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Dynastische Hochzeiten zwischen polnischen und deutschen Fürstenhäusern Piasten: 1013 Mieszko II. Lambert

Mathilde von Schwaben überreicht Mieszko II. Lambert die Handschrift „Liber de divinis officiis“, Widmungsblatt zur gleichnamigen Handschrift des Pseudo-Alkuin, St. Gallen, 1025/27 (verschollen, farbige Kopie von 1842), Düsseldorf, Universitäts- und Landesbibliothek, Ms.C 91, fol. 3r
Mathilde von Schwaben überreicht Mieszko II. Lambert die Handschrift „Liber de divinis officiis“, Widmungsblatt zur gleichnamigen Handschrift des Pseudo-Alkuin, St. Gallen, 1025/27 (verschollen, farbige Kopie von 1842), Düsseldorf, Universitäts- und Lande

1016 wird der Sohn von Mieszko II. und Richeza, Kasimir I. Karl/Kazimierz I Karol (1016-1058), „der Erneuerer/Odnowiciel“, geboren. Nach dem Tod von Bolesław I. im Jahre 1025, welcher zuvor noch von einem Gesandten des Heiligen Stuhls zum König von Polen gekrönt worden ist, lassen sich auch Mieszko II. Lambert und Richeza bei ihrem Regierungsantritt krönen. Sie kommen damit Mieszkos älterem Halbbruder Bezprym (um 987-1032) zuvor, der ohnehin von Bolesław enterbt worden ist. Mieszko II. gilt zu Beginn seiner Herrschaft sowohl in Polen als auch im Reich als mächtiger Alleinherrscher. Er steht allerdings von Beginn an in unüberwindbarem Gegensatz zu Konrad II., dem Nachfolger von Heinrich II., der 1024 gestorben ist. Konrad erkennt beide polnischen Königskrönungen nicht an und wertet sie als Missachtung seiner Herrschaftsansprüche. Mieszko wiederum schließt sich der lothringischen Opposition gegen Konrad II. an, die von Richezas Familie unterstützt wird.[5]

Eine weitere Gegnerin Konrads II., Mathilde von Schwaben (988/89-1032), Herzogin von Kärnten und Oberlothringen, deren Sohn bei der Königswahl gegen Konrad unterlegen ist und die ebenfalls den Ezzonen, also Richezas Familie, nahesteht, verbündet sich mit Mieszko II. In einem Brief, den sie vermutlich zwischen 1025 und 1027 schreibt und mit einer Miniatur versehen lässt (Titelbild), preist sie ihn als der griechischen und der lateinischen Sprache mächtigen, also umfassend gebildeten Förderer der Kirche und für alle Zeiten unbesiegbaren König („rex invictissimus“). Wie auf der Miniatur zu sehen ist, schenkt sie ihm anlässlich seiner Krönung die wertvolle liturgische Handschrift Liber de divinis officiis (Über den Gottesdienst der Kirche).[6] Ganz anders beurteilen die kaisertreuen und weitaus später entstandenen Magdeburger Annalen (Annales Magdeburgenses, 1176-1188)[7] den polnischen Fürsten und verfluchen ihn als „Antichrist, als Belial, als blutiges Ungeheuer und Christenverfolger“.[8]

Folge der mehrfachen Hochzeiten zwischen den Piasten und den deutschen Fürstenhäusern ist ein reger Kulturaustausch, der auch die Christianisierung Polens fördert. Archäologische und architekturhistorische Untersuchungen haben gezeigt,[9] dass kultureller Transfer von Italien über das Römisch-Deutsche Reich Polens Architektur zur Zeit der Romanik entscheidend beeinflusst hat. Sowohl Richeza als auch ihr Sohn Kasimir sowie dessen Söhne Władysław I. Herman und Bolesław II. holen nicht nur Missionare, sondern auch Handwerker vor allem aus der Mainzer Dombauhütte für den Kirchenbau nach Polen. Richeza bringt aus Köln die heiligen Gereon, Felix und Adauctus als Kirchenpatrone mit und lässt für sie unmittelbar nach ihrer Hochzeit in der Krakauer Residenz auf dem Wawel Kirchen errichten. Die Gereonskirche wird nach dem Vorbild von St. Gereon in Köln und St. Michael in Hildesheim konzipiert. Die unter Władysław I. Herman begonnene und während der Herrschaft von Bolesław III. 1118 vollendete Kathedrale auf dem Wawel wird ebenfalls von rheinischen Bauleuten geplant und ausgeführt.[10]

[5] Ebenda, Seite 115

[6] Das Widmungsblatt zur Handschrift, die sich heute in der Universitätsbibliothek Düsseldorf befindet, ist verschollen, wurde aber durch eine Kopie von 1842 überliefert und im selben Jahr in Berlin von dem Historiker, Archäologen und Philologen Philipp Anton Dethier (1803-1881) in lateinischer Sprache und mit dem Faksimile der Miniatur publiziert und kommentiert (Abbildung unten). Das Buch von Philip Anton Dethier: Epistola inedita Mathildis Suevae … ad Misegonem II., Poloniae regem, Berlin 1842, ist in zahlreichen deutschen und polnischen Bibliotheken sowie digital im Internet als Exemplar aus der Österreichischen Nationalbibliothek verfügbar, https://books.google.de/books?id=D2FTAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false. – Vergleiche außerdem Brygida Kürbis: Die Epistola Mathildis Suevae an Mieszko II. in neuer Sicht. Ein Forschungsbericht. Mit einem Anhang von Eckhard Freise und Marcus Weidner. Auf der Suche nach der verschollenen Widmungsminiatur des Cod. C 91 der Düsseldorfer Universitätsbibliothek, in: Frühmittelalterliche Studien 23, 1989, Seite 318-343. Zu weiterer Literatur und Ausgaben siehe: Bayerische Akademie der Wissenschaften, Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters, http://www.geschichtsquellen.de/werk/3451. Zu Mathilde von Schwaben: Eckhard Freise in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), Seite 375 f. [Online-Version], https://www.deutsche-biographie.de/sfz58985.html

[7] Vergleiche Bayerische Akademie der Wissenschaften, Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters, https://www.geschichtsquellen.de/werk/319

[8] Röckelein 2006 (siehe Literatur), Seite 117

[9] Zygmunt Świechowski: Romanische Baukunst Polens und ihre Beziehungen zu Deutschland, in: Westfalen, Band 43, Seite 161-190. Auf die Bedeutung der Heiratsbeziehungen für den Kulturtransfer weist Świechowski (Seite 161) ausdrücklich hin. Vergleiche auch Zygmunt Świechowski: Romanesque Art in Poland, Warschau 1983, Seite 19 f.

[10] Röckelein 2006 (siehe Literatur), Seite 120 f.

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  • Faksimile zum Brief der Mathilde von Schwaben

    Philipp Anton Dethier: Epistola inedita Mathildis Suevae … ad Misegonem II., Poloniae regem, Berlin 1842, mit einem Faksimile des Briefs der Mathilde von Schwaben an Mieszko II., König von Polen, 1025...
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  • Gedenktafel in Klotten

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