Kazimierz Odrobny

Porträt von Kazimierz Odrobny (1904–1981), 1947
Porträt von Kazimierz Odrobny (1904–1981), 1947

Der Krieg hatte ihn nicht von seinen politischen Überzeugungen abgebracht. Seit dem Juli 1948, vermutlich jedoch schon früher, beteiligte er sich am Aufbau der Exilstrukturen der SN in der britischen Besatzungszone, um deren unterbrochene politische Arbeit wieder aufzunehmen. 1949 und 1950 leitete er dann das Komitee der SN in der ehemaligen britischen Besatzungszone. In dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu Kazimierz Tychota sowie zu anderen Vertretern der Endecja-Bewegung, die bereits vor dem Krieg aktiv waren. Odrobnys politische Arbeit fiel damals mit den Gesprächen der Amerikaner, Briten und Polen über die geheimdienstliche Tätigkeit des Politischen Rats (Rada Polityczna), des zentralen Organs der SN in Westdeutschland, zusammen. Diese Aktivitäten hinter dem Eisernen Vorhang sind heute, zumal in Polen, als „Berg-Affäre” bekannt [der Name verdankt sich dem Bayrischen Ort Berg, in dem sich das Geheimdienstzentrum„Süd“befand]. Dabei weist alles darauf hin, dass Kazimierz Odrobny an diesen Umtrieben als Angehöriger des Geheimdienstzentrums „Nord”, das in Oerlinghausen und Quackenbrück residierte, beteiligt war. In dieser Zeit berichtet er an seinen Freund Kazimierz Tychota. Als die geheimdienstliche Arbeit aufflog, gelang es ihm, sich von dem Vorwurf der Agententätigkeit reinzuwaschen, da er sich als Mitläufer dargestellt hat. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen gewann er aus dem Endecja-Lager viele neue Parteimitglieder, darunter Andrzej Dalkowski (Deckname „Jędrek”).

Ende 1949 heiratete Kazimierz Odrobny seine Auserwählte, Zofia Ogonowska. Die Hochzeit gab dann wohl den Ausschlag dafür, den Wohnort zu wechseln. Aus dem Lager Lippstadt in der Kolpingstraße 8 (DP Camp AR419) zog er in die Höferstraße 58 in Velbert um, wo auf Betreiben des Landes Nordrhein-Westfalen eine neue Siedlung für politische Flüchtlinge entstanden war. Laut einigen Quellen soll sich Kazimierz 1949 und 1950 in Oerlinghausen und im Lager Höxter aufgehalten haben. Jedenfalls plante er, die Bundesrepublik Deutschland mit seiner Frau zu verlassen. Beide wollten in ein Land ausreisen, das die polnische Exilregierung in London anerkannte. Zudem schloss Kazimierz auch die Möglichkeit einer weiteren Emigration nach Spanien oder Südamerika nicht aus. Doch es gelang den beiden nicht, diese Pläne zu verwirklichen. Sie verbrachten ihr weiteres Leben in der Bundesrepublik Deutschland. 

Kazimierz Odrobny war einer von vielen gesellschaftlich-politischen Aktivisten, zunächst unter den polnischen DPs, später als polnischer Flüchtling in der britischen Besatzungszone. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland setzte er sein Engagement fort, indem er an zahlreichen Initiativen beteiligt war und organisatorische Aufgaben übernahm, unter anderem in der vom Exekutivausschuss des Zjednoczenie Polskiego Uchodźstwa Wojennego (ZPUW), dem Verband Polnischer Kriegsflüchtlinge, in Brüssel einberufenen Organisationskommission für den ZPU. Vom 28. bis zum 30. Juli 1951 nahm er als Gründungsmitglied der neuen Organisation an der konstituierenden Sitzung des ZPU in Höxter teil, was auch in der Satzung des Verbands festgehalten wurde. In der ersten Zusammenkunft des ZPU-Rats wurde er als stellvertretender Vorsitzender in den Vorstand des Verbands gewählt. In der Folgezeit blieb sein Leben lange Jahre den Belangen der polnischen Flüchtlinge und den organisatorischen Themen des ZPU gewidmet. Zu seinen Hauptaufgaben im Vorstand des Verbands gehörte die Aufsicht über die Arbeit der Schulen für polnische Flüchtlinge, da er in diesem Bereich wohl am erfahrensten und als Mitglied des Centralny Komitet dla Spraw Szkolnych i Oświatowych (Zentralkomitee für Schul- und Bildungsangelenheiten) beim ZPU ausgewiesen war. Außerdem setzte er sich für die Kriegsentschädigungen für polnische Staatsbürger ein, eine Angelegenheit, die ihn über Jahre beschäftigt hat.

Mediathek
  • Kazimierz Odrobny (1904-1981), 1947.

    Kazimierz Odrobny (1904-1981), 1947.
  • Studentenverbindung K! Gedania Posnaniensis, Kazimierz Odrobny links außen

    Mitglieder der Studentenverbindung K! Gedania Posnaniensis, Kazimierz Odrobny links außen, 1930er Jahre.
  • Kazimierz Odrobny mit Lehrerkollegium der Schule für polnische DPs

    Lehrerkollegium der Schule für polnische DPs in Lippstadt, Kazimierz Odrobny rechts außen, um 1947/1948.
  • Beerdigung von Zofia Odrobna

    Beerdigung von Zofia Odrobna auf dem Friedhof in Düsseldorf-Eller, 24.09.1960
  • Titelblatt einer Publikation unter Mitwirkung von Kazimierz Odrobny

    Titelblatt einer Publikation unter Mitwirkung von Kazimierz Odrobny, Philadelphia 1974.
  • Kazimierz Odrobny in der Privataudienz bei Papst Johannes Paul II

    Kazimierz Odrobny in der Privataudienz bei Papst Johannes Paul II, Rom, 11.11.1979.