Feder, Sami

Sami Feder, um 1960
Sami Feder, um 1960

Feder, Sami (eigentlich Sajnwel Feder), polnisch-israelischer Regisseur, Publizist und Schauspieler. Ab 1919 in Frankfurt am Main, 1927-33 in Berlin ansässig, Mitwirkung am Jüdischen Theater-Kollektiv. 1941-45 in Konzentrationslagern, zuletzt im KZ Bergen-Belsen. 1945-47 Aufenthalt im dortigen DP-Camp, Gründer und Leiter des Kazett-Theaters. *5.12.1906 Zawiercie, †11.4.2000 Kfar Saba. Sohn des Arbeiters in einer Tuchfabrik, Eleazar-Ber Feder, und der Kunststickerin Golde-Rikve Feder, geborene Imerglik. Nach dem Tod des Vaters kommt er mit drei Jahren in die Obhut des Großvaters, des Zeigermachers Ephraim Fishl Imerglik in Niwka, Sosnowiec, östlich von Kattowitz. Dort besucht er die jüdische Elementarschule und die polnische Volksschule. 1918 folgt er dem Großvater nach Frankfurt am Main, wo er deutsche und jüdische Schulen besucht. 1925-26 studiert er an der Kunstgewerbeschule. Er engagiert sich in Kreisen polnisch-jüdischer Emigranten, wird Mitglied des jüdischen Jugendwanderbunds Blau-Weiß, der zionistisch-sozialistischen Bewegung Poale Zion und der sozialdemokratischen Arbeiterjugend. Durch den Einfluss in Frankfurt auftretender zionistischer und sozialistischer Aktivisten und Literaten interessiert er sich für die jiddische Sprache und Literatur, engagiert sich im Rahmen des Scholem-Alejchem-Clubs für eine jiddische Theatergruppe und besucht eine Theaterschule. Er erlernt das Schriftsetzen, um bei der Produktion der jiddischen Wochenzeitung Di naye tsayt [Die neue Zeit] mitarbeiten zu können, in der er 1931 Erzählungen und Reportagen veröffentlicht. 1927 lernt er den Schauspieler und Regisseur des Habimah-Tourneetheaters, Zvi Friedland (1898-1967), und den Dramaturgen und jiddischen Dichter Moshe Lifshits (1894-1940) kennen, die ihn nach Berlin einladen. Dort tritt er in der Yidishen Teater-Studie (später Jüdisches Theater-Kollektiv) unter Friedland und dem Regisseur Jan Koetsier-Muller auf und arbeitet unter anderem an den Bühnen des Theaterintendanten und Regisseurs Erwin Piscator (1893-1966). Er ist für die sozialkritische Gruppe junger Schauspieler tätig, organisiert im jüdischen Arbeiterkulturverein einen Dramenkreis und einen Sprechchor, ist Mitglied des lokalen Scholem-Alejchem Clubs und der Poale Zion. Seinen Lebensunterhalt verdient er in der Druckerei Scholem in Berlin-Schöneberg und arbeitet an der jiddischen Zeitschrift Berliner bleter far dikhtung un kunst [Berliner Blätter für Dichtung und Kunst] mit, von der 1931 nur drei Ausgaben erscheinen. 1933 versteckt er sich nach dem Reichstagsbrand, entgeht einer Ausweisung aus Deutschland durch Flucht nach Polen und geht schließlich nach Warschau. Die von ihm und dem Schriftsteller Samuel Wulman (1896-1941) geschriebene „Hitleriade“ „Oyf der velt beyt zikh gornisht“ [Auf der Welt ändert sich gar nichts] mit der Musik von Shloyme Hofman wird unter seiner Regie vom Warschauer Textil-Verein Orpheus unter dem Titel „Khinke-Pinke“ und 1937 unter dem Titel „Oyfn veding keyn nayes“ [Im Wedding nichts Neues] aufgeführt. In den folgenden Jahren arbeitet F. mit Theatergruppen im Warschauer Umland. Die Präsenz von Hakenkreuzfahnen bei einer Inszenierung in Otwock führte zum Einschreiten der polnischen Polizei. Aufführungen der „Hitleriade“, von jiddischen Stücken und selbst geschriebener Kleinkunst in Będzin und Sosnowiec folgen. Bis Mai 1941 arbeitet er mit der Theater- und Musikgesellschaft Muze in dem von den Deutschen errichteten Ghetto von Będzin und wird dann gemeinsam mit anderen in Arbeits- und Konzentrationslager verschleppt. Er durchläuft nach eigenem Bericht zwölf Zwangsarbeits- und KZ-Außenlager, darunter Gundelsdorf-Dörfles, Wiener Neudorf, Geppersdorf (heute Rzedziwojowice), Blechhammer (heute Blachownia Śląska), Brande, Bunzlau (heute Bolesławiec), Mittelbau-Dora, Ellrich-Juliushütte und wird zuletzt in Bergen-Belsen inhaftiert. In den Lagern setzt er soweit möglich seine Kulturarbeit mit der Aufführung jiddischer Stücke, Referaten und der Feier von Gedenktagen fort. Seit der Befreiung von Bergen-Belsen durch die britische Armee lebt er bis zum Sommer 1947 im dortigen DP-Camp [Lager für Displaced Persons]. Im Sommer 1945 gründet er das Katset-Teater [Kazett-Theater]. Gemeinsam mit der Sängerin und Schauspielerin Sonia Boczkowska (später Sonia Lizaron, 1922 Łódź - 2015 Springvale, Victoria), die er von der Theatergesellschaft Muze in Będzin her kennt und 1950 heiratet (Scheidung 1962), und anderen setzt er sich für die Institutionalisierung der Kulturarbeit für die jüdischen DPs ein. Mit dem Katset-Teater bringt er als Regisseur und künstlerischer Leiter Kleinkunst und von Musik begleitete jiddische Theaterstücke (Scholem Alejchem: „Der farkishefter shnayder“ [Der verhexte Schneider], „Dos groyse gevins“ [Der große Gewinn]) auf die Bühne, die auf Gastspielen auch in Hannover, Braunschweig und Kassel gezeigt werden. Unter den DPs sammelt er für die Theaterarbeit Lieder und Gedichte und gibt diese 1946 in Bergen-Belsen unter dem Titel „Zamlung fun katset un geto lider“ [Sammlung von Liedern aus KZ und Getto] heraus. Im Sommer 1947 geht er mit dem Katset-Teater auf Tournee nach Belgien und Frankreich und siedelt nach dessen Auflösung nach Paris über. Dort arbeitet er als Schriftsetzer und Autor für jiddische Zeitungen und Periodika. 1962 wandert er nach Israel aus und heiratet 1964 Dwora Feder. In Jerusalem arbeitet er weiterhin als Schriftsetzer und publiziert zahlreiche Erinnerungsbücher, unter anderem an das Katset-Teater. Seinen Lebensabend verbringt er in Herzlija.

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  • Sami Feder, um 1960

    Sami Feder, um 1960

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  • Mitglieder des Katset-Teater im DP Camp Bergen-Belsen, 1945. Unbekannter Fotograf, in der Mitte mit Mütze: Sami Feder, rechts daneben: Sonia Boczkowska.

    Katset-Teater, Bergen-Belsen 1945

    Mitglieder des Katset-Teater im DP Camp Bergen-Belsen, 1945. Unbekannter Fotograf, in der Mitte mit Mütze: Sami Feder, rechts daneben: Sonia Boczkowska.