Andrzej Vincenz

Andrzej Vincenz, Breslau 1989
Andrzej Vincenz, Breslau 1989

Andrzej Vincenz wurde am 13.03.1922 als erstes Kind des Schriftstellers und Philosophen Stanisław Vincenz (1888- 1971) und seiner Frau Irena Vincenzowa (geborene Eisenmann 1900-1991) geboren. Seine Mutter stammte aus Warschau. Aus patriotischer polnischer Gesinnung trat sie 1920 einer militärischen Frauenformation bei und gelangte auf diese Weise nach Lemberg. In Lemberg lernte sie ihren späteren Ehemann Stanisław Vincenz kennen, der beim dortigen Armeestab beschäftigt war. Die Verbindung mit Irena war die zweite Ehe des späteren Schriftstellers und Autors von „Auf der Karpatenhochalm“ (Na wysokiej połoninie). Neben der 1924 geborenen Schwester Barbara hatte Andrzej aus der ersten Ehe seines Vaters mit Helena Loeventon (?–1952) einen älteren Halbbruder – Stanisław Aleksander (1915–2003). Die Familie Vincenz war eine Gutsbesitzer- und Erdölindustriellenfamilie aus dem Huzulenland, genauer aus der Gegend um die Stadt Kolomyja. Die Erträge aus der Erdölmine in Słoboda Rangurska stellten die Haupteinnahmequelle der Familie dar. 
Der Familienname geht auf Charles-Francois de Vincens zurück, der das revolutionäre Frankreich verließ, um in Wien Schutz zu suchen. Dort lernte er das aus Krzyworównia (Kryworiwnja) stammende Fräulein Przybyłowska kennen – eine von Andrzejs Urgroßmüttern. Nach dem Tod ihres Ehemannes kehrte sie mit den Kindern in das Huzulenland zurück. 150 Jahre später sollte erneut ein historisches Ereignis dazu führen, dass ihre Nachkommen – Stanisław Vincenz und seine Familie, darunter auch der Sohn Andrzej – nach dem Zweiten Weltkrieg zurück nach Frankreich gingen. Von da aus zog Andrzej Vincenz später weiter nach Deutschland.

Nach Andrzejs Geburt zog die junge Familie zunächst nach Milanówek bei Warschau. Der Vater arbeitete als Ministerialbeamter, bevor er Vorsitzender der Erdölgesellschaft Polmin wurde. Es folgte der Umzug nach Warschau, wo die Familie in die Ujazdowskie-Allee zog. Noch in Milanówek lernte Andrzejs Mutter die russischstämmige Walentina Białostocka kennen. Deren Sohn Jan (1921–1988) wurde zu Andrzejs engstem Freund. Es entwickelte sich eine nahezu familiäre Bindung. Die beiden unterstützten sich gegenseitig, halfen einander bei der Suche nach Büchern und machten sich später gegenseitig zum Taufpaten ihrer Kinder. Während der Gymnasialzeit stieß dann noch der Sohn eines Ukrainers zu ihrer Gemeinschaft, Ihor Ševčenko (1922–2009). Alle drei sollten später herausragende Professoren werden. Ihor Ševčenko lehrte später in Harvard Byzantinistik und wurde zu einer Koryphäe seiner Fachrichtung. Jan Białostocki wurde der berühmteste polnische Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts. Andrzej Vincenz wurde in Deutschland Professor für Slawistik, Publizist und treuer Hüter seines Vaters Werk.

Ende der 1920er Jahre kehrte die Familie Vincenz aus Warschau in das Huzulenland zurück. Sie mietete zunächst ein Haus in Żabie, dem heutigen Worochta. Nach einem Brand bauten Stanisław und Irena Vincenz in Bystrzec ein eigenes Haus. Das huzulische Kindermädchen Waselina kümmerte sich um die Kinder, von ihr lernte Andrzej den örtlichen Dialekt. Seine Kindheit war geprägt von der kulturellen und sprachlichen Vielfalt Galiziens. Die Familie Vincenz führte ein offenes Haus, das im Sommer zahlreiche Gäste aus Polen und dem Ausland beherbergte. Die Kultur und Tradition der huzulischen Nachbarn faszinierte den Vater Stanisław Vincenz, und die Liebe dazu ging wie selbstverständlich auf die Kinder über. In den ersten Jahren übernahm Irena Vincenz den Unterricht ihrer Kinder zuhause. Andrzej Vincenz wurde erst in der Gymnasialstufe auf eine öffentliche Schule geschickt, nachdem er zuvor eine entsprechende Prüfung bestanden hatte. Nach Jahren sollte er erzählen, dass ihn seine Eltern nicht darüber informiert hätten, dass es eine Prüfung geben würde, um ihn nicht unter Stress zu setzen. Das Treffen mit dem Prüfer betrachtete er daher wie jedes andere.
Andrzej wurde am Stefan Batory-Gymnasium in Warschau angenommen. Während des Schuljahres wohnte er bei seiner Großmutter mütterlicherseits, Rozalia Eisenmann, in der Bagatela-Straße. Die Schulferien verbrachte er bei seinen Eltern in Bystrzec. Noch während seiner Schulzeit kristallisierte sich Andrzej Vincenzs schriftstellerische Leidenschaft heraus. Er schrieb für die Zeitschrift „Ignis“, die am Mickiewicz-Gymnasium erschien, der Schule, die seine Freunde Jan Białostocki und Ihor Ševčenko besuchten. Beide waren auch als Redakteure bei der Zeitschrift tätig. Den jungen Andrzej faszinierte Latein. Bereits damals kam sein Interesse für die Sprachwissenschaft zum Vorschein. 

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    Andrzej Vincenz, Lublin, 2001

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    Andrzej Vincenz, Heidelberg, 2003

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