Kraszewska, Otolia

Selbstporträt, München, um 1900. Öl auf Holz, 28 x 21 cm
Selbstporträt, München, um 1900. Öl auf Holz, 28 x 21 cm

Kraszewska, Otolia (Otolia Gräfin Kraszewska, Otolia von Kraszewska), polnische Malerin und Illustratorin, Mitglied der „Münchner Schule“. Seit 1890 bis zu ihrem Lebensende in München ansässig und künstlerisch tätig. Schülerin von Władysław Czachórski, Mitarbeiterin der Münchner Zeitschrift Jugend. *27.1.1859 Schytomyr/Żytomierz (Wolhynien, heute Ukraine), †1945 München. Sie studiert seit Ende der 1870er-Jahre an der Kunstakademie in St. Petersburg bei dem russisch-armenischen Marinemaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817-1900). 1890 geht sie aufgrund eines Kontakts zu dem aus Odessa stammenden und in München im Kreis der polnischen Künstler tätigen Maler Franz Roubaud (1856-1928) nach München, wo sie offenbar noch einmal Privatunterricht bei dem polnischen Maler Władysław Czachórski (1850-1911, Mitglied der „Münchner Schule“) nimmt. Sie integriert sich schnell künstlerisch und gesellschaftlich in der polnischen Künstlerkolonie in München. Seit 1892 stellt sie auf den Internationalen Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast Gemälde und bemalte Fächer aus und ist an Ausstellungen im Münchner Kunstverein beteiligt. 1896-1916 ist sie mit 21 Beiträgen (Reproduktionen von Zeichnungen, Illustrationen, Vignetten) in der Münchner Zeitschrift Jugend vertreten. – Von Aiwasowski erlernt Kraszewska eine realistische Malerei mit großer Stofflichkeit und Tiefenwirkung durch ausgefeilte Licht- und Schattenwirkungen. Von Czachórski übernimmt sie das Thema naturalistisch gemalter, häufig sitzender Frauenfiguren in galanten Kostümen und in detailliert geschilderten Interieurs. Wie er vermag sie Stoffe, Blumen und Schmuck meisterlich wiederzugeben. Auch in ihren Illustrationen für die Zeitschrift Jugend überwiegen galante Szenen („Scherzo“, Jahrgang 3, Heft 6, 1898). Daneben gibt es aber auch allegorische und groteske Szenen („Reise ins Wunderland und zurück“, Jahrgang 1, Heft 24, 1896). Eines ihrer Titelblätter für die Jugend, eine allegorische Frauenfigur (Jahrgang 5, Heft 2, 1900), gehört zu den besten, dekorativ-figürlichen Leistungen der Jugendstilkunst. Illustrationen liefert sie auch für die polnischen Zeitschriften Tygodnik Illustrowany und Świat. Sie malt außerdem Blumenbilder und Porträts, entwirft Exlibris, Buchumschläge, Tapeten und Wandschirme. Werke in Museen sind bislang nicht bekannt.