Stukenbrock

Denkmal für die sowjetischen Kriegsopfer
Denkmal für die sowjetischen Kriegsopfer

Stalag 326 VI K wurde bereits im April 1941, einige Wochen vor dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion, auf die Aufnahme einer großen Menge russischer Kriegsgefangener vorbereitet. Bei der Ankunft des ersten Gefangenentransports am 10.07.1941 stellte lediglich ein umzäuntes Gelände von 1000x400 m das Lager dar, das nicht der Genfer Konvention von 1929 entsprach. Von Beginn an herrschte eine hohe Sterblichkeit, da es völlig an grundlegenden Hygienemitteln, Medikamenten im Krankheitsfall und jeglichen Gebäuden fehlte. Die Gefangenen bauten eigenhändig Hütten aus Materialien, die auf dem Gelände zur Verfügung standen, oder gruben Erdhöhlen. Politoffiziere, Intelektuelle und Juden wurden gezielt herausgesucht und anschließend im KZ Buchenwald umgebracht. Ab Oktober 1941 kamen Arbeitskommandos zum Einsatz, sodass die Häftlinge eine Nummer erhielten und je nach Bedarf Arbeit für das Militär, das Lager selbst oder die Eisenindustrie zu leisten hatten. Infolge der fatalen Verhältnisse, Krankheiten und schweren Arbeiten starben in den letzten drei Monaten 1942 ca. 5.000 Gefangene.

Das Lager für westliche Häftlinge, eine Fläche von 220x200 m am nordwestlichen Rand des Stalag, war abgetrennt. Trotz des Namens wurden dort unter anderem Polen gefangen gehalten. Dokumenten der Wehrmacht und des Roten Kreuzes zufolge befanden sich am 01.07.1944 in jenem Teil des Lagers 61 Polen, vier Monate später 1.657 und am 02.04.1945 (Befreiungsdatum) 250. Es ist nicht bekannt, ob die polnischen Gefangenen auf dem Lagerfriedhof oder auf Friedhöfen in der Umgebung bestatten wurden, wahrscheinlich begrub man sie in den Massengräbern, die aufgrund der hohen Sterblichkeit bereits früh zum Einsatz kamen. Die Einzelgräber auf dem Gelände stammen aus der Anfangszeit des Lagers, als der Ort Anfang September 1941 die Funktion des Lagerfriedhofs übernahm. Zusätzlich wurden 788 Gräber aus dem östlichen Westfalen und der Region Lippe sowie 1.230 aus der Region Detmold auf den Friedhof verlegt, was zwischen 1960 und 1964 im Rahmen von Umbauten stattfand, die dem Gelände seine heutige Form gaben.

Drei Tage nach der Befreiung des Lagers durch die amerikanische Armee fingen die überlebenden russischen Gefangenen mit dem Bau eines Denkmals für 65.000 sowjetische Opfer an. Mit Hilfe der lokalen Bevölkerung wurde am 30.04.1945 ein dreiseitiger Obelisk mit drei roten Sternen und einer roten Standarte aus Keramik fertiggestellt, die sich auf der Spitze befand, aber in den 1950er Jahren einem orthodoxen Kreuz wich. Auf drei Tafeln steht in russischer, englischer und deutscher Sprache:

 

HIER RUHEN DIE IN DER FASCHISTISCHEN GEFANGENSCHAFT ZU TODE GEQUÄLTEN 65.000 RUSSISCHEN SOLDATEN. RUHET IN FRIEDEN KAMERDEN 1941–1945

 

Zeitgleich mit dem Obelisken wurden mehrere kleine Gedenksteine aufgestellt, auf denen ein roter Stern und Schriftzüge in verschiedenen Sprachen zu sehen sind, allerdings nicht auf Polnisch (Angabe nur einiger Beispiele):

 

Terror und Hunger stärkten bitteren Haß in eurem Herzen gegen Faschismus.

Ihr wurdet mit Hunger, Kälte und Prügelei gequält, ihr seid begraben aber nicht versklavt worden.

Hier ruhen so viele stolze Herzen.

Die Heimat vergisst ihre Söhne nie.

 

Nach der Befreiung diente das Gelände des ehemaligen Lagers bis Anfang 1948 als Internierungsort für Parteifunktionäre der NSDAP und bereits ab 1947 als Durchgangslager für ehemalige Gefangene, die auf ihre Heimkehr warteten.

1967 entstand die Arbeitsgruppe Blumen für Stukenbrock, die sich um die Aufarbeitung der Lagergeschichte und die Organisation von jährlichen Gedenkfeiern am 1. September kümmert. Ein Teil dieser Feiern beinhaltet unter anderem eine Kranzniederlegung vor einer überdachten Mauer mit einem orthodoxen Kreuz und zwei Steintafeln mit einem Text auf Russisch und Deutsch:

 

HIER RUHEN SOWJETISCHE KRIEGSTOTE, DIE 1941-45 FERN IHRER HEIMAT STARBEN. GEDENKT IHRES LEIDENS UND STERBENS UND SORGT IHR, DIE IHR NOCH IM LEBEN STEHT, DASS FRIEDEN BLEIBT ZWISCHEN DEN MENSCHEN. FRIEDEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN

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