Thomas Godoj

Thomas Godoj und Band im September 2015 beim Drehen des Musikvideos „Vermisst du nicht irgendwas“ in der Ausstellung „Vernetzungen“ von Danuta Karsten (mit Dirk Hupe), Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Scherlebeck in Herten.
Thomas Godoj und Band im September 2015 beim Drehen des Musikvideos „Vermisst du nicht irgendwas“ in der Ausstellung „Vernetzungen“ von Danuta Karsten (mit Dirk Hupe), Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Scherlebeck in Herten.

Dennoch sieht Thomas Godoj seine Zeit bei DSDS und den kommerziellen Musikbetrieb kritisch. In mehreren Interviews, unter anderem bei radioBerlin 88,8 am 16.12.2014 und bei Scenario, der Jugendredaktion der Recklinghäuser Zeitung am 3.9.2015 (beide auf youtube), bewertet er sowohl das einschlägige Fernsehformat als auch die wenigen auf dem Weltmarkt verbliebenen Plattenfirmen als nicht gerade zimperliche kommerzielle Unternehmen, mit denen alle gutes Geld verdienen – nur die Musiker nicht, denen am Ende kaum Geld zum Überleben bleibt. Deshalb hat er sein fünftes Album mit dem Titel „V“, das am 24.10.2014 herauskam, erstmals in Eigenregie mithilfe von Crowdfunding über die Internet-Plattform startnext.com finanziert und unter seinem eigenen Musiklabel Tomzilla herausgebracht. Innerhalb von 24 Stunden hatte er das Finanzierungsziel von 55.000 Euro erreicht und damit den europäischen Crowdfunding-Rekord für Musik gebrochen. Am Ende waren nach neun Wochen über 158.000 Euro von 784 Unterstützern zusammengekommen. Dieser Erfolg ermöglichte es Godoj, auch sein erstes im Studio produziertes Akustikalbum „V’stärker aus“ zu produzieren, auf dem seine Band mit Instrumenten ohne elektrische Verstärker musiziert und das am 25. September 2015 erschien. Für das sechste Album hat das Crowdfunding am 22. Januar 2016 begonnen und bis Ende Februar dieses Jahres rund 140.000 Euro eingespielt. Die Kampagne läuft aber noch bis zum 26. März 2016. Das Crowdfunding und das eigene Label ermöglichen es Godoj, ohne die Vorgaben einer Plattenfirma und die Zwänge der Musikindustrie die Musik zu machen, die er sich vorstellt, und dann mit dem neuen Album wieder auf Tour zu gehen.

Thomas Godoj, mit polnischem Namen Tomasz Jacek Godoj, wurde 1978 in der schlesischen Großstadt Rybnik in Süd-Polen geboren. 1986 zogen die Eltern mit ihm und seiner Schwester nach Deutschland und ließen sich zwei Jahre später in Recklinghausen nieder. Der Ankunft in Deutschland ging ein konspirativ geplanter Urlaub der Eltern an der jugoslawischen Adriaküste voraus. In Belgrad warteten sie einen Monat auf ein Visum. Über das Grenzdurchgangslager Friedland und die Landesstelle Unna-Massen gelangte die Familie zunächst nach Mettmann. Dort lebte sie zwei Jahre in einer kleinen Notwohnung, die sie nach einem Jahr mit einer anderen Aussiedlerfamilie teilen musste, und zog 1988 nach Recklinghausen. Dort, so Thomas Godoj, habe er seinen Platz gefunden, dort habe er seine Freunde. Als Jugendlicher „trieb er sich“, wie er selbst sagt, „in Probenräumen rum“, kaufte sein erstes Schlagzeug und schrieb die ersten Liedtexte. Recklinghausen sei bekannt für seine Rock ’n’ Roll-Szene, auch für Heavy Metal und Hardcore, die ihn in den 1980er- und 90er-Jahren geprägt haben. Mit seiner ersten eigenen Band Cure of Souls gewann er auf einem Newcomer-Festival in Recklinghausen den ersten Preis.

Von 2003 bis 2005 interpretierte er als Leadsänger mit der Nu-Metal-Band Tonk! selbst geschriebene deutschsprachige Texte. Im Anschluss an eine Ausbildung zum Technischen Zeichner gab er sein Studium zum Bauingenieur nach acht Semestern für die Musik auf und stand von 2005 bis 2007 als Sänger mit der Band WiNK auf der Bühne. Im Sommer 2007 bewarb er sich schließlich bei der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar und erreichte mit einer rockigen Auswahl an Liedern das Finale. Er sei, sagt er im Interview mit radioBerlin, der Fernsehsendung DSDS durchaus dankbar, dass er sich präsentieren und in der Musikbranche Fuß fassen konnte. Was ihm im Nachhinein nicht gefallen habe, war, wie man hinterher mit den Teilnehmern umgehe und wie dann „das Geschäft tickt“. Dass im kommerziellen Musikbetrieb Bilanzen im Vordergrund stünden, gehöre seiner Ansicht nach überhaupt nicht dorthin, das habe ihn „erschüttert und ernüchtert“. Musik sei für ihn „immer noch ein Gefühl“. Die Einblicke in das Casting-Verfahren und den öffentlichen Umgang der PR-Maschinerie mit seiner Biographie und mit persönlichen Äußerungen empfand er als „absurd“.