Jeremias Falck

Die Verspottung und Dornenkrönung Christi, um 1645. Kupferstich
Die Verspottung und Dornenkrönung Christi, um 1645. Kupferstich, 57,1 x 42,6 cm. Nach einem Gemälde von Anthonis van Dyck (1599-1641), verlegt von Herman Weyen in Paris. Unten bezeichnet: Ant. van Dijck pinxit, J. Falck fecit, Herman Weyen excudit

Nach Ansicht des Verfassers des 1890 in Danzig erschienenen und bis heute maßgeblichen Werkverzeichnisses, des Danziger Stadtrats Julius C. Block, ist Jeremias Falck, „in einer deutschen Stadt geboren, ein deutscher Künstler […] Aber erst unseren östlichen Nachbarn, den Polen, gebührt das Verdienst, die Werke Falcks durch eifrigst fortgesetzte Forschungen aufzufinden und Nachrichten darüber zu geben. Es dürfte dies, wie bereits bemerkt, darin seine Ursache haben, dass Falck von ihnen für einen polnischen Künstler gehalten wird. Allerdings hat er sich auf einigen seiner Blätter: ‚Polonus‘ unterzeichnet, auf anderen jedoch: ‚Gedanensins‘ und auf einigen in Stockholm gefertigten Stichen: ‚Sueciae Calcographus‘ genannt.“ (PDF, S. 12 f.) In deutschen Sammlungen und Publikationen wird in der Regel die deutsche Namensvariante Jeremias, in polnischen Jeremiasz verwendet. Aber auch Block ist natürlich nicht entgangen, dass Falck nicht dem lutherischen, sondern dem reformierten Glauben angehört hat, was eine deutsche Herkunft zwar nicht ausschließt, aber weniger wahrscheinlich macht. 1646 und 1649 wird er nämlich als Pate im Taufbuch der reformierten Kirche St. Petri und Pauli zu Danzig, der Hauptkirche der örtlichen Calvinisten, erwähnt. 1650 wird er dort mit Anna, der Tochter des Kaufmanns Arnold Mercator, getraut und schließlich 1671 unter einer Grabtafel der Kirche beigesetzt (PDF, S. 7 f., 12).[1]

Das reformierte Bekenntnis verbreitet sich durch das evangelisch-reformatorische Wirken von Ulrich Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) ab der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Schweiz aus in zahlreichen Ländern Europas. Die erste reformierte Gemeinde in Danzig wird durch einige Hundert Niederländer gegründet, die sich zwischen 1567 und 1570 vor den Religionsverfolgungen des spanischen Statthalters in den Niederlanden, Fernando Herzog von Alba (1507-1582), nach Danzig in Sicherheit bringen und sich als Ausländer außerhalb der Stadt, unter anderem in Neugarten, ansiedeln. 1587 gibt es an den Danziger Kirchen bereits vierzehn kalvinistische Prediger. Ab 1600 feiern die Niederländer in der Trinitatiskirche das Abendmahl, das durch einen Kaplan von St. Petri ausgeteilt wird. Dort ist in dieser Zeit die preußisch-reformierte Gemeinde angesiedelt.[2] Die Vorfahren von Jeremias lassen sich bis zu einem Franz Falck zurückverfolgen, der 1590 in Thorn gestorben ist.[3]

1646 und 1649 übernimmt Jeremias Taufpatenschaften für Kinder, die zugleich niederländische Paten haben. Im Taufbuch der Petri-Kirche ist am 18. September 1646 vermerkt, dass er als Pate für das Kind seines Bruders Hans fungiert. Weitere Paten sind Anna Hondius, die Tochter des seit 1636 in Danzig ansässigen niederländischen Kupferstechers Willem Hondius (1597-1652/58), und Anna Mercator (1620-1672), Tochter des Kaufmanns Arnold Mercator († 1641) und Urenkelin des aus Flandern stammenden Kartographen Gerhard Mercator (1512-1594). Von Willem Hondius wird Jeremias vermutlich ausgebildet. Am 25. Februar übernimmt er anstelle von Arndt Mercator die Patenschaft für den Sohn von Peter und Elisabeth Bex (PDF, S. 7). Im Jahr darauf, am 9. Juni 1650, ehelicht er Anna Mercator (PDF, S. 8). Bedenkt man, dass bei all diesen kirchlich-familiären Festen das Abendmahl gespendet wird, was nicht überkonfessionell erfolgen kann, so ist es naheliegend, dass auch Falck aus einer niederländischen Familie stammt. Tatsächlich wohnt Hans Falck, von Beruf Messerschmied, „auf Neugarten“ (PDF, S. 7). Spätere Generationen der Familie Falck bleiben dem reformierten Glauben und der Kirche St. Petri und Pauli treu wie der Perückenmacher und Armenvorsteher der Gemeinde, Johann Daniel Falk der Ältere (1737-1808), der eine Frau aus einer hugenottischen Familie der französisch-reformierten Gemeinde heiratet, sowie deren Sohn, der Laientheologe, Schriftsteller und Kirchenlieddichter Johannes Daniel Falk (1768-1826), die sich aber offenbar inzwischen der deutschen Mittel- und Oberschicht von Danzig zugehörig fühlen.[4]

 

[1] Block zitiert zum Todesdatums Falcks das Grabsteinbuch der Kirche St. Petri und Pauli zu Danzig: “1677. Den 7. Februar nach Reinigung des Grabes des Herrn Hans Minckhaus, ist darin begraben Jeremias Falck im Chor beim Altar, Stein ‘No. 4’.” Der Genealoge Oskar Leistikow hat jedoch 1953 herausgefunden, dass Falck bei der Hochzeit seiner Tochter Susanna Maria 1676 in der Marktkirche von Hannover bereits verstorben war. Bei erneuter Durchsicht des Steinbuchs von St. Petri in Danzig habe sich gezeigt, dass die Jahreszahl zweideutig gelesen werden kann, sodass seitdem 1671 als Todesjahr angenommen werden muss.

[2] Erwin Pritzel: Geschichte der Reformierten Gemeinde zu St. Petri-Pauli in Danzig 1570-1940, Danzig 1940. S. 9-16

[3] Johannes Demandt: Johannes Daniel Falk. Sein Weg von Danzig über Halle nach Weimar (1768-1799) = Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, 36, Göttingen 1999, S. 17, Anm. 7 (dort auch weitere Literatur)

[4] Ebd., S. 17-19

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  • Werkverzeichnis

    J.C.Block: Jeremias Falck. Sein Leben und seine Werke, Danzig, Leipzig, Wien 1890
  • Livre de Portraiture, 1641

    Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino (1591-1666): Livre de Portraiture, Paris 1641, Kupferstiche von Jeremias Falck (Block 172). Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Blumenwerke, 1662

    Verscheyde Nieuwe Tulpen, en andere Bloemen“ und „Novae et exquisitae florum icones“, mit Kupferstichen von Jeremias Falck, Hamburg 1662, verlegt bei Frederik de Wit in Amsterdam (Block 64, 65), zusam...
  • Anne Marie Louise d'Orléans, 1642. Nach einem Gemälde  von Justus van Egmont, Metropolitan Museum of Art, New York.

    Abb. 1: Anne Marie Louise d'Orléans, 1642

    Anne Marie Louise d'Orléans, 1642. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, Metropolitan Museum of Art, New York.
  • König Ludwig XIII., 1643. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, British Museum, London.

    Abb. 2: König Ludwig XIII., 1643

    König Ludwig XIII., 1643. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, British Museum, London.
  • Anna von Österreich, 1643. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, British Museum, London.

    Abb. 3: Anna von Österreich, 1643

    Anna von Österreich, 1643. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, British Museum, London.
  • Ludwig XIV. als Kind, 1646/47. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, British Museum, London.

    Abb. 4: Ludwig XIV. als Kind, 1646/47

    Ludwig XIV. als Kind, 1646/47. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, British Museum, London.
  • Ludowika Maria Gonzaga, 1645. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.

    Abb. 5: Ludowika Maria Gonzaga, 1645

    Ludowika Maria Gonzaga, 1645. Nach einem Gemälde von Justus van Egmont, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.
  • Nikolaus Kopernikus, 1644. Nach einem unbekannten Gemälde, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 6: Nikolaus Kopernikus, 1644

    Nikolaus Kopernikus, 1644. Nach einem unbekannten Gemälde, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Tycho Brahe, 1644. Nach unbekannter Vorlage, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.

    Abb. 7: Tycho Brahe, 1644

    Tycho Brahe, 1644. Nach unbekannter Vorlage, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.
  • Akbar der Große von Indien, nach einem Gemälde von Claude Vignon, British Museum, London.

    Abb. 8: Gran Mogor, um 1645

    Akbar der Große von Indien, nach einem Gemälde von Claude Vignon, British Museum, London.
  • Willem Blaeu, 1645. Nach unbekannter Vorlage, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 9: Willem Blaeu, 1645

    Willem Blaeu, 1645. Nach unbekannter Vorlage, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Adriaan van den Spiegel, 1645. Nach unbekannter Vorlage, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 10: Adriaan van den Spiegel, 1645

    Adriaan van den Spiegel, 1645. Nach unbekannter Vorlage, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Allegorie des Januar, 1645. Nach einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 11: Allegorie des Januar, 1645

    Allegorie des Januar, 1645. Nach einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Allegorie des März, 1645. Nach einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 12: Allegorie des März, 1645

    Allegorie des März, 1645. Nach einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Der Tag, 1645. Nach einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 13: Der Tag, 1645

    Der Tag, 1645. Nach einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Der Morgen, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, Rijksmuseum Amsterdam

    Abb.14: Der Morgen, 1645

    Der Morgen, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, Rijksmuseum Amsterdam
  • Der Mittag, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.

    Abb. 15: Der Mittag, 1645

    Der Mittag, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.
  • Der Abend, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.

    Abb. 16: Der Abend, 1645

    Der Abend, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.
  • Die Nacht, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, Nationalbibliothek Warschau/Biblioteka Narodowa w Warszawie.

    Abb. 17: Die Nacht, 1645

    Die Nacht, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, Nationalbibliothek Warschau/Biblioteka Narodowa w Warszawie.
  • Der Frühling, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.

    Abb. 18: Der Frühling, 1645

    Der Frühling, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.
  • Der Sommer, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.

    Abb. 19: Der Sommer, 1645

    Der Sommer, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.
  • Der Herbst, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.

    Abb. 20: Der Herbst, 1645

    Der Herbst, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.
  • Der Winter, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.

    Abb. 21: Der Winter, 1645

    Der Winter, 1645. Nach einer unbekannten Vorlage, British Museum, London.
  • Die Assyrer, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Rijksmuseum Amsterdam

    Abb. 22: Die Assyrer, 1645

    Die Assyrer, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Rijksmuseum Amsterdam
  • Die Meder, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 23: Die Meder, 1645

    Die Meder, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Die Griechen, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.

    Abb. 24: Die Griechen, 1645

    Die Griechen, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.
  • Die Römer, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.

    Abb. 25: Die Römer, 1645

    Die Römer, 1645. Nach einem Entwurf von Claude Vignon, Österreichische Nationalbibliothek, Wien.
  • Maria, Jesus und Johannes der Täufer, 1645. Nach einem Gemälde von Jacques Stella, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 26: Maria, Jesus und Johannes der Täufer, 1645

    Maria, Jesus und Johannes der Täufer, 1645. Nach einem Gemälde von Jacques Stella, Rijksmuseum Amsterdam.
  • Christus am Ölberg, um 1645. Nach einem Gemälde von Guido Reni, Rijksmuseum Amsterdam.

    Abb. 27: Christus am Ölberg, um 1645

    Christus am Ölberg, um 1645. Nach einem Gemälde von Guido Reni, Rijksmuseum Amsterdam.