Bochumer Schmiede

Die Mitglieder der Bochumer Schmiede um 1925: Stefan Szczepaniak, Dr. Jan Kaczmarek und Dr. Józef  Michałek
Die Mitglieder der Bochumer Schmiede um 1925: Stefan Szczepaniak, Dr. Jan Kaczmarek und Dr. Józef Michałek

Für die Ruhrpolen war es fast wie ein Weihnachtswunder, als der polnische Priester Józef Szotowski am 23. Dezember 1884, kurz vor Heiligabend, die Stelle eines Kaplans der Pfarrei St. Peter in Bochum übernahm.

In dieser Gemeinde war er ausschließlich für die Polenseelsorge zuständig. Das war auch bitter nötig, denn die Menschen aus den preußischen Ostprovinzen fühlten sich in der neuen Umgebung des Rheinlands und Westfalens fremd und freuten sich auf den polnischsprachigen Priester. Józef Szotowski bezog seinen Wohnsitz im Kloster der Redemptoristen in Bochum. Von Bochum aus betreute er nicht nur die polnischen Zuwanderer in mehreren Ruhrgebietsstädten, sondern versah seinen seelsorglichen Dienst vereinzelt sogar in den Diözesen Köln und Münster. Noch ahnte er nicht, dass die zum Kloster führende Klosterstraße Anfang des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten Ort für die Entwicklung des polnischen Lebens in Deutschland werden würde - zur berühmten “Bochumer Schmiede”.

Szotowski Nachfolger als Polenseelsorger, Dr. Franciszek Liss, lebte ebenfalls im Bochumer Redemptoristenkloster und trat am 1. April 1890 seinen Dienst an. Wie sein Vorgänger förderte er die Gründung polnisch-katholischer Vereine, von denen 1893 bereits über hundert im Ruhrgebiet existierten. Durch Liss, der in vielen Orten des Ruhrgebiets unterwegs war und dadurch als Bindeglied zwischen den vielen polnischen „Gemeinden“ fungierte, entwickelte sich Bochum zum organisatorischen Zentrum der „Ruhrpolen“. 

Die national-polnischen Aktivitäten wurden von staatlicher und kirchlicher Seite äußerst misstrauisch beobachtet, da man befürchtete, dass sie der Wiedererrichtung eines unabhängigen polnischen Staates dienten. Sie liefen der Germanisierungspolitik des Deutschen Reiches zuwider, die den Gebrauch des Polnischen im öffentlichen Raum weitgehend untersagte. Die Polen waren zunehmend Ausgrenzung, Schikanen, Feindseligkeiten, Verleumdungen und polizeilicher Überwachung ausgesetzt. Die Reaktion war eine Intensivierung des Ausbaus der Selbstorganisation.

Ende 1890 gründete Liss die erste polnischsprachige Zeitung des Ruhrgebiets, den „Wiarus Polski“ (Polnischer Knappe) und schuf damit ein Medium, dass entscheidend zum Werden der sogenannten „Ruhrpolen“ beitrug. Die Druckerei und die Redaktion des „Wiarus“ befanden sich zunächst im Kloster selbst, dann in der Maltheserstraße 17 und später in der Klosterstraße 8-10. Von der Redaktion des „Wiarus“, insbesondere von seinem Chefredakteur Jan Brejski gingen in den folgenden Jahren entscheidende Impulse zur Gründung zahlreicher polnischer Zentralvereine aus. 

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