEKSANDER

Oberleutnant (Zivilist)

* 27.11.1890

† 9.4.1945 Luckenwalde (9.4.1940)

 

KUCHTA FABIAN

Zugführer

* 15.2.1899 Janiczkowice

† 17.4.1940 Luckenwalde

 

LEDER MARCIN (deutscher Bürger Leda Martin)

Soldat

* 14.8.1910

† 19.11.1939 Luckenwalde

 

MALMED PEJSACH

Soldat

* 15.1.1910 Czernawczyce Kreis Brest-Litowski

† 25.12.1939 Luckenwalde

 

MORGUT FRANCISZEK

Soldat

* 13.11.1909 Ragów Kreis Puławy

† 15.3.1940 Luckenwalde

 

MOSOLEFT PIOTR

Soldat

* 21.12.1904

† 20.9.1940 Luckenwalde

 

OLIWA MAKS (Oliva Max)

Soldat

* 15.10.1899 Lodsch

† 20.12.1939 Luckenwalde

 

PALUCHOWICZ LEON

Soldat

* 24.6.1917 Serniki Kreis Pinsk

† 7.3.1940 Luckenwalde

 

PIĄTKOWSKI CZESŁAW

Soldat der Polnischen Armee oder der Heimatarmee, Teilnehmer des Warschauer Aufstandes

* 16.7.1907

† 1.2.1945 Luckenwalde

 

ROGALSKI STANISŁAW

Soldat

* 26.2.1911 Würzen Kreis Peterwitz

† 29.10.1939 Luckenwalde

 

ROKITA STANISŁAW

Soldat

* Rombielice bei Tschenstochau

† 6.10.1939 Luckenwalde

 

ROSTAN JAN (Roslon Jan)

Soldat

* 24.6.1906 Wola Galkowska bei Grójec

† 22.10.1940 Luckenwalde

 

RYSZANA JULIAN (Ryszawa Julian)

Soldat

* 13.2.1907 Sitne Kreis Radzymin

† 20.2.1940 Luckenwalde

 

SAPOR STANISŁAW

Soldat

* 27.10.1916

† 9.12.1940 Luckenwalde

 

SARAPATA JÓZEF

Oberleutnant

* 17.3.1886

† 11.2.1945 Luckenwalde

 

SIEMIENIAK JÓZEF

Feldwebel

* 10.2.1913 Johanneswunsch Kreis Wronke

† 6.3.1940 Luckenwalde

 

ŚNIEGOCKI JÓZEF TEODOR

Feldwebel

* 20. 4.1914 Plock Woiwodschaft Warschau

† 29.1.1940 Luckenwalde

 

SOŁTYSIAK KAZIMIERZ

Feldwebel

* 6.1.1907 Torsko Kreis Jarotschin

† 13.12.1939 Luckenwalde

 

STACHECKI WŁADYSŁAW (Stachniki)

Gefreiter

* 5.9.1914 Buków Bei Lodsch

† 3.11.1939 Luckenwalde

 

SUNIGOWSKI JÓZEF (Sunigocki)

Soldat

* 20.2.1901

† 7.2.1940 Luckenwalde

 

SZELA FRANCISZEK

Soldat (Zivilist)

* 15.6.1901 Melnik bei Rzeszów

† 13.10.1940 Luckenwalde

 

SZŁACHECKI WŁADYSŁAW

Soldat

* 29.4.1914

† 3.11.1939 Luckenwalde

 

URZĘDOWSKI KAZIMIERZ

Soldat

† 8.10.1039 Luckenwalde

 

WACZNADZE MIKOŁAJ

Oberst

* 22.7.1884 Grorzdziel / Tiflis

† 24.5.1940 Luckenwalde

 

WALCZAK FELIKS

Soldat

* 6.10.1903 Rybitwy Kreis Lentschitza

† 20.10.1939 Luckenwalde

 

WOŁOSZYŃSKI WŁODZIMIERZ (Wotoschinski Wlodzin)

Oberleutnant

* 15.8.1894

† 13.5.1945 Luckenwalde

 

ZACHROCZEWSKI / ZAKRZEWSKI HENRYK

Soldat

* 10.1.1910

† 9.3.1940 Luckenwalde

 

ZAPOR STANISŁAW

Soldat

* 27.10.1916

† 9.12.1940 Luckenwalde

 

ZRUM JERZY

Soldat

* 6.2.1910

† 19.3.1940 Luckenwalde

 

JAKUBEK JÓZEF

Zivilist

* 19.01.1912 Mischischewitz Kreis Karthaus / Westpreußen

† 3.8.1939 Luckenwalde.

 

KUBISCH TADEUSZ

Zivilist

* 27.10.1918 Rogasen

† 8.6. ?

 

MATOGA JAN

Zivilist

* 26.6.1944 Luckenwalde 

† 3.7.1944 Luckenwalde

 

RUTKOWSKI WŁADYSŁAW

Zivilist

* 25.2.1926 Warschau

† 25.3.1945 Luckenwalde

 

SZABAN ELISABETH

Zivilist

† 1939 Luckenwalde

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