„Treu dem Vaterland, auch in der Fremde”. Patriotische Telegramme der Breslauer Polonia

Hochzeitstelegramm mit einem Porträt von Tadeusz Kościuszko und einem Adler, Farbdruck, 1932.
Hochzeitstelegramm mit einem Porträt von Tadeusz Kościuszko und einem Adler, Farbdruck, 1932.

Die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Aufstands von Kościuszko wurden 1894 mit besonderer Inbrunst begangen. Sie fanden in allen drei [von Preußen, Russland, Österreich; Anm. d. Übers.] besetzten Landesteilen statt, erzielten jedoch im autonomen Galizien ihre stärkste Resonanz. In Lemberg wurde als besonderer Höhepunkt der Festivitäten das Rundgemälde „Panorama Racławicka“ (Panorama der Schlacht von Racławice) von Jan Styka und Wojciech Kossak enthüllt. „Für die Menschen in den besetzten Gebieten trug es zur ‚Aufmunterung der Herzen‘ bei, es weckte nationale Gefühle und es zeigte eine Vision des Kampfs um die Unabhängigkeit der Heimat, an dem Verbände aus der Bauernschaft teilnehmen würden, wovon Ideologen und Freiheitskämpfer im 19. Jahrhundert träumten.”[1]

Ebenfalls im Jubiläumsjahr 1894 brachte Tadeusz Korzon die erste wissenschaftlich fundierte Biografie Kościuszkos heraus.[2]

Ein noch ganz anderes Format nahmen die Feierlichkeiten zum 100. Todestag von Kościuszko im Jahr 1917 an. Die Veranstaltungen wurden mit Gottesdiensten, Umzügen und Festreden in mindestens 100 Ortschaften, selbst in Dörfern, begangen. So kam es am 14. Oktober 1917 auf den Feldern von Racławice, auf denen die erste Schlacht des Aufstands gewonnen wurde, zu einer heiligen Feldmesse und einer großen Kundgebung, an der fast 15.000 junge Menschen, Bauern und Einwohner der umliegenden Dörfer teilgenommen haben, sowie zu einem Gastspiel des Krakauer Teatr Ludowy (Volkstheater) mit einer Aufführung des Stücks „Kościuszko pod Racławicami“ (Kościuszko bei Racławice) von Władysław Anczyc.[3]

Mancherorts wurden auch äußerst spektakuläre Akzente gesetzt. So erschienen in Lublin zwei Militärflugzeuge über der Stadt, aus denen weiß-rote Blumensträuße und Visitenkarten der Piloten regneten, auf denen stand: „Kościuszko-Fest am 15. Oktober 1917”[4] Außerdem wurden 1917 im Ausland Feierlichkeiten zu Ehren Kościuszkos begangen, unter anderem in Paris, Berville, Solothurn und Rapperswil.

Anzumerken ist, dass auch im deutschen Breslau (Wrocław) gefeiert wurde. Das dortige Festkomitee war über ein halbes Jahr darum bemüht, dem Andenken des polnischen Nationalhelden würdevoll zu entsprechen. Das Kościuszko-Fest wurde mit einer heiligen Messe eröffnet, die am Sonntag, den 14. Oktober 1917, in der brechend vollen Kirche der Erziehungsanstalt Mariahilf in der Lehmgrubenstraße (heute ul. Gliniana) abgehalten wurde. Pfarrer Wilczewski hielt eine feurige, ausgesprochen patriotische Homilie. Dieser heiligen Messe wohnten Delegationen polnischer Organisationen mit ihren Bannern bei. Zum Schluss erklang das patriotische Lied „Boże coś Polskę“ (Gott, der Du Polen...). Anschließend wurde eine Laienaufführung des Stücks „Kościuszko w Petersburgu“ (Kościuszko in St. Petersburg) dargeboten, in der die Interpretation der Hauptrolle des Anführers besonders beeindruckt hat. Der Korrespondent der Tageszeitung „Dziennik Poznański” unterstrich in seinem Resümee der Feierlichkeiten: „Die Breslauer Polonia hat trotz fremder Umgebung gezeigt, dass sie lebt, dass sie sich polnisch fühlt und immer aufrichtig polnisch bleiben wird.”[5]

In der unter preußischer Herrschaft stehenden Region Großpolen beging man die Feierlichkeiten in Posen (Poznań) und andernorts, etwa in dem kleinen Ort Pleszew [dt. Pleschen], wo man sich um Kościuszkos Büste auf dem in den Nationalfarben ausstaffierten Kinderspielplatz versammelte. Unter den Teilnehmern wurden weiß-rote Kokarden verteilt, patriotische Gedichte kamen zum Vortrag, Pfadfinder sangen die polnische Hymne und hundert Paare in Krakauer Trachten führten den Nationaltanz, eine Polonaise, auf.[6]

 

[1] K. Olszański, Panorama Racławicka – rys historyczny (1892 – 1946), [in:] Studia Historyczne, 24. Jg. 1981, Heft 2 , S. 227.

[2] M. Micińska, Gołąb i Orzeł. Obchody rocznic kościuszkowskich w latach 1894 i 1917, Warszawa 1997, S. 53-55.

[3] Ebenda, S. 111-112.

[4] „Kurier Lwowski”, Nr. 484 vom 16.10.1917.

[5] „Dziennik Poznański”, Nr. 239 vom 19.10.1917.

[6] A. Gulczyński, Harcerstwo pleszewskie do roku 1939, Pleszew 1986, S. 9.

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    Hochzeitstelegramm, 1932

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    Telegramm von Towarzystwo Czytelni Ludowych, 1932

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