Kaminski, Joseph

Joseph Kaminski, undatiert
Joseph Kaminski, undatiert

Kaminski, Joseph (Józef Kamiński), polnisch-israelischer Violinist und Komponist. 1922-24 Studium an der Berliner Hochschule für Musik. 1925/26 gefeierter Solist in Berlin. *17.11.1903 Odessa, †14.10.1972 Tel Aviv-Jaffa. Sohn des Schauspieler-Ehepaars Esther Rachel Kamińska, geborene Halpern (1870 Porosowo-1925 Warschau) und Abraham Isaak Kamiński (1867–1918), Bruder der Theater- und Filmschauspielerinnen Regina Kamińska (1894-1913 Warschau) und Ida Kamińska (1899 Odessa-1980 New York), Cousin des Geigers und Kammermusikers Simon Pullman (1890 Warschau-1942 im KZ Treblinka ermordet). Nach seiner Geburt übersiedelt die Familie nach Warschau. 1909 beginnt er mit sechs Jahren mit dem Violinspiel. Als Zwölfjähriger konzertiert er in Warschau mit dem Nationalen Philharmonischen Sinfonie-Orchester/Orkiestra Symfoniczna Filharmonii Narodowej. Während dieser Zeit interessiert er sich für das Klavier, erlernt das Klavierspielen als Mittel zum Komponieren und komponiert erste Musikstücke. 1922-24 studiert er in Berlin an der Hochschule für Musik Violine und Komposition bei dem Komponisten Friedrich Ernst Koch (1862-1927); Freundschaft mit dem Dirigenten Paul Klecki/Kletzki (1900 Łódź-1973 Liverpool), dem er später sein Werk „Israel Sketches“ (1958) widmet. Ab 1924 studiert er in Wien Komposition und Dirigieren unter anderem bei dem Komponisten Hans Gál (1890-1987) und bei dem Violinisten Arnold Rosé (1863-1946). Anschließend geht er zurück nach Berlin und tritt dort als Solist auf, der von der Presse gefeiert wird; K. soll perfekt Deutsch gesprochen haben. 1926 geht er nach Warschau. Er wird Orchesterdirigent des 1921 von seiner Mutter gegründeten und von seiner Schwester Ida geleiteten Varshaver Yidisher Kunst Teater/Warszawski Żydowski Teatr Artystyczny [Warschauer Jüdisches Kunsttheater] und schreibt Bühnenmusik zu jiddischen Stücken, darunter zu „Bay nacht oyfn altn mark“ [Nachts auf dem alten Markt] von I.L. Peretz, zu der Komödie „Quadratur des Kreises“ von Walentin Katajew und zu Klabunds Drama „Der Kreidekreis“. Mit dem von ihm gegründeten Warschauer Quartett/Kwartet Warszawski gewinnt er 1934 den Józef-Piłsudski-Preis/Konkurs im. Józefa Piłsudskiego. 1935 wird er Konzertmeister des neu gegründeten Großen Sinfonieorchesters des polnischen Rundfunks/Wielka Orkiestra Symfoniczna Polskiego Radia. Im Februar 1937 engagiert ihn der Violinist und Orchestergründer Bronisław Huberman (1882-1947) für die Saison 1937/38 als Konzertmeister des Palestine Orchestra. Im September besteigt Kamiński mit seiner Familie im rumänischen Hafen Constanța das Schiff Polonia, das sie nach Palästina bringt. Seine Position als Kapellmeister behält er bis zu seiner Pensionierung 1969 in dem 1948 in Israel Philharmonic Orchestra umbenannten Orchester. Daneben tritt er als Dirigent und Gastsolist auf, ist Lehrer und Mentor des Geigers und Dirigenten Itzhak Perlman (*1945). – Sein erstes 1939 in Israel entstandenes Werk, „Agada weinachol“ [Legende und Tanz], für Orchester oder Streichquartett verbindet traditionelle jüdische Melodien aus Osteuropa mit orientalischen Klängen. 1940 entsteht ein Concertino für Trompete und Orchester, das als Parodie auf ein Violinkonzert von Vivaldi gilt. 1942 komponiert er ein Werk für Sinfonieorchester, „Alija Mija“ [Einwanderung nach Palästina] mit einem Baritonsolo nach einem Text von Jehuda Halewi. 1944 entsteht eine „Komische Ouvertüre“, wenig später ein Streichquartett, mit dem er angesehene Preise erringt. Außerdem komponiert er Balladen für Harfe und Orchester, ein Violinkonzert und eine sinfonische Ouvertüre. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich seine „Israel Sketches/Riszumim israeliim“ für Englischhorn und Streichorchester, die in den 1950er-Jahren während einer Tournee des Israel Philharmonic Orchestra in zahlreichen europäischen Städten gespielt werden.

Literatur:

Barbara von der Lühe: Die Musik war unsere Rettung. die deutschsprachigen Gründungsmitglieder des Palestine Orchestra = Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts, 58, Tübingen 1998, Seite 174 f., 179, 215, 276, 307

Online:

Kaminski, Joseph, auf: Israel Music Institute, Tel-Aviv, http://www.imi.org.il/Joseph-Kaminski-Israel-Music-Institute?language=eng

Anna Maria Szczepan Wojnarska: Kamiński Józef, auf: Virtual Shtetl (Museum of the History of Polish Jews POLIN), https://sztetl.org.pl/en/biographies/2881-kaminski-jozef

(alle Links wurden zuletzt im November 2019 aufgerufen)

 

Axel Feuß, November 2019

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