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Trębacz, Maurycy

Alter Mann beim Studium, 1896. Öl auf Leinwand, signiert und datiert unten rechts, im Auktionshandel (Sotheby’s New York, 2009)
Alter Mann beim Studium, 1896. Öl auf Leinwand, signiert und datiert unten rechts, im Auktionshandel (Sotheby’s New York, 2009)

Trębacz, Maurycy (Mojżesz), polnischer Maler und Zeichner, Mitglied der „Münchner Schule“. 1883-84 Student der Akademie der Bildenden Künste München. 1890-94, 1896 und 1900 Aufenthalte in München. *3.5.1861 Warschau, †29.1.1941 Łódź. Sohn des Dekorationsmalers Dawid T., Bruder des Malers Bernard (Bronisław) T. (*1869), Onkel des Malers und Grafikers Tadeusz T. 1877-80 studiert er in der Warschauer Zeichenklasse/Klasie Rysunkowej bei Wojciech Gerson (1831-1901) und Aleksandr Kamiński (Alexander Kaminski, 1823-1886), 1880-82 an der Schule der Schönen Künste/Szkoła Sztuk Pięknych in Krakau bei Władysław Łuszczkiewicz (1828-1900), Jan Matejko (1838-1893, Mitglied der „Münchner Schule“) und Leopold Löffler (1827-1898). Am 13.2.1883 Eintritt in die Malschule an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München, Studium bis 1884 bei dem Genre- und Landschaftsmaler Otto Seitz (1846-1912), dem Historienmaler Sandór (Alexander von) Wagner (1838-1919) und dem Historien- und Porträtmaler Alexander von Liezen-Mayer (1839-1898); 1884 Silbermedaille für Studien zu einem Gemälde mit dem Titel „Vom Martyrium/Z martyrologii“. Anschließend lebt er wieder in Warschau. 1889 geht er zusammen mit dem aus Łódź  stammenden Maler Samuel Hirszenberg (1865-1908, Mitglied der „Münchner Schule“) nach Paris, wo er bis 1890 an der Académie Colarossi studiert. 1889 Bronzemedaille, Weltausstellung Paris (für ein Gemälde „Rekonvaleszentin/Rekonwalescentka“); 1894 Goldmedaille, Weltausstellung Chicago (für das Gemälde „Der barmherzige Samariter/Miłosierny Samarytanin“, 1886; reproduziert in der Zeitschrift Kłosy, Band XLVI, Nr. 1180, 9.2.1888, Seite 89). 1890-94, 1896 und 1900 ist er wieder in München, aber auch in Lemberg/Lwów (heute Lviv), Drohobytsch/Drohobycz und Krakau. 1893 ist er in München in der Schillerstraße 34 ansässig; Teilnahme an der Jahresausstellung im Glaspalast mit zwei Werken („Neugieriges Modell“, „Mein Atelierwinkel“). 1894 reist er nach Ägypten. 1909 lässt er sich mit seiner Familie in Łódź nieder, wo er eine Kunstschule gründet, die er bis zum September 1939 betreibt. T. stirbt im Getto Litzmannstadt/Łódź an Hunger und Entkräftung, ebenso seine Frau Pola. Beide hatten drei Kinder, Edward, Zofia und Bronisław.  – T. gilt als einer der bekanntesten jüdischen Maler der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Polen. Zahlreiche seiner Werke gehen während des Zweiten Weltkriegs verloren. Rund 70 nach dem Krieg aufgefundene Arbeiten gelangen später in das YIVO Institute for Jewish Research in New York und in die Yad Vashem Holocaust Gedenkstätte in Jerusalem. – In den Jahren nach seinem Studium in Warschau, Krakau und München entstehen ab Mitte der 1880er-Jahre Figurenbilder mit christlich-jüdischen Themen (die Münchner Studie „Vom Martyrium“, 1884, heute Kunstmuseum Łódź/Muzeum Sztuki w Łodzi, zwei Jahre später verwendet für das Gemälde „Der barmherzige Samariter“, 1886, verschollen), aber auch „Männerakt vor Landschaft“ (1890, Privatbesitz), „Rekonvaleszentin“ (1889) oder der Halbakt „Neugieriges Modell“ (1893), das ein Aktmodell vor seinem eigenen Gemäldeporträt in einem üppig ausgestatteten Malatelier der Gründerzeit zeigt, sämtlich im Stil eines pompösen Realismus. Szenen mit Wein trinkenden Mönchen folgen denen des Münchner Malers Eduard Grützner (1846-1925). Gleichzeitig ist T. ein ausgezeichneter Porträtist, der fein studiertes und ausdrucksvolles Inkarnat vor summarisch-flächige und impressionistisch empfundene Hintergründe setzt (Porträt Lucian Wrotnowski, 1887; Bildnis eines Mädchens mit roter Baskenmütze/Portret dziewczynki w czerwonym berecie, 1893, beide Nationalmuseum Warschau/Muzeum Narodowe w Warszawie). Gegen Ende des Jahrhunderts nähert er sich in Landschaften („Im Schlosspark“, 1887, Historisches Jüdisches Institut/Żydowski Instytut Historyczny, Warschau) bis in die Dreißigerjahre („Blick aus meinem Fenster/Widok z mego okna“ (Nationalmuseum Warschau)  dem Impressionismus an. In den Jahren um die Jahrhundertwende konzentriert sich T. als Gegenreaktion auf einen wachsenden Antisemitismus auf jüdische Themen, die sich in der Nachfolge des aus Drohobytsch stammenden Malers Maurycy Gottlieb (1856-1879) und gleichzeitig mit den mit ihm befreundeten und aus Łódź stammenden Malern Leopold Pilichowski (1869-1933) und Samuel Hirszenberg (alle Mitglieder der „Münchner Schule“) Figurenszenen und Porträts aus dem jüdischen Alltagsleben zeigen, vor allem Männer, die den Talmud studieren (Titelbild), beten oder rituelle Gegenstände halten. Außerdem malt er Allegorien auf das Schicksal der Juden (Triptychon „Israel/Izrael“, 1902, erhalten nur das Mittelteil „Buße/Pokuta“, im Auktionshandel). Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entstehen gefällig-süßliche und laszive Damenbildnisse sowie Stillleben mit Blumen in Vasen und Töpfen von geringerer künstlerischer Qualität, die materieller Not entspringen und zuletzt der Reputation des Malers schaden. Bekannt und beliebt bleibt er als versierter Porträtist. – Werke befinden sich in zahlreichen polnischen Museen, unter anderem im Historischen Museum der Stadt Krakau/Muzeum Historyczne Miasta Krakowa, in Kutno im Regionalmuseum/Muzeum Regionalne, in Leszno im Bezirksmuseum/Muzeum Okręgowe, in Łódź im Kunstmuseum/Muzeum Sztuki und im Stadtmuseum/Muzeum Miasta Łodzi, in Radom im Muzeum im. Jacka Maczewskiego, in Słupsk im Museum für Mittelpommern/Muzeum Pomorza Środkowego, in Warschau im Nationalmuseum/Muzeum Narodowe, im Historischen Jüdischen Institut/Żydowski Instytut Historyczny sowie im Staatlichen Archäologischen Museum/Państwowe Muzeum Archeologiczne, weitere Werke in Israel in Ein Harod im Museum of Art, in Jerusalem im Yad Vashem Art Museum, in Tel Aviv im Museum of Art, sowie in New York im YIVO Institute for Jewish Research und in Rapperswil im Polenmuseum.

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  • Alter Mann beim Studium, 1896

    Alter Mann beim Studium, 1896. Öl auf Leinwand