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Verengtes Gedenken: Das Gräberfeld mit dem Ehrenmal für sowjetische NS-Oper auf dem Mainz-Mombacher Waldfriedhof

Sammelgrab für Opfer der NS-Zeit, 2016
Sammelgrab für Opfer der NS-Zeit, 2016

Das größte Sammelgrab für NS-Opfer in der Region

Außerhalb von Mainz, zwischen dem Mainzer Stadtteil Mombach und dem westlich davon gelegenen Ort Budenheim, liegt der Mombacher Waldfriedhof, der an den Lennebergwald grenzt. Es ist nur Wenigen bekannt, dass sich an diesem idyllisch gelegenen Ort abseits des städtischen Trubels mit über 3.300 Toten das größte Sammelgrab für Opfer der NS-Zeit in der Region befindet. Wer waren diese Menschen von unterschiedlicher Herkunft, die dort am westlichen Rand des Waldfriedhofs nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin umgebettet wurden? Nahezu in Vergessenheit geraten ist zudem, dass der Ort des Waldfriedhofs selbst unmittelbarer Schauplatz für Verbrechen war: Die SS erschoss dort noch am 19. März 1945 – Mainz wurde am 22. März 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit – 31 sowjetische Zwangsarbeiter:innen, die von ihren Mördern für nicht mehr arbeitsfähig oder zu schwach gehalten wurden. Nach dem Krieg fand man zudem noch weitere 41 Einzelgräber.[1] Zwar weist vor Ort nichts explizit auf diese Verbrechen hin, doch wiederum das Gräberfeld mit seinem Mahnmal ist ein Ort des Gedenkens. Allerdings ist dieses Gedenken mit Blick auf die Herkunft der Opfer verengt, die historische Vielschichtigkeit wird nicht berücksichtigt.

Die Toten auf dem Waldfriedhof

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte in der französischen Besatzungszone die Betreuung von Displaced Persons, zumeist ehemaligen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter:innen, zu den vordringlichen Aufgaben der französischen Militärverwaltung. In diesem Zusammenhang war es auch von großer Bedeutung, die in Deutschland verstorbenen und begrabenen Ausländer:innen möglichst lückenlos zu erfassen:

„Zu diesem Zweck ließ der französische Suchdienst Exhumierungen der auf den deutschen Friedhöfen bestatteten Ausländer durchführen, um die Identität der Begrabenen festzustellen, und sorgte für eine würdevolle Bestattung der Toten. Dies war ein zeit- und kostenaufwendiges Unternehmen, das sich über mehrere Jahre hinzog, weil ein Großteil der verstorbenen Ausländer […] von den deutschen Friedhofsverwaltungen abseits der übrigen Grabanlagen und vor allem ohne Särge beigesetzt worden war und deshalb umgebettet und neu eingesargt werden mußte.“[2]

Im Zuge dessen war man bestrebt, insbesondere um eine angemessene Grabpflege zu ermöglichen, auch die sowjetischen Grabstätten, die sich verstreut auf örtlichen Friedhöfen in der französischen Besatzungszone befanden, zusammenzulegen.[3] Auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz gehört der Mombacher Waldfriedhof dabei zu den Hauptorten. Denn bis zum Jahr 1950 ließ die französische Verwaltung, wie es im Folgenden auf der Seite des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V. heißt „etwa 3.330 verstorbene sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter sowie deren Kinder, außerdem die sterblichen Überreste einer Reihe von Polen und Tschechen aus ganz Rheinland-Pfalz umbetten“.[4] Für die Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche werden als Todesursachen „harte Arbeits- und Lebensbedingungen, […] Entkräftung, Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder Bombenangriffen“[5] genannt, wobei auch Hinrichtungen als weitere Ursache angenommen werden müssen.

 

[2] Scharf, Eginhard: „Man machte mit uns, was man wollte“. Ausländische Zwangsarbeiter in Ludwigshafen am Rhein 1939–1945. Heidelberg u.a. 2004, S. 278.

[3] Ebd., S. 278f.

[5] Ebd.