Andrzej Vincenz

Andrzej Vincenz, Breslau 1989
Andrzej Vincenz, Breslau 1989

Info

Andrzej Vincenz, Linguist, Slawist, polnischer Publizist und Professor an der Universität Heidelberg und Göttingen, wurde am 13.03.1922 in Lemberg als erstes Kind von Irena Vincenzowa, geborene Eisenmann (1900-1991) und Schriftsteller und Philosoph Stanisław Vincenz (1888- 1971) geboren. Für Andrzej Vincenz, der 1940 Polen verließ, um vor den Sowjets zu fliehen und später im Exil lebte, standen die Angelegenheiten Polens an erster Stelle. Stationen seines Lebens führten ihn durch Polen, England, Frankreich und Deutschland. Überall erinnerte er sich an seine kleine Heimat und das Land der Kindheit – das Huzulenland.

Lage im Atlas der Erinnerungsorte

Andrzej Vincenz wurde am 13.03.1922 als erstes Kind von Irena Vincenz, geborene Eisenmann (1900–1991), und dem Schriftsteller und Philosophen Stanisław Vincenz (1888–1971) in Lemberg geboren. Seine Mutter kam aus Warschau, die aus polnischer patriotischer Gesinnung 1920 in eine militärische Frauenformation eintrat und auf diese Weise nach Lemberg gelangte. In Lemberg lernte sie ihren späteren Ehemann Stanisław Vincenz kennen, der beim dortigen Armeestab beschäftigt war. Die Verbindung mit Irena war die zweite Ehe des späteren Schriftstellers und Autors von „Auf der Karpatenhochalm“ (Na wysokiej połoninie). Neben der 1924 geborenen Schwester Barbara hatte Andrzej einen älteren Halbbruder – Stanisław Aleksander (1915–2003) – aus der ersten Ehe seines Vaters mit Helena Loeventon (?–1952). Die Familie Vincenz war eine Gutsbesitzer- und Erdölindustriellenfamilie aus dem Huzulenland, genauer aus der Gegend um die Stadt Kolomyja. Die Erträge aus der Erdölmine in Słoboda Rangurska stellten die Haupteinnahmequelle der Familie dar. 
Der Familienname geht auf Charles-Francois de Vincens zurück, der das revolutionäre Frankreich verließ, um in Wien Schutz zu suchen. Dort lernte er das aus Krzyworównia (Kryworiwnja) stammende Fräulein Przybyłowska kennen – eine der Urgroßmütter Andrzejs. Nach dem Tod ihres Ehemannes kehrte sie mit den Kindern in das Huzulenland zurück. 150 Jahre später sollte erneut ein historisches Ereignis dazu führen, dass ihre Nachkommen – Stanisław Vincenz samt Familie, darunter auch Sohn Andrzej – nach dem Zweiten Weltkrieg nach Frankreich zurückkehrten, von wo aus Andrzej Vincenz später nach Deutschland weiterzog.

Nach der Geburt Andrzejs zieht die junge Familie zunächst nach Milanówek bei Warschau. Der Vater arbeitet als Ministerialbeamter, bevor er Vorsitzender der Erdölgesellschaft Polmin wird. Es folgt der Umzug nach Warschau, wo die Familie an die Ujazdowskie-Allee zieht. Noch in Milanówek lernt die Mutter Andrzejs die russischstämmige Walentina Białostocka kennen. Deren Sohn Jan (1921–1988) wird zum engsten Freund Andrzejs. Es entwickelt sich eine nahezu familiäre Bindung, woraufhin sich die beiden in ihrer Entwicklung gegenseitig unterstützen, sich bei der Suche nach Büchern helfen und später auch gegenseitig die Taufpaten ihrer Kinder werden. Während ihrer Gymnasialzeit stößt der Sohn eines Ukrainers hinzu, Ihor Ševčenko (1922–2009). Alle drei werden später herausragende Professoren. Ihor Ševčenko sollte später in Harvard Byzantinistik lehren und zur Koryphäe dieser Fachrichtung werden. Jan Białostocki wird später der berühmteste polnische Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts. Andrzej Vincenz wiederum wird in Deutschland Professor für Slawistik, Publizist und treu ergebener Bewahrer des Werkes seines Vaters.

Ende der 1920er Jahre kehrt die Familie Vincenz aus Warschau in das Huzulenland zurück. Sie mietet zunächst ein Haus in Żabie, dem heutigen Worochta. Nach einem Brand errichten Stanisław und Irena Vincenz in Bystrzec ein eigenes Haus. Das huzulische Kindermädchen Waselina kümmert sich um die Kinder, von ihr lernt Andrzej den örtlichen Dialekt. Seine Kindheit ist durchdrungen von der kulturellen und sprachlichen Vielfalt Galiziens. Die Familie Vincenz führt ein offenes Haus, das im Sommer zahlreiche Gäste aus Polen und dem Ausland beherbergt. Die Kultur und Tradition der huzulischen Nachbarn fasziniert den Vater Stanisław Vincenz, und die Liebe dazu geht wie selbstverständlich auf die Kinder über. In den ersten Jahren übernimmt Irena Vincenz den Unterricht ihrer Kinder zuhause. Andrzej Vincenz wird erst in der Gymnasialstufe auf eine öffentliche Schule geschickt, nachdem er zuvor eine entsprechende Prüfung besteht. Nach Jahren wird er erzählen, dass ihn seine Eltern nicht darüber informiert haben, dass es eine Prüfung sein würde, um ihn nicht diesem Stress auszusetzen. Das Treffen mit dem Prüfer betrachtet er daher wie jedes andere.
Andrzej wird am Stefan Batory-Gymnasium in Warschau angenommen. Während des Schuljahres wohnt er bei seiner Großmutter mütterlicherseits, Rozalia Eisenmann, an der Bagatela-Straße. Die Schulferien verbringt er bei seinen Eltern in Bystrzec. Noch während seiner Schulzeit kristallisiert sich die schriftstellerische Leidenschaft von Andrzej Vincenz heraus. Er schreibt für die Zeitschrift „Ignis“, die am Mickiewicz-Gymnasium erscheint, das seine Freunde Jan Białostocki und Ihor Ševčenko besuchen. Beide sind auch als Redakteure bei der Zeitschrift tätig. Den jungen Andrzej fasziniert Latein. Bereits damals kommt sein Interesse für die Sprachwissenschaft zum Vorschein. 

Der Kriegsausbruch am 1. September 1939 trifft die ganze Familie in Bystrzec. Stanisław Vincenz macht sich mit seinem ältesten Sohn Stasiek auf in Richtung Ungarn, um für den Rest der Familie die Reise auf die andere, sichere Seite der Karpaten vorzubereiten. Dabei werden sie von Jerzy Stempowski (1893–1969) unterstützt. Nachdem sie von einer erneuten Erkundung aus Ungarn zurückkehren, werden sie vom NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten der UdSSR) verhaftet. Nach ihrer Freilassung – dank der Fürsprache ukrainischer Schriftsteller – bleibt ihre Situation aber weiter gefährlich, insbesondere für die Söhne. Man fasst den Plan zur Flucht nach Ungarn. Am 19. März 1940, kurz vor Ostern, schlagen sich Andrzej Vincenz und sein Bruder Stasiek unter dramatischen Umständen auf die ungarische Seite durch. Dort angekommen begibt sich Andrzej Vincenz zur polnischen Botschaft, von wo aus er zur polnischen Armee weitergeschickt wird, die sich derweil in Frankreich formiert. Am 17. April 1940 tritt er in Bressuire in die polnische Armee ein. Nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 wird er nach Großbritannien evakuiert, von wo aus er nach Stirling in Schottland kommt. Andrzej Vincenz wird Soldat in der I. Panzerdivision von General Maczek im Mannschaftsdienstgrad und dort zum Funker ausgebildet. Neben den Vorbereitungen zur Landung setzt er seine Schulbildung fort und besucht einen Abiturkurs. Zu seinen Fächern gehört auf seinen ausdrücklichen Wunsch auch Altgriechisch. Dank der Vermittlung von Jerzy Stempowski, der in der Schweiz weilt, korrespondiert er mit seinen Eltern, denen es zwei Monate nach ihm im Mai 1940 gelungen ist, sich nach Ungarn durchzuschlagen. Andrzej Vincenz besteht 1942 die Abiturprüfung als Externer am polnischen Gymnasium in Schottland.

Am 22. Juli 1944 landet Andrzej Vincenz als Soldat der I. Panzerdivision von General Maczek in der Normandie. Er ist verantwortlich für das Fernmeldewesen und bewegt sich in einem Geländewagen fort. Er nimmt teil an der Befreiung Frankreichs, Belgiens und der Niederlande sowie Deutschlands. Gegen Kriegsende stößt er zur Redaktion des „Dziennik Żołnierza” (Soldatenzeitung), wo er auf seinen Schulkameraden Konstanty Jeleński trifft. Nach Abschluss der Kriegshandlungen verbleibt er zunächst für zwei Jahre in Deutschland als Redakteur des „Dziennik Żołnierza”. Er ist in Quackenbrück in der Nähe von Münster stationiert. Im Jahr 1946 gelingt es Andrzej Vincenz, seine Eltern und seine Schwester Barbara aus Ungarn über Österreich in seine Einheit nach Quackenbrück zu holen. Bei der heimlichen Grenzüberschreitung der Eltern ist Konstanty Jeleński behilflich. Andrzej Vincenz wird am 10. Juli 1947 in Calais in Frankreich demobilisiert – da er keinen Beruf erlernt hat, gehört er zu den letzten demobilisierten Soldaten. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich seine Eltern bereits in Frankreich. Seine Schwester hat ein Stipendium für ein Physik-Studium an der Universität Grenoble erhalten, Stanisław und Irena Vincenz haben sich in der Nähe niedergelassen – in dem französischen Städtchen Uriage les Bains. 

Im Herbst 1947 nimmt Andrzej Vincenz ein Studium der Anglistik, Romanistik und der Sprachwissenschaften an der Pariser Sorbonne auf. Er lernt polnische Studenten und Stipendiaten kennen, darunter Alina Szapocznikow, Joanna Guza und auch seine erste Ehefrau – die Psychologie-Studentin Alina Guzik, die während des Krieges das Warschauer Ghetto überlebt hat. Infolge der Freundschaft, die er mit Józef Czapski knüpft, lernt er Jerzy Giedroyc sowie die anderen Redaktionsmitglieder der Zeitschrift „Kultura“ kennen. Eine tiefe Freundschaft verbindet Andrzej mit Konstanty Jeleński, der zu Beginn der 1950er Jahre von Rom nach Paris zieht. Auf Bitten von Jerzy Giedroyc veröffentlicht er in der „Kultura“ Artikel, mit der Zeit immer häufiger zu Themen, die mit der Ukraine in Zusammenhang stehen. Während der ersten Jahre publiziert er seine Artikel in der „Kultura“ unter dem Pseudonym Jan Torosiewicz.

Er wird Redakteur der Radiosendung „Język francuski dla Polski“ (Eine französische Stimme für Polen), die beim Radio France International ausgestrahlt wird. Er betrachtet diese Tätigkeit als Ehrenamt, allerdings klagt ein Kollege nach einigen Jahren erfolgreich auf Vergütung der Tätigkeit. Die ausstehenden Honorarzahlungen stellen für Andrzej Vincenz ein Startkapital dar, das ihm den Erwerb eines Sommerhauses in dem Alpendorf La Combe des Lancey in der Nähe von Grenoble ermöglicht – der Kauf erfolgt mit dem Gedanken an seine Eltern. An diesem Ort werden sie künftig von Czesław Milosz, Józef Czapski und Jeanne Hersch besucht werden. 

In seiner Magisterarbeit behandelt Andrzej Vincenz den altprovenzalischen Dialekt. Das Material dafür stammt aus Sprachuntersuchungen, die er in La Combe de Lancey und Umgebung durchführt. In seiner Habilitationsschrift wird er sich später mit huzulischen Vornamen auseinandersetzen (Traite d'anthroponymie houtzoule. Forum Slavicum 18, München 1970). Ende der 1950er Jahre nimmt Andrzej Vincenz Kontakt zu Prof. Dmitrij Tschižewskij(1894–1977) auf, dem Begründer der Slawistik im Nachkriegsdeutschland, der an der Universität in Heidelberg lehrt. Im Jahr 1960 wechselt Andrzej als Lektor für die polnische Sprache von Paris nach Heidelberg.

Kurz darauf folgt ihm seine zweite Ehefrau – die Schweizerin Sylvia Solari (1938–1994). Andrzej Vincenz wird Vater. Das Paar bekommt die Tochter Anna (geb. 1961) und Sohn Stanisław (geb. 1963). In den 1960er Jahren nimmt das Interesse an polnischer Literatur und Kultur in Deutschland merklich zu. In Heidelberg wirkt der Dichter und Übersetzer des „Pan Tadeusz“, Hermann Buddensieg (1893–1976), der dreimal im Jahr das umfangreiche Periodikum „Mickiewicz-Blätter“ herausgibt. Andrzej Vincenz vermittelt den Kontakt zwischen Buddensieg und Stanisław Vincenz. Überdies hält er intensiven Kontakt zu dem in Frankfurt lebenden Übersetzer polnischer Literatur, Karl Dedecius (1921–2016). Er unterstützt zudem die Kontaktaufnahme mit dem Kreis um die Pariser „Kultura“. Andrzej Vincenz wird zu einem Bindeglied zwischen diesem Teil Deutschlands und dem Milieu polnischer Intellektueller in Paris. Er pendelt häufig zwischen Heidelberg und Paris, die Sommermonate wiederum verbringt er in der Gegend um Grenoble.

Nach seiner Habilitation an der Sorbonne 1966 wird er 1967 Professor an der Universität in Heidelberg. Im Jahr 1973 wechselt er als Sprachwissenschaftler und Professor für Slawistik an die Universität in Göttingen. Seit 1967 ist er Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft im Exil.

Andrzej Vincenz war zweifelsfrei polyglott. Er sprach fließend deutsch, französisch, englisch, ukrainisch, italienisch, rumänisch und russisch. Er bediente sich auch der tschechischen, serbokroatischen und sogar albanischen Sprache. Sein Latein war perfekt und seine Kenntnisse in Altgriechisch solide. Dank eines sechsmonatigen Aufenthaltes in einem griechisch-katholischen Kloster in Wales Ende der 1950er Jahre (er war dort als Sekretär des Priors angestellt) kannte er auch das Altkirchenslawische. Den huzulischen Dialekt hat er ebenfalls kennengelernt. In seinen letzten Lebensjahren begann er damit, sich Spanisch beizubringen.

Während seiner Zeit als Professor für Linguistik am Lehrstuhl für Slawistik der Universität Göttingen wendet er sich mit der Zeit mehr und mehr den Bereichen der Etymologie und Onomastik zu. Er initiiert eine übergreifende Arbeitsgruppe zu den deutschen Entlehnungen in der polnischen Sprache. Das Projekt wird durch die Herausgabe der Arbeitsergebnisse durch seinen Nachfolger Prof. Gerd Hentschel als Internetpublikation gekrönt. 

Die Sprachwissenschaften nehmen Andrzej Vincenz stark in Anspruch, dennoch interessiert er sich lebhaft auch für Literatur und das politische Leben. Wenngleich er in Deutschland lebt und arbeitet, hält er den engen Kontakt zum Milieu der Pariser „Kultura“ aufrecht. Ab und zu veröffentlicht er Beiträge in der Zeitschrift, die zumeist mit der ukrainischen Thematik in Verbindung stehen.

Sein Interesse weckt auch die ältere Poesie. Im Jahr 1989 veröffentlicht er bei der Ossoliński-Nationalbibliothek eine umfangreiche Anthologie unter dem Titel „Helikon sarmacki, wątki i tematy polskiej poezji barokowej“ (Sarmatisches Helikon, Motive und Themen der polnischen Barockdichtung), die er mit einer umfangreichen Einführung und Kommentaren versieht. Dreißig Jahre lang (1978–2008) gehört Andrzej Vincenz der Jury des Kościelski-Preises an. Aus dieser Perspektive verfolgt er das Wirken junger polnischer Schriftsteller und Dichter.

Andrzej Vincenz verschreibt sich hingebungsvoll dem literarischen Nachlass seines Vaters. Die Rezeption des Werkes von Stanisław Vincenz in der Nachkriegszeit wäre höchstwahrscheinlich ohne die Bemühungen der Ehefrau des Schriftstellers, Irena, und seines Sohnes Andrzej nicht möglich gewesen – sie waren die Initiatoren der Ausgaben und deren ersten Redakteure. Drei von vier Bänden des Huzulen-Epos „Auf der Karpatenhochalm“ von Stanisław Vincenz werden nach dem Krieg im Exilverlag „Oficyna Poetów i Malarzy“ (OPiM) in London („Zwada“, dt. Disput, 1970, „Listy z nieba“, dt. Briefe aus dem Himmel, 1974, „Barwinkowy wianek“, dt. Immergrüner Kranz 1979) veröffentlicht, danach erst in Polen (im Verlag Pogranicze). Die Veröffentlichungen im Exil sind nur dank der Spenden von Freunden und Liebhabern des Schaffens des Schriftstellers aus der ganzen Welt möglich. Gemeinsam mit seiner Mutter Irena nimmt Andrzej Vincenz Kontakt zu Verlagen in Polen und dem Ausland auf. Die Bemühungen tragen Früchte und es erscheinen Editionen gesammelter Essays von Stanisław Vincenz („Tematy żydowskie“, dt. Jüdische Themen, 1977 im Verlag OPiM, „Z perspektywy podróży“, dt. Aus der Perspektive einer Reise, im Krakauer Verlag Znak 1980, „Po stronie dialogu“, dt. Auf Seiten des Dialogs, im Verlag PIW 1983, „Powojenne perypetie Sokratesa“, dt. Die Nachkriegsabenteuer des Sokrates, im Krakauer Verlag Znak 1985). Weitere Veröffentlichungen der Bücher seines Vaters versieht Andrzej Vincenz mit Wörterbüchern, er verfasst die Vor- und Nachworte.

Andrzej Vincenz empfängt in seiner Heidelberger Wohnung und am Institut für Slawistik in Heidelberg und später in Göttingen zahlreiche, vor allem polnische Wissenschaftler und Intellektuelle. Er steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite und vermittelt Kontakte. Er organisiert Konferenzen und Symposien und lädt Kollegen aus Polen ein, in Deutschland Vorträge zu halten und wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. Er unternimmt, selbst äußerst bescheiden, vielfach Bemühungen, um herausragende Autoren zu ehren. Aufmerksam beobachtet er die Entwicklung der politischen Situation und unterstützt Bestrebungen, den Kommunismus in Mittel- und Osteuropa zum Sturz zu bringen. Er ist Fürsprecher der polnisch-ukrainischen Annäherung.

Ende der 1980er bzw. zu Beginn der 1990er Jahre versterben seine Freunde Konstanty Jeleński, Jan Białostocki sowie der noch junge Assistent Alek Pohl. Im Jahr 1991 stirbt seine geliebte Mutter Irena Vincenz, und 1994 seine um fast zwei Jahrzehnte jüngere Ehefrau Sylvia nach schwerer Krankheit. In seinen letzten zehn Lebensjahren geht er eine Verbindung mit der Slawistin und Publizistin Joanna Skibińska (geb. 1967) ein – und heiratet zum dritten Mal.

Im Jahr 1988 – zu Ehren des 100. Geburtstags seines bereits verstorbenen Vaters Stanisław Vincenz – initiiert er eine in diesem Umfang noch nie dagewesene wissenschaftliche Konferenz zum Schaffen des Schriftstellers, und zwar in La Combe de Lancey und an den Universitäten in Breslau, Lublin (Katholische Universität Lublin, KUL) und Budapest. In späteren Jahren nimmt er an Symposien teil, die dem Werk von Stanisław Vincenz gewidmet sind und von der KUL – sowohl in Lublin als auch in Krzyworównia in der Ukraine – organisiert werden. Im Jahr 1991 schenkt er der Ossoliński-Nationalbibliothek in Breslau die Manuskripte von Stanisław Vincenz.

Für Andrzej Vincenz, der 1940 vor den Sowjets aus Polen fliehen und sein späteres Leben im Exil führen musste, standen die Angelegenheiten Polens an erster Stelle. Die Stationen seines Lebens führten von Polen aus über England, Frankreich bis nach Deutschland. Überall wo er war, hielt er die Erinnerung an seine Heimat und das Land seiner Kindheit wach – das Huzulenland.

Andrzej Vincenz verstarb am 16. August 2014 in Heidelberg. Er wurde auf dem Salwator-Friedhof in Krakau neben dem Grab seiner Eltern beigesetzt.

 

Joanna de Vincenz

 

 

 

Link zum "Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache": http://diglib.bis.uni-oldenburg.de/bis-verlag/wdlp/

Link zum Archiv der Zeitschrift „Kultura”: http://kulturaparyska.com/pl/ludzie/pokaz/a/andrzej_vincenz?q=Andrzej

Mediathek zum Thema

Bilder

Teilen

Andrzej Vincenz und Jan Białostock, 1925
Andrzej Vincenz und Jan Białostock, 1925
Andrzej Vincenz und Jan Białostock, 1925
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1938
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1938
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1938
Edinburgh, Juli 1941: I. Polnische Panzerdivision unter General Maczkek. Andrzej Vincenz rechts.
Andrzej Vincenz, Edinburgh, 1941
Edinburgh, Juli 1941: I. Polnische Panzerdivision unter General Maczkek. Andrzej Vincenz rechts.
Quackenbrück, Juli 1945, vor dem Redaktionshaus des "Dziennik Żołnierza"
Quackenbrück, Juli 1945, vor dem Redaktionshaus des "Dziennik Żołnierza"
Quackenbrück, Juli 1945, vor dem Redaktionshaus des "Dziennik Żołnierza". Von rechts sitzend: (...) Nik, ein Fahrer aus Warschau, E. Goll, Waszelkowski, Filip (Schriftsetzer). Von links: Andrzej Vincenz, Zosia Koper, Roland Weckowski, X, Henio Tyszynski,
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1946
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1946
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1946
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1947
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1947
Andrzej Vincenz, Porträtfoto, 1947
La Combe de Lancey, September 195: Stanisław Vincenz, Andrzej Vincenz, Irena Vincenz und Czeslaw Milosz.
Andrzej Vincenz, La Combe de Lancey, 1951
La Combe de Lancey, September 195: Stanisław Vincenz, Andrzej Vincenz, Irena Vincenz und Czeslaw Milosz.
Andrzej und Irena Vincenz, 1986
Andrzej und Irena Vincenz, 1986
Andrzej und Irena Vincenz, 1986
Irena Vincenz, Andrzej Vincenz, Richard Aeschlimann, Józef Czapski und Czeslaw Milosz.
Andrzej Vincenz, Chexbres, Schweiz, 1988
Irena Vincenz, Andrzej Vincenz, Richard Aeschlimann, Józef Czapski und Czeslaw Milosz.
 Neapel, 1989: Auf der linken Seite Prof. Andrzej Vincenz, in der Mitte Prof. Ihor Sevcenko
Andrzej Vincenz, Neapel, 1989
Neapel, 1989: Auf der linken Seite Prof. Andrzej Vincenz, in der Mitte Prof. Ihor Sevcenko
Andrzej Vincenz auf der Konferenz "Stanisław Vincenz - Humanist des 20. Jahrhunderts" in Lublin, 2001
Andrzej Vincenz, Lublin, 2001
Andrzej Vincenz auf der Konferenz "Stanisław Vincenz - Humanist des 20. Jahrhunderts" in Lublin, 2001
Heidelberg, 2003: Prof. Andrzej Vincenz und Prof. Theodor Mackiw
Andrzej Vincenz, Heidelberg, 2003
Heidelberg, 2003: Prof. Andrzej Vincenz und Prof. Theodor Mackiw
Andrzej Vincenz, Heidelberg 2007
Andrzej Vincenz, Heidelberg 2007
Andrzej Vincenz, Heidelberg 2007
Andrzej Vincenz, La Combe 2007
Andrzej Vincenz, La Combe 2007
Andrzej Vincenz, La Combe 2007
La Combe de Lancey, 2007: Andrzej Vincenz und Paul Perroud.
Andrzej Vincenz, La Combe de Lancey, 2007
La Combe de Lancey, 2007: Andrzej Vincenz und Paul Perroud.
Andrzej Vincenz, Paryż 2008
Andrzej Vincenz, Paryż 2008
Andrzej Vincenz, Paryż 2008
Andrzej Vincenz, Grenoble 2008
Andrzej Vincenz, Grenoble 2008
Andrzej Vincenz, Grenoble 2008