Vortragsreihe

Kultur und Geschichte der Polen in DeutschlandEine Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets

 

Der nächste Vortrag findet statt am: 

Montag, 07.12.2020 | 18.15 Uhr

zum Thema

Die polnische Solidarność-Bewegung und ihr Verhältnis zu anderen transnationalen Bewegungen


Referent: Dr. Idesbald Goddeeris (außerordentlicher Professor für Geschichte an der Universität KU Leuven)

Bitte beachten Sie: Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

 

Der Vortrag findet statt im:

Haus der Geschichte des Ruhrgebiets
Clemensstraße 17-19
D-44789 Bochum

 

 

Hinweis: Verschiebung des Vortrags von Sonia Wilk wegen Corona

Der Vortrag von Sonia Wilk zum Thema "Künstler in der Zeche: Kunst oder Propaganda. Eine Fallstudie am Beispiel der Sammlung plastischer Arbeiten von Laienkünstlern des Muzeum Śląskie in Katowice" musste aufgrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen in das Sommersemester 2021 verschoben werden.

Den genauen Termin geben wir frühzeitig an dieser Stelle bekannt!

Zum Vortragsthema:

Im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten sich in Oberschlesien ähnlich wie im Ruhrgebiet neue Industriezentren heraus, die insbesondere aus Bergwerken und Hütten bestanden, in deren Nachbarschaft dann Siedlungen für die zugezogenen Arbeiter gebaut worden sind. In diesem Milieu wurden schließlich zahlreiche Vereine gegründet, die dazu dienten, vor und nach den Schichten künstlerischen Neigungen nachzugehen. So entstanden die ersten Chöre, Orchester und Theatergruppen, wobei auch schon früh bildende Künstler in Erscheinung traten.

Der Vortrag wird dem Leben und dem Werk der bekanntesten oberschlesischen Künstlern gewidmet sein, zu denen Teofil Ociepka, Erwin Sówka, Jan Nowak und Paweł Wróbel gehören. Ebenfalls behandelt werden die Künstler, die in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts aus Schlesien in die Bundesrepublik Deutschland ausgereist sind und ihr Schaffen dort fortgesetzt haben. Diese Gruppe besteht unter anderem aus Rudolf Riedel, Franciszek Pietzko und Jozefa Rockroha.

Darüber hinaus werden im Hinblick auf die 50er und 60er Jahre des 20 Jahrhunderts auch die systematischen Versuche der kommunistischen Machthaber in Polen thematisiert, die Bewegung der Laienkünstler für ihre Zwecke zu nutzen.

 

 

 

Die Vorträge finden (sofern nicht anders angegeben) auf Deutsch statt. Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

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Rückblick

 

Mittwoch, 30.10.2019 | 18.30 Uhr

„Die Sammlung des Polenmuseums Rapperswil im Kontext der europäischen Migrationsbewegung“

Anna Buchmann (Direktorin des Polenmuseums in Rapperswil/Schweiz)

Das Polenmuseum in Rapperswil (Schweiz), gegründet 1870, beschäftigte sich nicht nur mit der Sammlung von historischen Dokumenten und Kunstwerken. Die Gründung des Museums war ein Werk polnischer Emigranten. Es funktionierte auch als Institution für die Betreuung von politischen und wirtschaftlichen Emigranten sowie Studierenden in der Schweiz. Anna Buchmann, Direktorin des Polenmuseums, widmete sich in ihrem Vortrag der Rolle des Museums für die polnische Gemeinschaft und seinen Aktivitäten in den verschiedenen historischen Epochen. Anhand der vielfältigen Sammlung des Museums, die im Kontext der europäischen Migrationsbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt wurden, wurde auch die Verankerung der osteuropäischen Kulturen im polnischen kulturellen Schmelztiegel beleuchtet.

 

Mittwoch, 08.05.2019 | 18.00 Uhr

Der „Polnische Aufstand“ von 1863 als Erinnerungsort Litauens 

Darius Staliūnas (stellvertretender Direktor des Instituts für die Geschichte Litauens, Wilna)

Der Aufstand von 1863 wurde von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn der Sowjet-Ära 1940 in der dominierenden litauischen historischen Meistererzählung als etwas Fremdes, als etwas mit der Geschichte der ethnischen Litauer kaum Verbundenes betrachtet. In den litauischen Texten des ausgehenden 19. und aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dieser Aufstand meist als eine Angelegenheit der Polen behandelt: Als „Polnischer Aufstand“ bezeichnet, nannte man den Aufstand von 1863 zusammen mit demjenigen von 1830/31 „Polenzeit“ – und implizierte damit, er hatte nichts mit den Litauern zu tun. Und damit gab es auch keinen Grund, sich daran zu erinnern. In diesem Vortrag zeigt Darius Staliūnas, wie und warum dieses historische Ereignis im Laufe des 20. Jahrhunderts für die politische und kulturelle Elite Litauens zum Erinnerungsort Litauens (der Litauer) geworden ist. 

 

Mittwoch, 05.12.2018 | 18.00 Uhr

Polen in Dresden

Prof. Dr. Miloš Řezník (Direktor des Deutschen Historischen Instituts Warschau)

Mit der Entstehung der sächsisch-polnischer Personalunion wurde die sächsische Residenzstadt zu einem wichtigen Orientierungspunkt polnischer Eliten. Zugleich verliehen die Wettiner dem Glanz ihrer polnischen Königwürde Ausdruck, was sich in der Gestatlung des Hofes und der architektonischen Entwicklung des "Elbflorenz" im 18. Jahrhundert niederschlug. Seine Rolle für Polen und Litauen hat Dresden auch nach dem Ende der Personalunion behalten. Seit den späten 1760er Jahren wurde es immer wieder zum vorübergehenden oder dauerhaften Ziel polnischer Emigration - während der Konföderation von Bar, nach dem Sturz der Mai-Verfassung durch die Targowica-Konföderation sowie nach allen Aufständen des späten 18. und 19. Jahrhunderts. Zudem zählte Dresden zu beliebten Aufenthaltsorten und Reisezielen der polnischen gesellschaftlichen und kulturellen Elite und nahm einen wichtigen Platz auf der polnischen "mental map" ein, nicht zuletzt durch das rege gesellschaftliche Leben der polnischen Kolonie.

Diese Entwicklung hat tiefe Spuren hinterlassen einerseits in der polnischen Erinnerung im Allgemeinen, andererseits im Dresdner Stadtbild und der dortigen lokalen (und sächsischen regionalen) Geschichtskultur. Der Vortrag geht den Hauptmotiven der Rolle Dresdens als Erinnerungsort nach und thematisiert ihre Bedeutung in der sächsischen Hauptstadt selbst. Dabei wird auf die Umwandlungen und Funktionalisierungen im 20. und 21. Jahrhundert ein besonderer Blick gerichtet: Wie wurde das polnische "historische Erbe" Dresdens im Kontext der Beziehungen zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen, der Entwicklung der bilateralen Kontexte Deutschlands und Polens nach 1989, bei der "Europäisierung des Kulturerbes" oder bei der lokalen Vermarktung (Identitätsstiftung, "Touristifizierung" und Image-Bildung) genutzt?   

 

Mittwoch, 06.06.2018 | 18.00 Uhr

Sich mit den „Gerechten“ rechtfertigen? Rettung der Juden während des Holocausts in kontemporären polnischen Museen.

Dr. Zofia Wóycicka, Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Das Thema „Gerechte unter den Völkern“ erlebt in Polen in den letzten zwei Jahrzehnten eine wachsende Konjunktur. Es ist nicht nur von historischer Relevanz, sondern hat auch ein hohes Bildungspotential, nicht zuletzt im Bereich politischer Bildung. Gleichzeitig werden aber „die Gerechten“ auch erinnerungspolitisch vereinnahmt. In ihrem Vortrag bespricht Zofia Wóycicka kürzlich (wieder)eröffnete Ausstellungen, die ganz oder teilweise Menschen gewidmet sind, die während des Zweiten Weltkriegs Juden geholfen haben, und beleuchtet damit die Bandbreite möglicher polnischer Geschichtsnarrative. Die Ausstellungen werden in einen breiteren Kontext der polnischen historischen Debatten zum Holocaust gestellt. Das Abstract des Vortrags finden Sie hier.

 

Mittwoch, 25.10.2017 | 18.30 Uhr

Erinnerungsspagat. Deutsch-polnische Erinnerungsorte als Spiegel der (Miss)-Verständnisse.

Prof. Dr. Robert Traba, Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

„Nachbarschaft verpflichtet!“ Die Botschaft dieses wunderbaren Leitspruchs ist nicht immer mit der Praxis der gegenseitigen Beziehungen in Einklang zu bringen. Die letzten 25 Jahre der deutsch-polnischen Nachbarschaft waren geprägt von der Atmosphäre der Versöhnung, für die der Brief der polnischen Bischöfe aus dem Jahr 1965 und der Kniefall Willy Brandts im Jahr 1970 zum Symbol wurden. Aber ist die Versöhnung eine ausreichende Prämisse für das wechselseitige Verständnis und das gegenseitige Kennenlernen? Erzeugen die kollektiven Gedächtnisse der Deutschen und Polen dieselben Codes für die Interpretation der Vergangenheit? Antworten auf diese Fragen versucht die neunbändige Publikation Deutsch-Polnische Erinnerungsorte (2012-2015) zu geben. Robert Traba hat sie angeregt und ist sowohl ihr Mitherausgeber als auch Mitautor. Die Erfahrungen aus diesem Projekt waren die Grundlage seines Vortrags.

 

Mittwoch, 03.05.2017 | 18.30 Uhr

Die Gewerkschaft Solidarność in Deutschland. Distanz und Nähe im Kalten Krieg.

Prof. Dr. Stefan Garsztecki, Institut für Europäische Studien

Die Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 1981 in Polen ging mit einem Verbot der Gewerkschaft Solidarność einher. Viele Mitglieder emigrierten ins Ausland, so auch nach Westdeutschland. Dort begann ein intensiver Diskurs mit westdeutschen Gewerkschaften und Intellektuellen, der einerseits von gewerkschaftlicher Nähe, andererseits jedoch beim Thema Kirche von Differenzen geprägt war. Stefan Garsztecki fragt nach dem Stellenwert der westdeutsch-polnischen Kontakte für die weitere Entwicklung des deutsch-polnischen Verhältnisses sowie nach den Erfolgen und Missverständnissen im Verhältnis der deutschen und polnischen Gewerkschaften in der Zeit zwischen der Verhängung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981 bis zum Ende des Sozialismus im Frühjahr 1989. 

 

Mittwoch, 08.11.2016 | 18.30 Uhr

Die Geschichte des polnischen Theaterwesens in DP-Lagern 1945-1955.

Bartholomäus Fujak , LWL-Industriemuseum

Die Geschichte der polnischen Displaced Persons im Nachkriegsdeutschland gehört zu den weniger bekannten Kapiteln der Folgen des Zweiten Weltkrieges. Dass in den DP-Camps Theatergeschichte geschrieben wurde, ist mehr als bemerkenswert. Bartholomäus Fujak gibt in seiner Präsentation Einblicke in diesen spannenden Abschnitt der Kulturgeschichte der Polen in Deutschland.  

 

Mittwoch, 20.05.2016 | 18.30 Uhr

Polen in Deutschland. Geschichte einer unsichtbaren nationalen Gruppe.

Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien

Bezugnehmend auf den vorangegangenen Vortrag von Dr. Peter Oliver Loew zu seiner aktuellen Publikation „Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland“ erläutert Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz die Gründe und Hintergründe der Unsichtbarkeit der Polen in Deutschland als nationale Gruppe. 


 

Mittwoch, 11.11.2015 | 18.30 Uhr

Keine Polen? Bewusstseinsprozesse und Partizipationsstrategien unter „Ruhrpolen“ zwischen Reichsgründung und den Anfängen der Weimar Republik.

David Skrabania, Ruhr-Universität Bochum

Seit etwa 1870 wanderten polnisch-sprachige Arbeiter und ihre Angehörigen aus den preußischen Ostprovinzen in das rheinisch-westfälische Industriegebiet aus. Sowohl zeitgenössisch als auch in den Augen vieler Forscher, die sich diesen Zuwanderungsprozessen seit den 1970er Jahren insbesondere aus sozialhistorischer Perspektive widmeten, galten diese Menschen als Polen im nationalen Sinne. Aus mentalitäts-, mikro- und alltagsgeschichtlicher Perspektive kann diese Behauptung kaum aufrechterhalten werden. Vielmehr waren die Bewusstseinsprozesse und Partizipationsstrategien der Ruhrpolen durch zahlreiche Brüche, Ambivalenzen und Wahlmöglichkeiten der Zugehörigkeit zu „In-Groups" unterschiedlicher Art gekennzeichnet und verliefen keineswegs ausschließlich entlang nationaler Zugehörigkeit.

 

Mittwoch, 05.11.2014 | 18.30 Uhr

Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland.

Dr. Peter Oliver Loew, Deutsches Polen Institut Darmstadt

Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland sind heute Polen, sprechen Polnisch oder stammen aus Polen. Damit sind sie nach den Türken die größte Einwanderergruppe. In seinem im August 2014 im C. H. Beck- Verlag  erschienen Buch "Wir Unsichtbaren" beschreibt Peter Oliver Loew erstmals die Geschichte dieser „unsichtbaren Minderheit“ vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Diese Geschichte wird Peter Oliver Loew  in seinem Vortrag  darstellen.  

 

Mittwoch, 22.05.2014 | 18.30 Uhr

Die Polen im Emsland 1945-1948. Ein vergessenes Kapitel deutsch-polnischer Beziehung.

Prof. Dr. Jan Rydel, Pädagogische Universität Kraków

Am Ende des Zweiten Weltkrieges kämpfte die 1. Panzerdivision der polnischen Streitkräfte im Exil im Rahmen der britischen Armee in Deutschland und besetzte Wilhelmshaven. Von dort wurde sie zur Ausübung des Besatzungsdienstes in das Emsland verlegt, wo sie bis 1947 blieb. Um die polnischen Truppen scharten sich zu Tausenden polnische Displaced Persons aus Norddeutschland. Diese Zivilisten und Soldaten bildeten im Emsland eine Art polnische Enklave. Prof. Rydel analysiert in seinem Vortrag dieses ganz vergessene Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte.