Szańkowski, Bolesław

Porträt Hélène Escher-von Stürler, München 1908. Stiftung Schloss Jegenstorf, Kanton Bern, Schweiz
Porträt Hélène Escher-von Stürler, München 1908. Stiftung Schloss Jegenstorf, Kanton Bern, Schweiz

Szańkowski, Bolesław (Boleslaw, Boleslav von Szankowski), polnischer Porträt- und Gesellschaftsmaler, Mitglied der „Münchner Schule“. 1894-96 Studium in München an der Akademie der Bildenden Künste. 1906-14 in München ansässig und künstlerisch tätig. In den 1930er-Jahren erwirbt er ein Haus in Fischbachau im Landkreis Miesbach in Bayern, wo er seitdem lebt. *23.10.1873 Pogwizdów bei Miechów (Kongresspolen)/Pogwizdów (powiat miechowski), †Tegernsee, begraben 13.3.1953 Fischbachau. Sohn des Gutsbesitzers von Gut Kępie bei Miechów/Kępie (województwo małopolskie), Henryk Franciszek Szańkowski h. Krzywda (um 1843-1911) und dessen Ehefrau Teodora Wężyk (1847-1934). Nach dem Besuch russischer Schulen studiert er ab 1891 Malerei in Krakau an der Akademie der Schönen Künste/Akademia Sztuk Pięknych bei Florian Cynk (1838-1912), Izydor Jabłoński (1835-1905, beide Mitglieder der „Münchner Schule“), Władysław Łuszczkiewicz (1828-1900), Jan Matejko (1838-1983, Mitglied der „Münchner Schule“) und Józef Unierzyski (1863-1948). Am 30.10.1894 Eintritt in die Naturklasse von Johann Caspar Herterich (1843-1905) an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München. Ab 1896 Studium in Paris an der Académie Colarossi und an der Académie Julian bei dem Historienmaler Jean-Paul Laurens (1838-1921), dem Orientalisten Jean-Joseph Benjamin-Constant (1845-1902) und dem Porträtmaler Antonio de la Gandara (1861-1917). Ab 1897 stellt er in Warschau in der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste/Towarzystwo Zachęty Sztuk Pięknych aus (religiöse Sujets und Porträts), ab 1899 in Paris im Salon des Indépendants. 1900 Reise nach Bombay/Mumbai. In Frankreich und England erlangt er mit Porträts hochgestellter Persönlichkeiten große Anerkennung. Ab 1906 ist er in München ansässig und als Porträtist und Gesellschaftsmaler tätig. Zu der aus Bern stammenden und in der Münchner Boheme verkehrenden Feministin Hélène Escher-von Stürler (1873-1908, siehe Titelbild), die sich 1908 das Leben nimmt, unterhält er vermutlich eine Liebesbeziehung und hat möglicherweise mit ihr einen gemeinsamen Sohn. 1907, 1909, 1911 und 1916 erscheinen Damenporträts von ihm mit symbolischen Titeln („Traum“, „Eitelkeit“) auf Titelblättern der Münchner Kunst- und Literaturzeitschrift Jugend, 1910/11 Gesellschaftsszenen in der satirischen Zeitschrift Simplicissimus, zu denen die Redaktion humorvolle Konversationen erfindet. 1907-25 beteiligt er sich an den Ausstellungen im Münchner Glaspalast. Kurzzeitig verkehrt er auch im Kreis des Pferde- und Schlachtenmalers Józef Brandt (1841-1915), Mittelpunkt der polnischen Künstlerszene in München, den er 1910 repräsentativ porträtiert (Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie). Porträtaufträge führen ihn an den Zarenhof nach St. Petersburg, an den Königshof von Rumänien, nach Berlin zu Kaiser Wilhelm II. sowie zu Adligen und Aristokraten nach Brüssel, Wien, Litauen und Polen. Während des Ersten Weltkriegs lebt er in Großpolen, seit dem Kriegsende in Paris bei der Familie Radziwiłł. Während der 1920er-Jahre reist er nach Großbritannien, durch Frankreich und in die USA, stellt in Genf und vielfach in Polen aus, wo er regelmäßig zu Besuch ist. In den 1930er-Jahren erwirbt er ein Haus in Fischbachau in Bayern, wo er seitdem ansässig ist. – S. malt in seinem frühen Werk bis zur Jahrhundertwende in Krakau, München und Paris noch im Stil des dunkeltonigen, kräftig-farbigen Realismus des späten 19. Jahrhunderts. Darunter sind Genremotive („Liebeswerbung/Zaloty“, 1893, Nationalmuseum Poznań), Porträts aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und religiöse Sujets („Einsiedler/Anachoreta“, 1894/98, Nationalmuseum Warschau). Noch während der zweiten Münchner Zeit setzt sich diese konservative Farbigkeit fort (Porträt Józef Brandt, 1910). Sogar eine durchaus meisterliche Kopie bzw. Adaption eines Genremotivs von Brandt, „Markt in Balta“ (im Auktionshandel, DESA, 2015), ist überliefert. S. scheint sich jedoch in München nicht länger im Kreis der polnischen Genre-, Schlachten- und Pferdemaler um Brandt bewegt zu haben. Bekannt wird er stattdessen mit Damenbildnissen, häufig als Dreiviertelporträt, in auffällig eleganten zeitgenössischen Kostümen und mit exaltierten, gelegentlich lasziven Posen (ab 1909 in der Zeitschrift Jugend). Seine Gesellschaftsszenen (ab 1910 in der Zeitschrift Simplicissimus) zeigen fein gekleidete Damen und Herren in herrschaftlichen Innenräumen bei anspruchsvollem Gespräch, wobei Posen und Gesten karikierende Züge annehmen können. Seine Porträts von Adligen und Damen der Gesellschaft, ausgeführt als Ölgemälde oder Pastellzeichnungen und in Privatsammlungen über ganz Europa verteilt, nehmen seit dieser Zeit eine helle und tonige Farbigkeit an (siehe Titelbild). Die Genres seiner Frauenbildnisse variieren seit den 1910er-Jahren von aufreizenden Nacktbildern über mütterliche Szenen von Damen mit ihren Töchtern, Frauen der Gesellschaft in anspruchsvollen Garderoben vor landschaftlichem Hintergrund bis hin zu Ganzfigurenporträts in italienischen Volkstrachten. Kinder, darunter Bildnisse seiner Tochter, porträtiert er mit Blumen, sinnend aufstrebendem Blick und als Genien („Schmetterling – Porträt seiner Tochter/Motylek – Portret córki artysty“, um 1917, im Auktionshandel, Agra Art, 2007). Im Spätwerk seit den 1930er-Jahren werden die Umrisszeichnung härter, die Farbigkeit kontrastreicher, die Posen steifer. Aufreizende oder laszive Gesten scheinen zuzunehmen. Werke befinden sich in den Nationalmuseen von Warschau, Krakau und Poznań, im Schlossmuseum Pszczyna/Muzeum Zamkowe w Pszczynie, in der Neuen Pinakothek in München, in der Gemäldesammlung von Schloss Wahn in Köln-Wahn sowie in der Stiftung Schloss Jegenstorf, Kanton Bern/Schweiz.

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