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Eine Spurensuche – NS-Verbrechen an Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen in einem Dorf im Sauerland

Frühstück bei der Ernte bei Bauer Paul Lohmann, links und rechts Zwangsverpflichtete polnische Landarbeiter, 1940. Es war den Bauern bei Strafe verboten, mit den Polen gemeinsam zu essen.
Frühstück bei der Ernte bei Bauer Paul Lohmann, links und rechts Zwangsverpflichtete polnische Landarbeiter, 1940. Es war den Bauern bei Strafe verboten, mit den Polen gemeinsam zu essen.

Aber nicht alle Garbecker*innen sind begeisterte „Volksgenossen“. Manch frommer katholischer Kirchgänger und Kirchgängerin ballt heimlich die Faust in der Tasche. Vor allem Pater Thomas, der Kooperator von Pfarrer Schulte, ist für seine kritische Haltung gegenüber den Nazis bekannt. „Es gab so ein Lied ‚Die Feinde deines Kreuzes drohen dein Reich, Herr, zu verwüsten‘. Das wurde bei jeder Andacht und bei jeder Gelegenheit gesungen“, sagt meine Tante, Rita Prior (Jahrgang 1926), lachend. Das sei ein richtiges Protestlied gewesen. „Man hörte immer, der Pater müsste sich mehr in achtnehmen, sonst würde er abgeholt“. Trotz des polizeilichen Verbots führen die Geistlichen 1940 die Fronleichnam-Prozession durch. Statt durchs Dorf, ziehen die Gläubigen diesmal nur von der Kirche zur benachbarten Grundschule. Dort werden, unter Mitwirkung der katholischen Jugend, vier Altäre aufgestellt und ein Schild mit der Aufschrift „Christus herrscht – Gott regiert“. Für die Nazis ist das eine Provokation. Ein Foto von der Szene fand ich im Nachlass meines Vaters (Jahrgang 1923), der in der katholischen Jugendgruppe aktiv war. Die Garbecker Schüler*innen durften an der Prozession nicht teilnehmen, erinnert sich Rita Prior, aber: „Wir konnten auf die Straße gucken.“ Und Lehrer Lotze habe gedroht: „Wagt es nicht, aus dem Fenster zu schauen!“. Der Lehrer war SA-Gruppenleiter und kam immer in Uniform zur Schule. Wenn die Ferien anfingen, mussten wir um die Fahne herum strammstehen“, erzählt meine Tante.

Im Juli 1944 denunziert ein Bauer den Pater.[6] Der Balver Gendarmerie Meister Wallmann gibt diese Information an die Gestapo in Meschede weiter. Karl Thomas habe „entgegen den Bestimmungen der Geheimen Staatspolizei ein Ostarbeiterkind getauft. Es handelt sich um das Kind Olga des Ostarbeiter Ehepaars Iwan Borkow, wohnhaft in Frühlinghausen, Gemeinde Garbeck, bei dem Bauern Lohmann.“ Karl Thomas war bereits 1937 zum ersten Mal von der Gestapo verhaftet worden, „wegen Predigtäußerungen gegen die Gemeinschaftsschule“.[7] Zu der Zeit war Thomas in Lebenhan bei Neustadt/Saale als Lehrer tätig. Das Stadtgericht Würzburg belässt es 1938 bei einer Verwarnung, entzieht ihm aber die Lehrbefugnis.[8] Der Orden schickt den Pater daraufhin nach Garbeck, wo er vom 1. Juli 1940 bis zum 31. März 1948 tätig ist. Karl Thomas kehrt anschließend wieder zurück in den Schuldienst und stirbt 1971 bei einem Verkehrsunfall.

 

[6] Archiv Märkischer Kreis, A Ba 2127

[7] Ulrich Hehl, Priester unter Hitlers Terror, Paderborn, 1968, S. 1665

[8] Staatsarchiv Würzburg, 15975 RPBG

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