Stefan Szczygieł. Das fotografische und filmische Werk

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Dokumentarfotos der Installation von „Urban Panorama“ an der U-Bahnstation „Centrum“ in Warschau vor dem Palast für Kultur und Wissenschaft. Urban Panorama I und II, 2007/2008, 5x18m

Stefan Szczygieł. Das fotografische und filmische Werk

 

Der Künstler und Fotograf Stefan Szczygieł ist 1961 in Warschau geboren und hat von 1984 bis 1992 Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, zunächst einige Jahre in der Fotografieklasse von Bernd Becher[1], anschließend Video-Kunst beim Pionier der Medienkunst, dem Koreaner Nam June Paik[2]. 1993 zieht es ihn zurück in seine Heimatstadt Warschau. Er eröffnet sein eigenes Fotostudio und arbeitet als freischaffender Fotograf und Künstler. Szczygieł verdient sich seinen Lebensunterhalt, indem er für diverse Foto- und Werbeagenturen sowie Fachmagazine fotografiert, Künstler portraitiert, für touristische Broschüren die Stadt Warschau ablichtet und später für verschiedene Fotografie-Portale im Internet Aufträge erhält. Ab den frühen 2000ern erhält er auch Fotoaufträge von Institutionen, Unternehmen und Agenturen aus Deutschland.

Seine besondere Beziehung zu Deutschland führt er zeitlebens in seinem fotografischen Werk fort. Ihm gefallen besonders die Einladungen, seine freien fotografischen und filmischen Projekte durchzuführen und zu präsentieren, besucht regelmäßig Köln und Hamburg. Außerdem nimmt er an zahlreichen Ausstellungen in Polen, Deutschland, den Niederlanden und Norwegen teil. Er verstirbt nach Krankheit kurz vor Weihnachten des Jahres 2011.

Szczygieł kommt zu einer Zeit zum Studium nach Deutschland, als in Polen gerade das Kriegsrecht beendet worden war und im darauffolgenden Jahr, 1984, mehr als 550.000 Polen das Land verlassen[3]. Über 50%[4] von ihnen reisen – entgegen der Beantragung – dauerhaft in die Bundesrepublik Deutschland und nach Westberlin. Stefan Szczygieł gehört dazu. Er will eine gute und ideologiefreie Ausbildung, die es ihm ermöglicht, sowohl in seinem Heimatland Polen als auch im Westen später einmal Karriere zu machen.

Zur Zeit des „Eisernen Vorhangs“ schauen westliche Kulturvermittler, Kunstexperten in Museen und Galerien selten aufmerksam gen Osten: Obwohl in Wellenbewegungen und dem jeweiligen politischen Klima geschuldet, konnte sich in diesen Jahrzehnten gerade in Polen, der ČSSR und Ungarn, aber auch in der DDR eine ganz eigene Szene bilden, die auch jenseits von sozialistisch-propagandistischer und Auftragskunst ein bescheidenes Dasein fristete. Erst in den 1980ern wird in der Bundesrepublik Deutschland langsam auch die Kunst jenseits der Ideologiegrenze wahrgenommen, obwohl Berufsbilder innerhalb der Bildenden Kunst in Szczygiełs Heimatland Polen sowie in den sozialistischen Nachbarländern als „perspektivlos“ gelten. Künstler im gesamten Ostblock werden über Jahrzehnte von den relevanten kunststrategischen und Kunstmarkt-orientierten Staaten und Nationen nicht gesehen, nicht ernst genommen und damit ausgeschlossen. So ist der Beruf ‚Künstler’ alles andere als attraktiv[5].

 

[1] WS 1984/85 bis SS 1988.

[2] WS 1988/89 bis SS 1992.

[3] Vgl. STOLA, Dariusz: „Das Kommunistische Polen als Auswanderungsland“, in Zeithistorische Forschungen, Heft 3/2005, S. 359.

[4] Detaillierte Informationen zu Auslandsreisen der 1980er-Jahre gibt Barbara Sakson in ihrer Studie Der Einfluss „unsichtbarer“ Auslandsmigrationen in den achtziger Jahren auf die Demographie in

Polen (Warszawa 2002), in der die Autorin die Daten des Systems zur Erfassung der Auslandsmobilität der Bevölkerung (SERP), in dem alle Reisen in den Westen registriert wurden, analysiert und auswertet.

[5] Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn.

Mediathek
  • Stefan Szczygieł

    Stefan Szczygieł

    Stefan Szczygieł, 2009 in Hamburg. Foto: Hinrich Franck
  • Coin

    Coin

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Coin“ (5 cents), Fotogramm, 200 x 200 cm
  • Silberdose

    Silberdose

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Silberdose“, Fotogramm, 200 x 260 cm
  • Blatt

    Blatt

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Blatt“ (Brosche), Fotogramm, 350 x 200 cm
  • Buch

    Buch

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Buch“ (Sammlung der Gesetz Verordnungen), Fotogramm, 230 x 200 cm
  • Latarka-Elekrodyn

    Latarka-Elekrodyn

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Elektrodyn“, Fotogramm, 250 x 200 cm
  • Feuerzeug

    Feuerzeug

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Feuerzeug“, Fotogramm, 200 x 300 cm
  • Guzik

    Guzik

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Guzik“, Fotogramm, 200 x 200 cm
  • Telefon

    Telefon

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Telefon“, Fotogramm, 200 x 260 cm
  • Taschenuhr

    Taschenuhr

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Taschenuhr“ (geöffnet), Fotogramm, 250 x 200 cm
  • Zorki

    Zorki

    Aus der Serie „Blow Ups“, 2001-2005, „Zorki“, Fotogramm, 200 x 300 cm
  • Warschau, Brücke

    Warschau, Brücke

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Brücke“, Inkjet Photo Print, 60 x 170 cm (Edition Auflage: 10)
  • Warschau, Hala Mirowska

    Warschau, Hala Mirowska

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Hala Mirowska“, Inkjet Photo Print, 60 x 170 cm (Edition Auflage: 10)
  • Warschau, Złote Tarasy

    Warschau, Złote Tarasy

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Złote Tarasy“, Inkjet Photo Print, 80 x 170 cm (Edition Auflage: 10)
  • Warschau, Klostermauer

    Warschau, Klostermauer

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Klostermauer“ (Powiśle), Inkjet Photo Print, 60 x 144 cm (Edition Auflage: 10)
  • Warschau, Stadion

    Warschau, Stadion

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Stadion“, Inkjet Photo Print, 60 x 200 cm
  • Warschau, Dach

    Warschau, Dach

    Aus der Serie “Urban Spaces”, 2005-2009, “Warsaw, roof”, Inkjet photo print, 110 x 100 cm.
  • Warschau, Saski Park

    Warschau, Saski Park

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Saski Park“, Inkjet Photo Print, 60 x 170 cm (Edition Auflage: 10)
  • Warschau, Ursynów

    Warschau, Ursynów

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Saski Park“, Inkjet Photo Print, 60 x 170 cm (Edition Auflage: 10)
  • Warschau, Park

    Warschau, Park

    Aus der Serie “Urban Spaces”, 2005-2009, “Warschau, Saski Park”, Inkjet photo print, 60 x 170 cm (Edition: 10).
  • Warschau, Łazienkowska

    Warschau, Łazienkowska

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Łazienkowska“, Inkjet Photo Print, 60 x 170 cm
  • Warschau, Przystanek tramwajowy

    Warschau, Przystanek tramwajowy

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Warschau, Przystanek tramwajowy“, Inkjet Photo Print, 100 x 240 cm
  • Köln, Hohenzollernbrücke

    Köln, Hohenzollernbrücke

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Köln, Hohenzollernbrücke“, Inkjet Photo Print, 85 x 240 cm.
  • Köln, Hauptbahnhof

    Köln, Hauptbahnhof

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Köln, Hauptbahnhof“, Inkjet Photo Print, 100 x 230 cm
  • Köln, Museum Ludwig

    Köln, Museum Ludwig

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Köln, Museum Ludwig“, Inkjet Photo Print, 150 x 240 cm
  • Paris, Notre Dame

    Paris, Notre Dame

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Paris, Notre Dame“, Inkjet Photo Print, 95 x 240 cm
  • Paris, Louvre

    Paris, Louvre

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Paris, Louvre“, Inkjet Photo Print, 95 x 240 cm
  • Paris, Seine-Ufer

    Paris, Seine-Ufer

    Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Paris, Seine-Ufer“, Inkjet Photo Print, 80 x 240 cm
  • Warschau, Urban Panorama I

    Warschau, Urban Panorama I

    Dokumentarfotos der Installation von „Urban Panorama“ an der U-Bahnstation „Centrum“ in Warschau vor dem Palast für Kultur und Wissenschaft. Urban Panorama I, 2007/2008, 500 x 1800 cm
  • Warschau, Urban Panorama II

    Warschau, Urban Panorama II

    Dokumentarfotos der Installation von „Urban Panorama“ an der U-Bahnstation „Centrum“ in Warschau vor dem Palast für Kultur und Wissenschaft. Urban Panorama II, 2007/2008, 500 x 1800 cm