Lorenc, Katarzyna

Katarzyna Lorenc
Katarzyna Lorenc

Katarzyna Lorenc (*1984) – für mehr kulturelle Angebote in polnischer Sprache in Essen
 

Die gebürtige Oberschlesierin studierte Deutsche Philologie und Deutsch als Fremdsprache an der Jagiellonen-Universität in Krakau sowie Sprach- und Literaturwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Nach erfolgreicher Teilnahme am Programm „Europa gestalten – Politische Bildung in Aktion“ der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Bosch-Stiftung arbeitete sie zunächst als Kulturmanagerin in verschiedenen Galerien und Projekten in Berlin. 2017 zog sie nach Essen. 2018 gründete sie gemeinsam mit Angelika J. Trojnarski das deutsch-polnische Kuratorinnenduo „Curated Affairs“. Derzeit verantwortet sie den Bereich Marketing und Kommunikation am Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen. 

Seit Januar 2021 ist Katarzyna Lorenc direkt gewähltes Mitglied des Integrationsrates Essen. Sie war ein Teil einer sehr erfolgreichen Wahlkampagne, die im Sommer 2020 von Joanna Szymańska-Bica mit dem Verein Polregio e. V. konzipiert wurde. In Essen war es vor allem Magdalena Kowalska, die sie ermutigt und motiviert hat, ihr als Stellvertreterin bei der Kandidatur zum Essener Integrationsrat zur Seite zu stehen. Aufgrund ihres beruflichen Werdegangs widmet sie sich den Themen Kultur und kulturelle Bildung. Nach ihrem Umzug von Berlin nach Essen 2017 fiel ihr auf, dass das kulturelle Angebot in polnischer Sprache in Essen (sehr!) gering war. Vor dem Hintergrund der historischen Verflechtungen des Landes Nordrhein-Westfalen mit Polen wunderte sie sich sehr darüber: 

„Die, polnischen Berliner‘ waren für mich so präsent, wo sind die, polnischen NRW-ler‘, fragte ich mich. In Essen leben über 28.000 Polinnen und Polen, im benachbarten Düsseldorf über 31.000.“ (Katarzyna Lorenc)

2018 hat sie in Düsseldorf ein deutsch-polnisches Kuratorinnen-Duo gegründet, das sich die Stärkung des deutsch-polnischen Dialogs zur Aufgabe gemacht hat. Schnell wurde ihr klar, dass von den Zugewanderten Offenheit gegenüber der Landessprache erwartet wird (was auch richtig ist), aber nicht umgekehrt: 

„Dies sollte aber kein Entweder-Oder sein. Und obwohl häufig davon gesprochen wird, dass Integration keine Einbahnstraße ist, versuche ich, diese Erkenntnis zum Motor meiner Arbeit zu machen. Wie kann ich den Menschen, die hier leben, zeigen, dass sie willkommen sind, dass an sie gedacht wird, dass sie Teil der Stadtgesellschaft sind und nicht nur… Steuerzahler? Indem ich die Kultur und Geschichte der Stadt für sie öffne. Es ist nur eine Geste. Aber eine mächtige.“ (KL)

Im Frühjahr 2022 hat sie einen Antrag geschrieben, der es ermöglicht, die Essener Kulturlandschaft in polnischer Sprache und mit einer polnischsprachigen Gruppe in Form eines Spazierganges bzw. einer Begegnung zu erkunden. Die Antragstellung wurde vom Polnischen Kreis PIAST in Essen e.V. unterstützt. Bis Ende des Jahres 2023 werden es zwanzig samstägliche Treffen sein: 

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen, für die Essen auf Polnisch erlebbar geworden ist, einen anderen Blick auf die Stadt bekommen. Die Idee ist einfach und ich freue mich über jede_n, die/der sie für ihre/seine Stadt übernehmen möchte.“ (KL)

Die Mitarbeit im Integrationsrat war für Katarzyna Lorenc deshalb hilfreich, weil sie neben dem Engagement erst dort vom Essener Konzept Zusammenleben in Vielfalt erfahren hat, über die die polnischen Kulturbegegnungen finanziert werden. Eine weitere Idee, die sie ab Dezember 2021 umsetzen konnte, war die Einrichtung von Social-Media-Konten des Integrationsrates. Ziel dieser Maßnahme ist es, mehr Menschen über die Arbeit des Integrationsrates zu informieren und dafür zu begeistern. Die Wahlbeteiligung für das Gremium lag in Essen im Jahr 2020 bei 12,2 %. Mit mehr Außenwirkung hofft sie sehr, einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung 2025 zu erzielen und nebenbei auf spannende Projekte hinzuzuweisen, die auch auf Nachbargemeinden übertragbar sind: 

„Die Mitarbeit im Integrationsrat kann ein Einstieg in die Kommunalpolitik sein. Es lehrt viel, auch über sich selbst. Wie in allen Lebensbereichen wäre meine Empfehlung, sich gleichgesinnte Verbündete zu suchen!“ (KL)

 

Kontakt: lorenc.kas@gmail.com

https://de.linkedin.com/in/kasia-lorenc

 

Anna Stahl-Czechowska, November 2023 

(Der Text wurde auf der Grundlage eines schriftlichen Interviews erstellt.)