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Dynastische Hochzeiten zwischen polnischen und deutschen Fürstenhäusern Sobieski: 1691 Jakob Louis Heinrich Sobieski

Henri Gascar (1635-1701, zugeschrieben): Bildnis eines französischen Marschalls (vermutlich Jakob Louis Sobieski), 1690er Jahre. Öl auf Leinwand, 112 x 91 cm, Palastmuseum Wilanów/Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie
Henri Gascar (1635-1701, zugeschrieben): Bildnis eines französischen Marschalls (vermutlich Jakob Louis Sobieski), 1690er Jahre. Öl auf Leinwand, 112 x 91 cm, Palastmuseum Wilanów/Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie

1691 Jakob Louis Heinrich Sobieski/Jakub Ludwik Henryk Sobieski (1667-1737), Kronprinz von Polen-Litauen, heiratet Hedwig Elisabeth Amalia von Pfalz-Neuburg/Jadwiga Elżbieta Amalia Sobieska (1673-1722), Tochter von Philipp Wilhelm von der Pfalz (1615-1690), Pfalzgraf und Herzog von Pfalz-Neuburg, Herzog von Jülich-Berg und Kurfürst von der Pfalz

 

Jakob Louis Heinrich Sobieski wird am 2. November 1667 in Paris als ältester Sohn des polnischen Magnaten und Feldhetmans der polnischen Krone, Johann/Jan Sobieski (1629-1696), der 1674 als Johann III. zum König von Polen gewählt wird, geboren. Jakobs Mutter, Gräfin Marie Casimire Louise de la Grange d’Arquien (1641-1716), ist als Elfjährige aus Frankreich an den polnischen Hof gekommen, hat zunächst den Wojewoden von Sandomierz, Jan Sobiepan Zamoyski, geheiratet und nach dessen frühem Tod 1665 Johann Sobieski geehelicht. 1667 geht sie, um dem Einfall der Kosaken und Tartaren zu entgehen, an den französischen Hof, wo noch im selben Jahr Jakob Louis geboren wird, der nach seinem Großvater Jakub Sobieski, Kastellan von Krakau, und nach seinem Taufpaten, dem französischen König Ludwig XIV., genannt wird. Von Anfang an gilt Jakob Louis Sobieski, der als schwarzhaarig, schmächtig und ein wenig verwachsen beschrieben wird, in Polen mehr als Franzose und später eher als Sohn eines Feldmarschalls denn von königlicher Herkunft (Abbildungen unten). Im September 1668 treffen Mutter und Sohn in Danzig zum ersten Mal auf den Vater.

Als König von Polen versucht Johann III. Einfluss auf das von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), dem Großen Kurfürsten, regierte Herzogtum Preußen zu gewinnen, indem er versucht seinen vierzehnjährigen Sohn, inzwischen Prätendent auf den polnisch-litauischen Thron, mit der Tochter des brandenburgischen Statthalters in Preußen, Fürst Bogusław Radziwiłł (1620-1669), Herzog von Birże und Dubinki, der ein Jahr jüngeren Luise Charlotte/Ludwika Karolina (1667-1695), zu verheiraten. Dem kommt der Kurfürst jedoch zuvor, der die Tochter seines Statthalters 1681 seinem jüngsten Sohn, dem ebenfalls vierzehnjährigen Prinzen Ludwig von Brandenburg (1666-1687), zur Frau gibt. Luise Charlotte ist zudem über ihre Großmutter bereits mit den Hohenzollern und dem Haus Brandenburg verwandt. 1683 begleitet Jakob Louis seinen Vater bei der Schlacht am Kahlenberg, in der Johann Sobieski mit einem deutsch-polnischen Entsatzheer die zweite Belagerung Wiens durch die Türken beendet, sowie in der Schlacht bei Párkány, in der die osmanischen Truppen den Heeren von Polen-Litauen und dem Römisch-Deutschen Reich unterliegen.

Fünf Jahre später bemüht sich Jakob Sobieski erneut um die inzwischen verwitwete Luise Charlotte Radziwill, die jedoch ein mit ihm geschlossenes Eheversprechen bricht und nach einer durch Kaiser Leopold I. sowie die Häuser Brandenburg und Pfalz-Neuburg organisierten Intrige heimlich 1688 Karl Philipp von der Pfalz (1661-1742) heiratet. In den aus dem Wortbruch folgenden Skandal schalten sich Johann III., der Sejm, Jakobs Großvater, der Marquis d‘Arquien, und der Kaiser ein, dessen Diplomatie deeskalierend zu wirken versucht. Eine Lösung des Problems zeichnet sich ab, als Leopold 1690 am Kaiserhof in Wien den Vater von Karl Philipp, den Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz (1615-1690), empfängt und die Verheiratung von dessen Tochter Hedwig Elisabeth Amalia von Pfalz-Neuburg, Karl Philipps Schwester, mit Jakob Louis Sobieski bespricht. Im November 1690 wird auf Schloss Żółkiew (heute Schowkwa, Ukraine), einer der Residenzen Johanns III., ein Ehevertrag zwischen dem inzwischen amtierenden Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, dem ältesten Bruder von Hedwig Elisabeth, und Johann III. geschlossen. Eine Mitgift für Hedwig Elisabeth von insgesamt 500.000 Gulden wird auf Anweisung des Kaisers durch das schlesische Herzogtum Ohlau/Oława, bestehend aus der Stadt, dem Schloss und den umgebenden Gütern, abgesichert.

 

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  • Jan III Sobieski mit seinem Sohn, 1680er-Jahre

    Jerzy Siemiginowski-Eleuter  (1660–1711): Bildnis Jan III Sobieski mit seinem Sohn Jakub Ludwik, 1680er-Jahre. Öl auf Leinwand, 160,5 x 123,5 cm
  • Johann III. Sobieski mit Familie, 1691

    Schule Henri Gascar (1635-1701): Johann III. Sobieski umgeben von seiner Familie, 1691. Öl auf Leinwand, 151 x 232 cm, Königsschloss auf dem Wawel/Zamek Królewski na Wawelu, Krakau
  • Johann III. Sobieski mit Familie, um 1691

    Henri Gascar (1635-1701): Johann III. Sobieski, umgeben von seiner Familie, um 1691. Öl auf Leinwand, 90 x 72 cm, Bayerische Schlösserverwaltung, Residenz München
  • Johann III. Sobieski mit Familie, um 1693

    Henri Gascar (1635-1701): Johann III. Sobieski mit seiner Familie, um 1693. Öl auf Leinwand, 73,5 cm x 108, 5 cm, Palastmuseum Wilanów/Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie
  • Hedwig Elisabeth von Pfalz-Neuburg, Prinzessin von Polen, 1696

    Adriaen van der Werff  (1659–1722): Porträt Hedwig Elisabeth, Pfalzgräfin bei Rhein zu Neuburg, Prinzessin von Polen, 1696. Öl auf Leinwand, 48 x 40,5 cm