Arka Bożek – Aktivist der polnischen Minderheit in Schlesien, Politiker und Publizist

Arkadiusz Bożek, Abgeordneter zum Nationalrat – Porträtfoto (zw. 1940 u. 1944)
Arkadiusz Bożek, Abgeordneter zum Nationalrat – Porträtfoto (zw. 1940 u. 1944)

Arka Bożek wurde am 12. Januar 1899 in Markowitz / Markowice (heute ein Stadtteil von Ratibor / Racibórz) geboren. Seine Eltern waren Karol Bożek, Besitzer eines mittelgroßen Bauernhofs, und Bernardyna geb. Sławik, Tochter eines Müllers. Die Familie Bożek lebte mindestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in Markowitz. Im Elternhaus wurden der schlesische Dialekt und die polnische Sprache gesprochen. Arka begann in der Grundschule Deutsch zu lernen. Arkas Eltern waren an gesellschaftlichen Angelegenheiten interessiert und empfingen oft polnische Aktivisten. Als Kind besuchte Bożek mit seinem Vater Krakau und Jasna Góra (Częstochowa / Tschenstochau). Allerdings wurde er zu dieser Zeit von der deutschen Kultur und der Propaganda der Großmächte beeinflusst. Gegen die Haltung seiner Eltern trat er im Frühjahr 1915 in die kaiserliche Armee ein. Aufgrund seiner Herkunft erfuhr er in der Armee Diskriminierung. Dies trug dazu bei, dass er ein polnisches Nationalbewusstsein entwickelte. In der unmittelbaren Nachkriegszeit näherte sich Bożek vorübergehend der deutschen Linken an, infolgedessen er jahrelang des Kommunismus bezichtigt werden sollte. Die Parolen der sozialen Gerechtigkeit blieben für ihn dennoch zeitlebens von Bedeutung. Er verband sie mit der nationalen Frage. Das ausgebeutete Volk waren für ihn die polnischsprachigen Schlesier, die den deutschen Kapitalisten und der Verwaltung untergeordnet waren. 

Bevor er sich der in seiner Region politisch engagiert hatte, widmete er sich seinem Privatleben. Ende 1918 übernahm er den Hof seines Vaters und heiratete Jadwiga Komor (1900–1992), die Tochter wohlhabender Bauern. Seine bescheidene, fleißige und aufopferungsvolle Frau wurde zu einem echten Felsen in der Brandung und eine große Stütze für Arka. Das Paar bekam drei Töchter (die erste wurde 1922 geboren) und einen Sohn, der im Säuglingsalter starb. 

Bożek engagierte sich öffentlich während der Zeit des Kampfes um die Zukunft Schlesiens, der die Beziehungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen verschärfte. Seine Mitwirkung in der deutschen Linken (Spartakusbund), die für die Zugehörigkeit Schlesiens zu Deutschland eintrat, gab er schnell auf. Nachdem er sich schließlich für die polnische Seite entschieden hatte, schloss sich Arka der Polnischen Bauern-/Volkspartei (Polska Partia Ludowa, PPL) an, die 1922 durch den ZPwN gegründet wurde. Bei den Kommunalwahlen errang er einen Sitz im Gemeinderat von Markowitz. Er wurde als guter Redner bekannt, der es verstand, Kontakte zu den einfachen Menschen herzustellen. Wie viele polnische Veteranen trat Bożek der Polnischen Militärorganisation Oberschlesiens bei. An den direkten Kämpfen während des Ersten Aufstands im August 1919 nahm er nicht teil. Er beteiligte sich aber an der Sprengung einer Brücke bei Ratibor (Racibórz). In der Zeit vor der Volksabstimmung warb er bei den polnischsprachigen schlesischen Katholiken dafür, für Polen zu stimmen. Während des Dritten Aufstands im Jahr 1921 kämpfte Bożek in den Reihen des in Racibórz aufgestellten 4. Infanterieregiments. Er befehligte eine Kompanie und organisierte den Sanitätsdienst. Zudem versuchte er, die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung oder Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Deutschen und Polen zu kontrollieren. Nach der Demarkation der deutsch-polnischen Grenze im Jahr 1922 befand sich der Hof der Bożeks direkt an der Grenze auf deutscher Seite. Trotz persönlicher Gefährdung beschloss Bożek, in Deutschland zu bleiben und sich für die Interessen der polnischen Minderheit einzusetzen. Er wurde Mitglied des Wahlausschusses der PPL und setzte sich für polnische Kandidaten zu preußischen und deutschen Parlamenten ein. 

Darüber hinaus beteiligte er sich an den Aktivitäten des Bundes der Polen in Deutschland (Związek Polaków w Niemczech, ZPwN), der im Sommer 1922 gegründet wurde. Bożek initiierte die Aufstellung einer Ortsgruppe in seinem Heimatort Markowitz und unterstützte auch die Gründung von weiteren Ortsgruppen. 1924 wurde er Mitglied des Rates des Bezirkes I des ZPwN. Außerdem wurde er im Sommer desselben Jahres zum ZPwN-Kongress nach Berlin delegiert. Trotz seines jungen Alters und einiger Kontroversen über sein jugendliches Engagement in der linksextremen Bewegung festigte sich seine Position nach und nach. Er wurde für seinen Wagemut, seine Beharrlichkeit, seine Zivilcourage und seine Fähigkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten, geschätzt. Zwischen 1927 und 1930 war Bożek stellvertretender Vorsitzender des Bezirks I des ZPwN, ab 1930 Sekretär des Vorstands. Er bemühte sich um direkten Kontakt mit den Mitgliedern vor Ort, wofür er zahlreiche Reisen in die Region unternahm. Er engagierte sich überdies in der Pfadfinderbewegung, im Bildungswesen (er war Vorsitzender der Union der polnischen Schulvereine in der Region Oppeln), in landwirtschaftlichen Kreisen und in vielen anderen kulturellen und wirtschaftlichen Initiativen, wie im Oberschlesischen Landwirtschaftsverband. Die hohe Wertschätzung Bożeks in polnischen Kreisen zeigte sich darin, dass er sogar einer der beiden Vertreter der polnischen Minderheit in der Gemischten Kommission für Oberschlesien wurde. Diese Kommission wurde von der Genfer Konvention (auch: Deutsch-Polnisches Abkommen über Oberschlesien vom 15. Mai. 1922) eingesetzt und tagte in Kattowitz / Katowice. Seine Reden und Interventionen waren oft wirkungsvoll, obwohl er keine formale Ausbildung, insbesondere nicht in Jura, hatte. Er war jedoch ein begabter Autodidakt, der sich ständig weiterbilden wollte. Bożek veröffentlichte bald zahlreiche journalistische Texte, die in polnischen Zeitschriften in Deutschland gedruckt wurden.

Mediathek
  • Arkadiusz Bożek, Vizepräsident des 1. Distrikts des Bundes der Polen in Deutschland, polnischer Aktivist im Oppelner Schlesien

    Ilustrowany Kurier Codzienny, Nr. 322 vom 20.11.1932
  • Vorgehen der deutschen Behörden gegen die polnische Minderheit

    St. Lgb. f. Juni/Juli v. 11.8.1937, Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle Oppeln
  • Einstellung der polnischen Minderheit zum Reich

    Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle Oppeln, 1938
  • Arkadiusz Bożek, Vizepräsident des 1. Distrikts des Bundes der Polen in Deutschland, wartet an der Grenze Słubice-Brandenburg auf die Durchfahrt des Sarges mit dem Leichnam von Pater Bolesław Domański

    Ilustrowany Kurier Codzienny, Nr. 119 vom 1.5.1939
  • Denkmal für Arka Bożek von 1980

    Im Roth-Park in Ratibor (Racibórz)