Kempa, Bernhard

Bernhard Kempa bei der Weltmeisterschaft im Feldhandball 1952
Bernhard Kempa bei der Weltmeisterschaft im Feldhandball 1952

Oberschlesisches Handballphänomen. Bernhard Kempa – Der „Kaiser” des Handballs

 

Die Liste der berühmten Sportler, die aus Oppeln und Umgebung stammen, ist lang. Sie verzeichnet Weltmeister und Gewinner olympischer Goldmedaillen, aber auch Europameister sowie deutsche und polnische Meister, wobei für die meisten Fans der Stern von Miroslav Klose, des Fußballweltmeisters von 2014, eindeutig am hellsten erstrahlt.

Doch ganz ehrlich: Ist der Liebling der Massen „Miro”, auch genannt „The Ice Man”, wirklich der namhafteste Sportler, der in Oppeln das Licht der Welt erblickte? Nun, jede Sportart hat ihre Idole, die ihre Fans mit eigenen Kriterien und aus verschiedenen Perspektiven betrachten, so dass nicht ganz eindeutig ist, dass gerade Miroslav Klose die absolute Nummer eins sei soll. Für die Handballfreunde, die es weltweit, vor allem in Deutschland, dem Geburtsland dieser Sportart, und ganz besonders in Oberschlesien gibt, ist Bernhard Kempa der größte Sportler seiner Stadt. Er starb am 20. Juli dieses Jahres im Alter von 96 Jahren. Dieses Handballphänomen ist den Kundigen nicht näher zu bringen, den Anhängern anderer Sportarten wohl aber schon.

Große Taktlosigkeit

Dies lohnt sich umso mehr, als Bernhard Kempa sehr wohl mit Miroslav Klose um den Ehrentitel des berühmtesten Sportlers aus Oppeln wetteifern kann, da er wie dieser zu den absolut herausragenden Vertretern seiner Disziplin gehörte. Dies bezeugen unter anderem die Worte des Präsidenten des Deutschen Handballbunds Andreas Michelmann zu seinem Tod: „Wir trauern um einen der größten Sportler, die Deutschland hervorgebracht hat”, wobei seine Verdienste um den Handball auch schon zu Lebzeiten gewürdigt wurden, und zwar 2011, als er in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen wurde. Dank dieser Auszeichnung hängt sein Bild nun neben solchen Legenden wie dem von „Kaiser” Franz Beckenbauer! Auch deshalb, aber insbesondere natürlich wegen seiner Leistungen und Verdienste um seinen Sport wird Bernhard Kempa auch als „Kaiser” des Handballs bezeichnet. Allerdings fand die Popularität, die er in Deutschland genoss, weder in Polen noch in Oppeln Widerhall. Mehr noch, sein Tod blieb in den polnischen Medien fast unbemerkt, sogar in seiner Heimatstadt verloren die meisten Medien (bis auf das Internetportal „Wochenblatt.pl“), und die Lokalpolitiker kein Wort. Was für ein Fauxpas!

Zentrale Schaltstelle der deutschen Nationalmannschaft

Dieses Verhalten war umso taktloser, wenn man bedenkt, dass Bernhard Kempa seine gesamte Jugend in der Oppelner Region verbrachte, dort seine Leidenschaft für den Handball entdeckte und mit 14 Jahren seine Sportlerkarriere begann. In den Kriegswirren musste er Oppeln wie viele andere Deutsche auch verlassen und floh mit seiner Familie, einschließlich zweier Brüder nach Bayern, bis er dann in Baden-Württemberg ein neues Zuhause fand. Zusammen mit den Brüdern Gerhard und Achim nahm er daraufhin den Handballsport wieder auf, bis er in dem kleinen Verein Frisch Auf GöppingenProfi wurde, der dank seines enormen Talents bald groß herauskam – erst in Deutschland und dann auch in Europa. Hier ist festzustellen, dass es Bernhard Kempa den Provinzverein bis zur deutschen Meisterschaft führte, was ihm später noch zweimal gelang! Im Zuge dieser Erfolge wurde der Oppelner zum besten Handspieler Deutschlands gekürt und in die Nationalmannschaft berufen, deren zentrale Schaltstelle er wurde und mit der er 1952 und 1955 den Weltmeistertitel gewann. Zu erwähnen ist noch, dass man Handball damals im Freien auf einem Fußballfeld spielte. Dies waren jedoch nicht die einzigen Erfolge des Ausnahmesportlers.