Tłumaczenie na ten język nie jest niestety w tej chwili dostępne.
Teilen:

Eine Spurensuche – NS-Verbrechen an Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen in einem Dorf im Sauerland

Frühstück bei der Ernte bei Bauer Paul Lohmann, links und rechts Zwangsverpflichtete polnische Landarbeiter, 1940. Es war den Bauern bei Strafe verboten, mit den Polen gemeinsam zu essen.
Frühstück bei der Ernte bei Bauer Paul Lohmann, links und rechts Zwangsverpflichtete polnische Landarbeiter, 1940. Es war den Bauern bei Strafe verboten, mit den Polen gemeinsam zu essen.
Das „Arbeitserziehungslager Hönnetal“ in Sanssouci bei Balve

 

Zur Aufrechterhaltung der Arbeitsmoral und zur Abschreckung und Disziplinierung widerständiger Arbeitskräfte errichten die NS-Machthaber ein ganzes System von Straflagern. Entgegen landläufigen Vorstellungen, wonach es sich bei den Häftlingen um „Kriminelle“ handelt, gilt als Grund für die Inhaftierung in Straflagern „Umhertreiberei“ oder „Arbeitsvertragsbruch“, wie Verstöße gegen die Arbeitsdisziplin im Beamtendeutsch genannt werden. Ab 1940 werden Ausländer in so genannten „Arbeitserziehungslagern“ inhaftiert, auf Anordnung und unter Aufsicht der Gestapo. Die Haftzeit ist zunächst auf 56 Tage, später auf drei Monate begrenzt. Im Sommer 1940 wird das „Reichsarbeitsdienstlager“ Hunswinkel bei Lüdenscheid der Firma Hoch und Tief, das bereits seit 1938 bestand, zum „Arbeitserziehungslager“ für Ausländer ausgebaut. Die Gefangenen leisten beim Bau der Versetalsperre Schwerstarbeit. Im Herbst 1944 werden die Arbeiten eingestellt, die meisten Häftlinge ins „Arbeitserziehungslager Hönnetal“ nach Sanssouci, einem Ortsteil von Balve, überführt.[15]

„An der neuen Arbeitsstätte werden von der Organisation Todt im Auftrag des Reichsbeauftragten Geilenberg sehr eilige Steinbrucharbeiten durchgeführt“,[16] informiert der Dortmunder Gestapo-Chef, Erich Roth, am 29. Dezember 1944 den Regierungspräsidenten in Arnsberg. Das Bauvorhaben „Schwalbe I“ hat für die NS-Wirtschaftsplaner hohe Priorität und unterliegt strengster Geheimhaltung. Nach den alliierten Bombenangriffen auf Treibstoffwerke im Mai 1944 sollen auf Befehl von Rüstungsminister Speer die wichtigsten Benzinfabriken unter die Erde verlagert werden. Die „Sofortmaßnahmen“ seien mit „großzügigstem Einsatz von Arbeitskräften und Material und mit rücksichtsloser Energie“ durchzuführen, heißt es im Führererlass vom 30. Mai 1944. SS und Gestapo setzen über 350.000 Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene an dieser Großbaustelle im Hönnetal zwischen Balve und Menden ein. Zehntausende Zwangsarbeiter*innen schlagen einen zweieinhalb Kilometer langen Stollen in den Felsen, um hier anschließend im Auftrag der Union Rheinische Braunkohle Kraftstoff AG, Köln-Wesseling, eine Fabrik zur Hydrierung von Flugbenzin zu errichten.

Die Zwangsarbeiter*innen werden täglich misshandelt, viele sterben an den Folgen der Qualen oder verhungern. Über die schrecklichen Zustände im „Arbeitserziehungslager Hönnetal“ berichtet der Arnsberger Medizinalrat Dr. Josef Mahr am 27. November 1944: Die Unterbringung der vierhundert „Ostarbeiter“ sei „äußerst primitiv“, sämtliche Räume überbelegt. Von den Gefangenen seien 115 erkrankt, davon litten die meisten an Hungerödemen, „ein Teil von ihnen dürfte in den nächsten Tagen sterben“. Als Todesursache sei auf den Todesbescheinigungen bisher „sämtlich Herzmuskellähmung“ vermerkt. Das Straflager stelle „eine schwere Seuchengefahr für die Zivilbevölkerung“ dar, warnt der Arzt: „Die Lagerinsassen dürfen keinesfalls zusammen mit den übrigen Volksgenossen täglich zur Arbeitsstelle gebracht werden.“ Sie müssten vielmehr „so genährt werden, dass sie nicht verhungern und darüber hinaus auch eine Arbeitsleistung erzielen können.“ Die Zahl der Häftlinge, die zu Tode kommen, ist unklar, einigen wenigen gelingt die Flucht.  Ende März 1945 wird das Lager aufgelöst, die Häftlinge in Trecks in Richtung Ostwestfalen getrieben. Ihr weiteres Schicksal ist nicht überliefert. Im benachbarten Beckum will niemand den Auszug von Hunderten von Gefangenen bemerkt haben, meint der dortige Heimatforscher Peter Witte. Er zitiert den Polizisten Heinrich Q.: „Es sind nicht mehr viele übriggeblieben von denen, die aus Sanssouci kamen.“[17] Bis heute erinnert in Balve-Sanssouci nichts an das „Arbeitserziehungslager Hönnetal“.

 

[15] Matthias Wagner, Das Arbeitserziehungslager Hunswinkel/Lüdenscheid 1940-1945, Dokumentation zur Geschichte der Zwangsarbeiter im Märkischen Kreis, Altena 2001, S. 121

[16] Peter Witte, Das Arbeitserziehungslager Hönnetal in Sanssouci, in „700 Jahre Beckum. Die Geschichte eines Dorfes im Sauerland“, Arnsberg 1985, S. 219

[17] ebd.

 

Mediathek Sorted

Mediathek