Thomas Godoj

Thomas Godoj und Band im September 2015 beim Drehen des Musikvideos „Vermisst du nicht irgendwas“ in der Ausstellung „Vernetzungen“ von Danuta Karsten (mit Dirk Hupe), Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Scherlebeck in Herten.
Thomas Godoj und Band im September 2015 beim Drehen des Musikvideos „Vermisst du nicht irgendwas“ in der Ausstellung „Vernetzungen“ von Danuta Karsten (mit Dirk Hupe), Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Scherlebeck in Herten.

Godojs Sieg bei DSDS hatte einen Optionsvertrag mit der Plattenfirma Sony Music Entertainment über drei Alben zur Folge. Seine Debütsingle mit der Rockballade „Love Is You“ erschien am 23. Mai 2008, stand in Deutschland, Österreich und der Schweiz dreizehn Wochen auf Platz 1 der Single-Charts und erhielt nach zwei Wochen bereits die Goldene Schallplatte für 150.000 verkaufte Exemplare. Sein Debütalbum „Plan A!“, das sechs Wochen später erschien, spielte darauf an, dass es für ihn immer nur den Sieg bei DSDS und die professionelle Karriere als Musiker, aber nie einen „Plan B“ gegeben habe. Das Album erreichte in Deutschland Gold- und Platinstatus und wurde 2009 mit dem Echo ausgezeichnet. Die Konzerttour zum Album führte Godoj seit Anfang Dezember 2008 durch sechzehn deutsche Städte. Im Februar 2009 folgten weitere zweiundzwanzig Konzerte. Der Titel des zweiten bei Sony erschienenen Albums „Richtung G“, das im November 2009 erschien, bezieht sich auf die vom Künstler durchgesetzte Mitsprache bei der Produktion. Er traf sich in Berlin mit Songwritern und gab Themen vor. Andere Texte schrieb er selbst. Sie beschreiben meist zwischenmenschliche Geschichten. Das Lied „Winterkinder“, das er schon 2006 zusammen mit Christian Bömkes geschrieben hatte und das in der Version mit der Band WiNK auf youtube bislang 247.419 Aufrufe erreichte, thematisiert den sexuellen Missbrauch von Kindern. Neun Lieder des Albums singt Godoj auf Deutsch, drei auf Englisch. Das einzige polnische Lied „Zwykła Miłość“ (dt. Einfach Liebe) schrieb Godoj in Warschau zusammen mit Robert Gawliński, dem Sänger und Songwriter der polnischen Gruppe Wilki.

2010 entschied er sich, den Optionsvertrag mit Sony für ein drittes Album nicht mehr zu unterschreiben und wechselte zur Plattenfirma SPV in Hannover, die dafür bekannt war, Künstlern kreativen Freiraum zuzugestehen. Der Titel des dort produzierten dritten Studioalbums „So gewollt“ (2011) spielt auf den Rückzug von der international angesiedelten Plattenindustrie an. Die zusammen mit Bömkes geschriebenen Songs sind sozialkritisch oder beziehen sich auf die eigene Vergangenheit und selbst erlebte Liebesbeziehungen. Bei SVP erschienen auch die Folgealben „Live ausm Pott“ (2012) mit Einspielungen der „So gewollt“-Tour und das vierte Studioalbum „Männer sind so“ (2013), über welches das Portal metalglory.de urteilte, Godoj erreiche einen „Härtegrad […] der im Bereich von Bands wie Revolverheld liegt“. Man könne sich über ein „zeitloses, ehrliches Rockalbum auf hohem Niveau freuen“.

„Ich habe mich von Jahr zu Jahr immer weiter von der Musikindustrie entfernt und versucht eigenständig an den Start zu kommen“, sagt Thomas Godoj im Interview mit radioBerlin. Die Trennung auch von der Plattenfirma SVP und die Crowdfunding-Finanzierung des Albums „V“ (was vielleicht nicht nur „Römisch Fünf“, sondern auch „Victory“ bedeutet) waren jedoch nicht die einzigen zu absolvierenden Schritte. Auch die gesamte Produktion, die Studiomusiker, das Produktionsteam, das Drehen der Videos und das Marketing müssen seitdem von Godoj selbst organisiert werden. Gut produzierter Rock ’n’ Roll, „fette Gitarren“ und „Bauchgefühl“ sind wichtig für den Sänger. Das Album, so Godoj, biete aber einen weiten Spannungsbogen, in dem auch ruhigere Stücke mit Akustikgitarren und Streichern eine wichtige Rolle spielen. Inhaltlich gibt es Lieder, die sich direkt an die Fans richten, die bei der Finanzierung des Albums mitgewirkt haben, und solche, die die eigenen Ängste vor dem Ausgang des Unternehmens, „Das tiefe Tal“, reflektieren.