Monika Czosnowska

Larissa, aus der Serie Novizen, 2004.
Larissa, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm, Auflage 5 + 2 a.p.

Monika Czosnowska – Porträt oder Menschenbild
 

„Die machtvolle Bilderflut des Informationszeitalters überschwemmt die Wahrnehmungskapazität des Einzelnen in einem Ausmaß, dass der Fähigkeit zur Imagination kein ruhender Ort mehr gegeben ist“, schrieb Paolo Bianchi 2008 in der Zeitschrift Kunstforum international in einem Essay über die „Ästhetik der Fotografie“.[1] Wollte man dieselbe Situation heute, neun Jahre später, beschreiben, dann sind alle Superlative bereits ausgereizt. Zwischen den Bildnissen von Politikern und Prominenten aus aller Welt, die die Medien mehrmals am Tag in unser trautes Heim transportieren, und der rund eine Million Selfies, die täglich weltweit mit Digitalkameras, Smartphones und Tablets hergestellt werden, scheint es keinen Platz mehr für ein künstlerisches Bildnis des Menschen zu geben. Kaum einer, der nicht auf Facebook oder Twitter sein Porträt als „Profilbild“ gepostet hätte, wobei die jeweilige Art der Verfremdung über Herkunft, soziale Stellung und Persönlichkeit Auskunft zu geben scheint. Darüber hinaus verfügt heute jedes Land der Erde mit den Bildern in Personalausweisen und Reisepässen theoretisch über eine Gesamtphysiognomie seiner Bürger.

Hinzu kommt im Bereich des Porträts und des Menschenbildes eine gewisse Unschärfe von der künstlerischen zur handwerklichen Fotografie, zur Prominenten- und zur Modefotografie ebenso wie zur Fotoreportage und zum Bildjournalismus, die ja alle ebenfalls einen künstlerischen Anspruch erheben. Schon bald nach Erfindung der Fotografie wurde das Porträt zunächst in Form der Daguerreotypie, ab 1860 in Gestalt der Carte de Visite zum wichtigsten Thema des neuen Bildmediums. Es löste das von Hand gemalte oder gezeichnete Porträt ab und machte das unverwechselbare Bildnis auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel verfügbar.

Der schon damals neuen Flut an Porträtaufnahmen begegneten die Künstler unter den Fotografen mit der Erfindung der Dokumentarfotografie. Der berühmte August Sander (1876-1964) fotografierte seit Ende des 19. Jahrhunderts Hunderte von Einzel-, Familien- und Gruppenbildnissen, nicht um bestellte Porträts anzufertigen, sondern um typische Vertreter verschiedener Berufe und Gesellschaftsschichten und damit einen „Aufriss der damals in Deutschland bestehenden Gesellschaftsordnung“ zu dokumentieren.[2] Am Ende der „goldenen“ und „wilden“ Zwanzigerjahre, als Sanders Fotografien erstmals im Druck erschienen, feierte die Filmstar-, Prominenten- und Modefotografie mit den Aufnahmen von Edward Steichen (1879-1973), die in gefeierten Magazinen wie der Vogue erschienen, erste Höhepunkte. Andere fotografierten Sportler, Arbeiter, Anhänger der Freikörperkultur oder „Köpfe des Alltags“ wie der polnisch-jüdische Fotograf Helmar Lerski (1871-1956), teils aus forschendem Interesse, teils zur Untermauerung jeweiliger Ideologien oder aus Interesse an der Entwicklung dieses Bildmediums. Während des „Dritten Reiches“ erschienen fotografierte Bildwerke wie „Das deutsche Volksgesicht“ mit angeblich rassischen und typologischen Charakteristiken der verschiedenen „Volksstämme“ von Erna Lendvai-Dircksen (1883-1962), die den Nationalsozialisten zuarbeitete.[3]

 

[1] Paolo Bianchi: Ästhetik der Fotografie. Typologie von sechs Wahrnehmungsformen von Fotografen und Fotografien, in: Kunstforum international, Band 192, August 2008, Seite 122

[2] August Sander. Menschen des 20. Jahrhunderts. Portraitphotographien 1892-1952, herausgegeben von Gunther Sander, Text von Ulrich Keller, München 1994, Seite 9

[3] Falk Blask/Thomas Friedrich (Herausgeber): Menschenbild und Volksgesicht. Positionen zur Porträtfotografie im Nationalsozialismus = Berliner Blätter, Sonderheft 36, Münster 2005, Seite 44

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  • Monika, 2001

    Abb. 1: Monika, 2001

    Monika, 2001. C-Print, 79 x 68 cm
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    Abb. 2: Klaus, 2002

    Klaus, 2002. C-Print, 79 x 68 cm
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    Abb. 3: Lisa, 2003

    Lisa, 2003. C-Print, 79 x 68 cm
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    Abb. 4: Helena, 2004

    Helena, 2004. C-Print, 74 x 62 cm
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    Abb. 5: Katrin, 2005

    Katrin, 2005. C-Print, 79 x 68 cm
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    Abb. 6: Alexander, 2005

    Alexander, 2005. C-Print, 79 x 68 cm
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    Abb. 7: Kristian, 2006

    Kristian, 2006. C-Print, 74 x 62 cm
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    Clara, 2007. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 9: Larissa, 2004

    Larissa, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 10: Rebekka, 2004

    Rebekka, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 11: Adrian, 2004

    Adrian, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 12: Daniel, 2004

    Daniel, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 13: Johanna, 2004

    Johanna, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Benedikt, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 15; Agnes, 2004

    Agnes, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Justus, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Tibor, aus der Serie Novizen, 2004. C-Print, 79 x 66 cm
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    Abb. 18: August, 2008

    August, aus der Serie Eleven, 2008. C-Print, 52 x 43 cm
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    Abb. 19: Damian, 2008

    Damian, aus der Serie Eleven, 2008. C-Print, 52 x 43 cm
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    Abb. 20: Gabriel, 2008

    Gabriel, aus der Serie Eleven, 2008. C-Print, 52 x 43 cm
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    Melanie, aus der Serie Eleven, 2008. C-Print, 52 x 43 cm
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    Oliwia, aus der Serie Eleven, 2008. C-Print, 52 x 43 cm
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    Abb. 28: Benjamin, 2013

    Benjamin, aus der Serie Pfadfinder, 2013. C-Print, 45 x 33 cm
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    Tabea, aus der Serie Pfadfinder, 2013. C-Print, 45 x 33 cm
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    Abb. 30: Antoni, 2013

    Antoni, aus der Serie Pfadfinder, 2013. C-Print, 45 x 33 cm