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Dössel

Polnisches Gräberfeld nach der Erneuerung
Polnisches Gräberfeld nach der Erneuerung

Die erste und zugleich größte Gruppe (1.076 Offiziere, 162 Unteroffiziere und Schützen) waren Soldaten des aufgelösten Oflag VI E Dorsten für polnische Kriegsgefangene. Überdies stammten sie aus den Lagern X C Lübeck, II D Gross Born, II E Neubrandenburg, VI C Osnabrück und IV C Colditz. Zusammen wurden bis zur Befreiung 2.817 Polen in Dössel festgehalten. Über die Zeit kamen und verließen Gefangene das Lager, dennoch blieb die Lagerbelegung in etwa konstant; die Höchstzahl gleichzeitig Internierter war 2.296 Offiziere sowie 287 Unteroffiziere und Schützen.  

Zwischen September 1942 und April 1945 verstarben 50 Gefangene. Von einigen Selbstmorden abgesehen geschah dies infolge der schlechten Haftbedingungen. Das tragischste Ereignis der Lagergeschichte darüber hinaus der Tod von 90 Häftlingen, die am 27.9.1944 aufgrund eines fehlgeleiteten Bombenabwurfes alliierter Geschwader umkamen, die nachts unweit liegende Industrieanlagen in Kassel angriffen. Eines der Kriegsverbrechen der Wehrmacht, der das Lager unterstand, war das Verbot der Nutzung von Luftschutzbunkern und -gräben während Luftangriffen, was einen Verstoß gegen die Genfer Konvention darstellte, die auch Deutschland am 27.7.1929 und am 27.6.1939 unterschrieben hatte. Gemäß einer Anordnung der Wehrmachtsführung wurden die Insassen des Oflags Dössel nach dem Abendappell in ihren Baracken eingeschlossen, die um sechs Uhr wieder geöffnet wurden.

Der Friedhof der Dösseler Pfarrgemeinde liegt in der Nähe der Kirche im Zentrum der Ortschaft. Ein Viertel seiner Fläche nimmt der teilweise von Hecken umzäunte Lagerfriedhof mit einem Denkmal für die Opfer des Lagers ein. Dort befinden sich 139 polnische und zwei Gräber jugoslawischer Soldaten, insgesamt 141 Einzelgräber.

Der 1960 von ehemaligen Gefangenen gegründete Dösseler Club organisierte im April 1980 anlässlich des 35. Jahrestages der Befreiung seine erste Reise zum früheren Lager. Darauf folgten Kontakte zu den Einwohnern sowie den Pflegern des polnischen Friedhofsteiles und ein weiterer Besuch in Dössel 1984. Auf eine Einladung des Clubs hin besuchte 1985 eine Gruppe der Einwohner die polnische Hauptstadt Warschau. Dieser Beziehungsaufnahme ist unter anderem der Gedenkstein vor dem Eingang des Friedhofes zu verdanken.

  Im Jahr 2009 gab die Stadtverwaltung Warburg, zu der Dössel gehört, zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Erneuerungsarbeiten des polnischen Gräberfelds in Auftrag. Nach Beseitigung langjähriger Verschmutzung sowie der Restaurierung und Korrektur der Schriftzüge gelangten die Grabsteine wieder genau an ihren vorherigen Standort. In Ermangelung einer anderen Namensliste als der von 1946 wurde in mehreren Fällen eine fehlerhafte Schreibweise der Vor- und Nachnamen beibehalten. Auf Pflanzen, die die Gräber bedecken, wurde verzichtet, da sie den direkten Zugang zu einem Teil von ihnen erschwerten. Mit der neuen Rasenfläche ist das Gräberfeld zu einer einheitlichen, gepflegten und würdigen Begräbnisstätte für die Soldaten geworden.

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  • Polnisches Gräberfeld vor der Erneuerung

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