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Siestrzeńcewicz, Stanisław Bohusz

Gasse in Vilnius. Vorbeifahrende Fuhrwerke/Zaułek wileński – mijające się wozy, 1897. Öl auf Leinwand, 61,5 x 46,9 cm, Inv. Nr. MP 1312 MNW, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie
Gasse in Vilnius. Vorbeifahrende Fuhrwerke/Zaułek wileński – mijające się wozy, 1897. Öl auf Leinwand, 61,5 x 46,9 cm, Inv. Nr. MP 1312 MNW, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie

Siestrzeńcewicz, Stanisław Bohusz (Stanisław Siestrzeńcewicz, Bohusz-Siestrzeńcewicz, Siestrzeńcewicz-Bohusz, Stanislovas Bohušas-Sestšencevičius), polnisch-litauischer Zeichner, Maler und Illustrator, Mitglied der „Münchner Schule“. 1895-98 Privatschüler des polnischen Malers Józef Brandt (1841-1915, Mitglied der „Münchner Schule“) in München; bis 1905 dessen Schwiegersohn. *11.11.1869 Nemenčinė/Niemenczyn bei Vilnius, †24.5.1927 Warschau. Sohn des Landadligen Stanisław Siestrzeńcewicz und dessen Ehefrau Konstancja, geborene Wolan. Bis zur Scheidung 1905 Ehemann von Maria Krystyna Brandt (1878-1945), einer der beiden Töchter von Józef und Helena Brandt, ab 1905 Ehefrau des Grafen Józef Tyszkiewicz (1869-1912/13). Jüngerer Bruder des Brigadegenerals der polnischen Armee, Bolesław S. (1868-1940). Nach dem Abitur in Vilnius studiert er dort zunächst an der Städtischen Kunstgewerbe- und Zeichenschule/Mieska Szkoła Sztuki Dekoracyjnej i Rysunku bei dem russischen Maler Iwan Petrowitsch Trutnew (1827-1912). 1888-93 studiert er bei dessen Lehrer, dem Historien- und Schlachtenmaler Bogdan (Gottfried) Willewalde (1818/19-1903), an der Kunstakademie in St. Petersburg (1892 Auszeichnung, 1893 Silbermedaille). 1893 gewinnt er in Warschau einen Zeichenwettbewerb mit dem Umschlag einer Grafikmappe für die Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste/Towarzystwo Zachęty Sztuk Pięknych. 1894/95 studiert er in Paris an der Académie Julian. Vermutlich 1895 geht er nach München und nimmt privaten Malunterricht im Atelier des polnischen Pferde- und Schlachtenmalers Józef Brandt, der Mittelpunkt der polnischen Künstlerszene in München ist. 1895/96 ist er Mitglied im Kunstverein München und stellt dort auch aus. Die Sommer verbringt er zusammen mit Brandt und anderen Kunststudenten mit Malstudien auf Brandts Anwesen in Orońsko. 1897 ist er in Warschau und gestaltet erneut eine Mappe für die Zachęta-Gesellschaft. 1898/99 lebt und arbeitet er in Paris. 1899 heiratet er in Warschau Brandts Tochter Maria Krystyna; die Ehe wird 1905 geschieden. Gelegentlich reist er nach Vilnius. Ab 1900 lebt er in Warschau, ab etwa 1903 in Vilnius, wo er am künstlerischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt teilnimmt. Befreundet ist er mit den Wilnaer Künstlern und Intellektuellen, darunter der Philosoph und Fotograf Jan Bułhak, der Maler Ferdynand Ruszczyc, der Arzt und Sozialaktivist Michał Minkiewicz und der Architekt Juliusz Kłos. 1903 organisiert er in Vilnius gemeinsam mit Ruszczyc eine Ausstellung des Polnischen Künstlerverbands „Sztuka“/Towarzystwo Artystów Polskich „Sztuka”. S. stellt regelmäßig in Warschau, Vilnius und St. Petersburg aus. 1908-14 organisiert und leitet er zusammen mit Minkiewicz das Kabarett Ach!, das während der Karnevals-Saison in Vilnius spielt; S. führt Regie und entwirft die Kostüme, das Bühnenbild und gestaltet die Publikationen, Minkiewicz schreibt die Texte, Couplets und Sketche.  Während des Ersten Weltkriegs hält er kunsthistorische Vorträge („Jan Matejko“, 1916) und ist weiterhin künstlerisch tätig. Er beteiligt sich aktiv in der Evangelisch-Reformierten Kirche von Vilnius/Wileński Kościół Ewangelicko-Reformowany und ist 1919-21 Mitglied des Konsistoriums. 1919/20 leitet er als Dozent für Malerei an der Universität Vilnius die Kurse des Abendakts. 1920-22 lebt er wegen der russischen Invasion während des Polnisch-Sowjetischen Kriegs in Poznań, geht anschließend nach Warschau und nimmt bis zu seinem Lebensende an nationalen und internationalen Ausstellungen teil. 1927 stirbt er in Warschau an einer langjährigen Tuberkulose-Erkrankung. Beigesetzt wird er auf dem Evangelisch-Reformierten Friedhof in Vilnius. ­– S. arbeitet in verschiedenen künstlerischen Bereichen. Er ist ein versierter und gefragter Porträtmaler, malt allegorische und symbolistische Motive („Faun und Gänse/Faun i gęsi“, 1896; „Faun“, 1913), Tierbilder („Hahn und Hühner/Kogut i kury“), Interieurs, Stadtansichten, belebte Straßenmilieus („Straße in Vilnius/Ulica w Wilnie“, 1918) und zeichnet satirische Szenen („Salon der Gräfin Kaszowska/Salon hrabiny Kaszowskiej“, 1915, Litauisches Nationalmuseum/Lietuvos nacionalinis muziejus, Vilnius) sowie Illustrationen und Vignetten für Zeitschriften. Weithin bekannt und beliebt wird er für seine mittelformatigen städtischen und ländlichen Genreszenen mit Pferdefuhrwerken aus den Gassen von Vilnius (Titelbild), in Kleinstädten, Dörfern und auf ländlichen Märkten, vor Gehöften und Gasthäusern und in freier Landschaft, wie sie unter dem Einfluss von Józef Brandt und Alfred Wierusz-Kowalski (1849-1915) auch von anderen Malern der „Münchner Schule“ gepflegt werden. Sie sind seit der Mitte der 1890er-Jahre in realistischem Stil und je nach Stimmung in gedeckten oder kräftigen Farben gemalt, ab der Jahrhundertwende in impressionistischer Manier („Bei der Heuernte/Zbiór siana“, um 1900, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie). Um 1920 malt S. summarischer und in helleren Farben („Vor der Hütte/Przed chatą, 1922, Auktionshaus DESA). Federzeichnungen mit denselben Motiven vor allem aus der Umgebung von Vilnius entstehen in detaillierter und bildmäßiger Ausführung („Auf dem Jahrmarkt/Na jarmarku“, 1899, Auktionshaus Agra Art) und erscheinen auch als Lithographien („Auf dem Weg zum Markt/W drodze na targ“, 1903, Sopocki Dom Aukcyjny). Reproduktionen dieser Motive erscheinen zwischen 1893 und 1905 regelmäßig in der Zeitschrift Tygodnik Ilustrowany, aber auch in den Zeitschriften Wędrowiec, Świat, Biesada Literacka und Kraj.  Ab 1900 entwirft S. in Warschau für das Treppenhaus im Gebäude des Technikerverbands/Stowarzyszenie Techników ein Deckengemälde mit einer Allegorie der Wissenschaften. Seit seiner Übersiedlung nach Vilnius 1903 verdient er seinen Lebensunterhalt vor allem als Porträtist und malt Damen aus der gehobenen und adligen Gesellschaft. Seine Porträts schmücken die Salons zahlreicher Guts- und Herrenhäuser in Litauen und Weißrussland. Karikaturen zeichnet er 1907-09 für die in Vilnius erscheinende Satirezeitschrift Rumor Wileńska. Auch während des Ersten Weltkriegs entstehen Porträts (Bischof Kazimierz Mikołaj Michalkiewicz, 1916) sowie Genrebilder, die auf das Kriegsgeschehen Bezug nehmen („Hunger in Vilnius/Głód w Wilnie“, 1917, beide Litauisches Kunstmuseum/Lietuvos dailės muziejus, Vilnius). Auch in den 1920er-Jahren setzt er seine Porträt- und Genremalerei fort. Werke befinden sich in den Nationalmuseen von Warschau und Poznań, im Kunstmuseum Łódź/Muzeum Sztuki w Łodzi, im Masowischen Museum Płock/Muzeum Mazowieckie w Płocku, im Bezirksmuseum Leszno/Muzeum Okręgowe w Lesznie, im Litauischen Kunstmuseum/Lietuvos dailės muziejus sowie im Litauischen Nationalmuseum/Lietuvos nacionalinis muziejus in Vilnius.

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  • Gasse in Vilnius. Vorbeifahrende Fuhrwerke/Zaułek wileński – mijające się wozy, 1897

    Gasse in Vilnius. Vorbeifahrende Fuhrwerke/Zaułek wileński – mijające się wozy, 1897. Öl auf Leinwand, 61,5 x 46,9 cm, Inv. Nr. MP 1312 MNW, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie