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Maciej Rusinek: Auch das Unbewegliche tanzt

Maciej Rusinek
Maciej Rusinek

BK: Mit Tadashi Endo verbindet Sie auch eine persönliche Freundschaft? Wird die Art und Wiese, wie Sie seine Kunst fotografieren dadurch beeinflusst?

MR: Ja, dadurch, dass ich das Privileg habe, diesen großen Künstler, der seit über 25 Jahren in Göttingen lebt und arbeitet, regelmäßig zu fotografieren, ist auch eine Freundschaft zwischen uns entstanden. Vergleichbare Beziehungen verbinden mich mit anderen Künstlern dieser Tanzbewegung, die in Deutschland wirken. Hier möchte ich noch Minako Seki erwähnen. Als ich sie 1998 kennenlernte und erfuhr, dass sie an „Human Form“ arbeitet, haben wir sehr schnell eine gemeinsame Sprache gefunden, da sie sich bei dieser Inszenierung vom literarischen Werk von Bruno Schulz inspirieren ließ, einem meiner Lieblingsautoren.

Die Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern hat praktisch keinen Einfluss darauf, wie ich fotografiere. Ich tue das immer mit ihrer Zustimmung, „live“, also während der Theateraufführung, nicht an einem künstlich ausgesuchten Ort, nicht im Fotostudio.

BK: Das erste Album, das dem Butoh-Tanz gewidmet war, haben Sie 2017 herausgegeben. Wie sind die beiden Fotobücher konzipiert?

MR: Beide Bücher habe ich in meinem Verlag „Fotoloft-MaciejRusinek“ selbst herausgegeben. Dafür gab es einen einfachen Grund: ich habe recht lange um das Interesse von Verlagen an diesen Alben gekämpft. Das Echo war immer fast gleich: die Bücher seien interessant, doch ihr marginales Thema sei nicht kommerziell genug!

Das Hauptmotiv für die Edition des ersten Albums „Tadashi Endo – Butoh MA“ war der Wunsch, den großen Künstler anlässlich seines 70. Geburtstags und des 25-jährigen Jubiläums seines künstlerischen Schaffens in Deutschland in Göttingen zu würdigen.

Mit dem zweiten Buch „Butoh 2“ wollte ich die anderen 30 Künstler dieser Kunstrichtung, deren Auftritte ich über zwanzig Jahre fotografiert habe, auf besondere Weise ehren.

Ich habe mich dabei bewusst ausschließlich auf japanische Tänzerinnen und Tänzer beschränkt, weil die „Absolventen“ der Butoh-Tanzworkshops, die sich später als Vertreter des Butoh-Tanztheaters ausgeben, für eine ganz andere Kunst stehen... Vielleicht war dies mein inneres Bedürfnis, mit etwas abzuschließen, was für mich jahrelang sehr wichtig war, was aber langsam zu Ende geht... Eins weiß ich ganz sicher: ich werde die Suche mit der Kamera in der Hand niemals aufgeben!

BK: Was hat Sie dazu bewogen, Schwarz-Weiß-Fotografien in das Album aufzunehmen? Was halten Sie von der Aussage von Ted Grant: „Wenn du Menschen in Farbe fotografierst, dann fotografierst du ihre Kleidung. Wenn du sie in schwarz-weiß fotografierst, dann fotografierst du ihre Seelen“?

MR: Diesem weisen Zitat stimme ich voll und ganz zu. Die Fotografie ist ein Versuch, das Spiel von Licht und Schatten oder Dunkelheit einzufangen. Weiße (überbelichtete) Flächen oder schwarze (unterbelichtete) Flächen sind entbehrlich, alles andere – dazwischen – ist eine bewusste Entscheidung des Fotografen, er entscheidet, welches Motiv seiner Intention im kreativen Prozess am ehesten entspricht. In einer Theatervorstellung zu fotografieren, ist eine besondere Herausforderung, weil es unter teilweise extrem verschiedenen Lichtverhältnissen geschieht. Vor allem Butoh-Tänzer lieben es, bei minimaler Beleuchtung zu spielen, daher wird manchmal vom „Tanz der Dunkelheit“ gesprochen. Ich erinnere mich an das Gefühl der Sinnlosigkeit, das mich beim Fotografieren der hervorragenden Aufführung „Shitoh“ von Mamoru Narita beschlich, bei der die einzige Lichtquelle während des größten Teils der Aufführung eine kleine Kerze war, die am Körper des Tänzers befestigt war. Deshalb verwende ich hoch empfindliches Filmmaterial, lange Belichtungszeiten und quäle mich mit der Bildbearbeitung im Labor, um eine Wirkung zu erzielen, die mich als Urheber und als Betrachter zufrieden stellt. Dabei ist nicht zu verhehlen, dass dies eine große Herausforderung ist. Ich denke aber, dass ich ihr bei den meisten fotografierten Aufführungen gerecht geworden bin. Zurück zum Album: Die große Vielfalt an Lichtverhältnissen, bühnenbildnerischen Elementen und Farben, die in einem einzigen Fotoalbum enthalten sein sollten, waren für mich die größte Schwierigkeit bei dem Versuch, das zu vermitteln, was mir am meisten am Herzen lag, und zwar die Seele der Schauspieler und Tänzer. Deshalb habe ich mich für die einheitlichen, schwarz-weißen Bildversionen entschieden.

 

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  • Maciej Rusinek, "Butoh I"

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  • Maciej Rusinek, "Butoh II"

    Maciej Rusinek, "Butoh II", Frankfurt am Main, 1999
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