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Tichy, Karol

Schminktisch und Sessel, 1909. Entwurf: Karol Tichy, Ausführung: Andrzej Sydor, verschiedene Hölzer, Einlegearbeiten, 129 x 74 x 50 cm und 75 x 54,7 x 51,5 cm, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie, Inv. Nr. SZMb 2114/5 MNW und SZMb 2114/6 MNW
Schminktisch und Sessel, 1909. Entwurf: Karol Tichy, Ausführung: Andrzej Sydor, verschiedene Hölzer, Einlegearbeiten, 129 x 74 x 50 cm und 75 x 54,7 x 51,5 cm, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie, Inv. Nr. SZMb 2114/5 MNW und SZMb 2114/6 M

Tichy, Karol, polnischer Maler, Zeichner und Kunstgewerbler, Mitglied der „Münchner Schule“. 1890/91 Jura-Studium an der Universität München, 1891-93 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste. *2.2.1871 Bursztyn (heute Burschtyn, Ukraine), †27.11.1939 Warschau. Sohn des Apothekers Jan T. (†1889) und dessen Ehefrau Franciszka, geborene Ursel. Nach dem Gymnasialabschluss in Krakau studiert er 1889/90 an der Krakauer Schule der schönen Künste/Szkoła Sztuk Pięknych bei Feliks Szynalewski (1825-1892) und Izydor Jabłoński (1835-1905, Mitglied der „Münchner Schule“), außerdem Jura an der Jagiellonen-Universität. 1890/91 setzt er das Jura-Studium in München an der Universität fort. Am 29.4.1891 Eintritt in die Naturklasse des Zeichners und Historienmalers Gabriel von Hackl (1843-1926) an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München, Studium bis 1893. 1893-95 studiert er in Paris an der École des Beaux-Arts unter anderem bei dem Historien- und Porträtmaler Léon Bonnat (1833-1922). 1896 lässt er sich in Krakau nieder. 1901 gehört er zu den Mitbegründern der Gesellschaft für angewandte Kunst/Towarzystwo Polska Sztuka Stosowana, im selben Jahr wird er Mitglied des Künstlerverbands Towarzystwo Artystów Polskich „Sztuka“. 1904-08 unterrichtet er in Warschau als Professor für Malerei an der 1904 wiedereröffneten Schule der Schönen Künste/Szkoła Sztuk Pięknych w Warszawie. Anschließend unternimmt er Reisen nach Frankreich, England und Italien, 1906/07 nach Ägypten. 1914-17 lebt er erneut in Krakau. 1918 organisiert er in Warschau die Staatlichen Pädagogischen Kurse für Zeichenlehrer und unterrichtet dort bis 1922 Malerei. 1923-39 Professor für Malerei und (ab 1924) für Keramik erneut an der Schule der Schönen Künste (ab 1932 Akademie der Schönen Künste in Warschau/Akademia Sztuk Pięknych w Warszawie). 1924 wird er mit dem Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta ausgezeichnet. 1926 engagiert er sich bei der Gründung der Künstlergenossenschaft „Ład“ (dt. Ordnung)/Spółdzielnia Artystów Plastyków „Ład“, die sich für die Erneuerung des Kunsthandwerks in den Bereichen Formgebung, Materialien und Verarbeitung einsetzt. – Anfänglich konzentriert sich T. auf die Malerei und schafft Porträts und Genreszenen. Skizzenhaft gestaltete Formen, flächig aufgetragene Farben und dynamische Kompositionen deuten bereits auf den Jugendstil. Sein bekanntestes und vielfach reproduziertes Gemälde „Elegie/Elegia“ (1900, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie) orientiert sich mit seiner flächigen Malweise in starken Farbkontrasten und dem seriellen Motiv der Frauen mit ihren auffälligen Hauben an den von Paul Gauguin und Émile Bernard während ihrer Zeit in Pont-Aven ab 1886 geschaffenen Gemälden bretonischer Frauen. Enge Bezüge zu Symbolismus und Jugendstil sind, auch im Bildtitel und seinen philosophischen Bezügen, offensichtlich. Seine Porträts zeichnet ein Gegensatz zwischen Versonnenheit und dramatischer Spannung aus. Die in Pastell ausgeführten Bildnisse orientieren sich mit ihrer blassen Farbigkeit an Werken von Eugène Carrière, hingegen zeichnen sich seine mit Kohle gezeichneten Porträts durch expressive Kontraste und dramatische Lichtführung aus. Zwischen 1902 und 1914 konzentriert sich T. auf das Entwerfen von Inneneinrichtungen, Möbeln und Stoffen. Die von ihm entworfenen Mobiliare orientieren sich mit ihren geometrischen Formen, starken Helldunkelkontrasten und raffinierten Holzmaserungen am Wiener Sezessionsstil, insbesondere an Entwürfen von Josef Hoffmann und Koloman Moser (siehe Titelbild). Seine Entwürfe für Kelims und farbige Glasfenster sind von Motiven der Volkskunst inspiriert, zeigen stilisierte und in symmetrische Ornamente überführte Pfauen, Herzen und Blumenvasen und schließen gelegentlich an die geometrische Wiener Stilkunst an. 1918-20 entwirft er Bühnenbilder und Kostüme für das Warschauer Teatr Rozmaitości, in den 1920er-Jahren puristisch-einfache Keramiken mit dekorativen farbigen Glasuren. Der größte Teil seines Werks wird 1944 während des Warschauer Aufstands zerstört, ein Teil ist fotografisch überliefert. Werke befinden sich im Besitz der Familie sowie in Bochnia im Muzeum w Bochni im. prof. Stanisława Fischera, in Krakau im Muzeum Archidiecezjalne w Krakowie sowie in den Nationalmuseen von Krakau und Warschau.

 

Gruppenausstellungen: 1896, 1897, 1900, 1901, 1903 Krakau, Gesellschaft der Freunde der Schönen Künste/Towarzystwo Przyjaciół Sztuk Pięknych / Warschau: 1902, 1908 Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste/Towarzystwo Zachęty Sztuk Pięknych; 1918-20 Salony doroczne / Wien: 1902 Belvedere: Secessions-Ausstellung; 1906, 1908 Hagenbund: Vereinigung Polnischer Künstler „Sztuka“ / 1921 Paris, Grand Palais: Exposition d’art polonais / 1929 Poznań, Pałac Sztuki: Powszechna Wystawa Krajowa

Literatur: Halina Stępień/Maria Liczbińska: Artyści polscy w środowisku monachijskim w latach 1828-1914. Materiały źródłowe, Warschau 1994, Seite 17, 65; Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 14 (Lieferung 65), 2014, Seite 338; Henryka Noskiewicz-Gałązka und andere: Wydział Architektury Wnętrz, Akademia Sztuk Pięknych w Warszawie 1904-1939. Między narodową formą a nowoczesnością, Warschau 2017; E. Micke-Broniarek, in: De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon, Band 109, Berlin/Boston 2020, Seite 156 f. (dort weitere Literatur)

Online: Matrikeldatenbank, Matrikelbuch 3, Akademie der Bildenden Künste München, 00827 Karol Tichy, https://matrikel.adbk.de/matrikel/mb_1884-1920/jahr_1891/matrikel-00827

T. Szybisty, auf: Österreichisches Biographisches Lexikon online, https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Tichy_Karol-Maria-Jozef_1871_1939.xml

Zahlreiche Werke im Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie, https://cyfrowe.mnw.art.pl/pl/artysci/7630, https://cyfrowe.mnw.art.pl/pl/artysci/1257

Bildergalerie „Karol Tichy – Creator of Applied Arts in Poland“ auf culture.pl, https://culture.pl/en/gallery/karol-tichy-creator-of-applied-arts-in-poland-gallery

(alle Links wurden zuletzt im Oktober 2020 aufgerufen)

 

Axel Feuß, Oktober 2020

Schminktisch und Sessel, 1909. Entwurf: Karol Tichy, Ausführung: Andrzej Sydor, verschiedene Hölzer, Einlegearbeiten, 129 x 74 x 50 cm und 75 x 54,7 x 51,5 cm, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie, Inv. Nr. SZMb 2114/5 MNW und SZMb 2114/6 MNW
Schminktisch und Sessel, 1909. Entwurf: Karol Tichy, Ausführung: Andrzej Sydor, verschiedene Hölzer, Einlegearbeiten, 129 x 74 x 50 cm und 75 x 54,7 x 51,5 cm, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie, Inv. Nr. SZMb 2114/5 MNW und SZMb 2114/6 M

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  • Schminktisch und Sessel, 1909. Entwurf: Karol Tichy, Ausführung: Andrzej Sydor, verschiedene Hölzer, Einlegearbeiten, 129 x 74 x 50 cm und 75 x 54,7 x 51,5 cm, Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie, Inv. Nr. SZMb 2114/5 MNW und SZMb 2114/6 MNW

    Schminktisch und Sessel, 1909

    Schminktisch und Sessel, 1909. Entwurf: Karol Tichy, Ausführung: Andrzej Sydor, verschiedene Hölzer, Einlegearbeiten, 129 x 74 x 50 cm und 75 x 54,7 x 51,5 cm