Selmar Cerini

Selmar Cerini als Kantor der Breslauer Neuen Synagoge, um 1895
Selmar Cerini als Kantor der Breslauer Neuen Synagoge, um 1895

Selmar Cerini (eigentlich Salomo Izich-ha-Kohen Steifmann) wurde am 15 Dezember 1860 in Wólka bei Warschau, im damaligen russischen Teilungsgebiet, als Kind einer Familie orthodoxer polnischer Juden geboren. Seit er denken konnte, war sein größter Traum zu singen. Um ihn zu verwirklichen, hatte er zahlreiche Hürden zu meistern. Als Zwölfjähriger riss er von Zuhause aus und ging nach Płońsk (Plonsk), wo er zwei Jahre im Chor der dortigen Synagoge sang. Nach dieser Zeit plagten ihn gesundheitliche Probleme, ein vorübergehender Stimmverlust und existentielle Sorgen. Trotz alledem widmete er sich jedoch hartnäckig seiner Berufung und zwar bis zu dem Zeitpunkt, als er sich verliebte. Die Eltern der Auserwählten glaubten freilich nicht, dass ein armer junger Mann allein mit Gesang für den Unterhalt der Tochter und der künftigen Familie sorgen könne. Erst nach vielen Bemühungen und nach seinem Gelübde, die Laufbahn des angesehenen Kaufmannsberufes einschlagen zu wollen, stimmten sie der Verlobung zu. Kurz darauf erfolgte die Einberufung in die russische Armee. Der Soldatendienst verschlug ihn in das weit entfernte Kasan. Allerdings wurde er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen. Bald darauf fand die Eheschließung statt und seitdem soll Cerini seine Lieder nur noch während der Arbeit im Kontor seines Schwiegervaters in Gąbin bei Płock (Plock) vor sich hin gesummt haben.

Doch wie das Schicksal so spielt, kehrte er sehr bald wieder zur Musik und zum Gesang zurück. Weil die Familie seiner Frau durch das Pogrom von 1882 ihr gesamtes Vermögen verlor, begab er sich auf die Suche nach einer neuen Einkommensquelle und nahm die Stelle des Kantors in der Synagoge von Zagórów an. Inzwischen erblickten zwei Kinder das Licht der Welt. Man blieb jedoch nicht sehr lange in Zagórów. Nach einer kurzen Episode in Łódź (Lodz) entschied sich Cerini dafür, nach Deutschland zu emigrieren. 1887 ließ er seine Familie in der Obhut der Schwiegereltern zurück und ging nach Breslau. Seine Stimme gefiel dem Oberkantor der dortigen Synagoge Moritz Deutsch, der ihm vorschlug, ein Studium am Konservatorium in Berlin oder in Wien zu absolvieren. Auch der Opernhausdirektor Georg Brandes beurteilte seine Stimme als recht gut, empfahl jedoch, sie weiter zu bilden.

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