„MRR“: Sein Leben

Marcel Reich-Ranicki (1920-2013)
Marcel Reich-Ranicki, Hamburg 1960

Zu Anfang ein paar Sätze über Marcel Reich-Ranicki.

„MRR war/ist der einflussreichste Literaturkritiker unserer Zeit, noch bedeutender als Bernard Pivot in Frankreich.“

„MRR  hat es zum Fernsehstar, Comic-Helden und Werbeträger gebracht.“

„MRR ist eine Ikone des Feuilletons.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel)

 

Als ich mir vornahm, ein Buch über ihn zu schreiben, bekam ich weitere Sätze zu hören:

„Sie wollen über Reich-Ranicki schreiben?! Der trägt ja bereits den Heiligenschein.“ (Das sagte ein deutscher Verleger, der am Ende entschied, mein Buch lieber nicht zu drucken.)

„Reich-Ranicki?? Wenn der stirbt, fährt er direkt in den Himmel.“ (Ein anderer deutscher Verleger, der am Ende ebenfalls entschied, mein Buch lieber nicht zu drucken.)

„Reich-Ranicki? Seien Sie vorsichtig. Der ist Showman und Stasi-Mann in einem.“ (Eine polnische Historikerin.)

 

Am Anfang war Marceli Reich. Ein Junge dieses Namens wurde am 2. Juni 1920 in der mittelgroßen Stadt Włocławek an der Weichsel geboren. Es waren bewegte Zeiten: Das lange geteilte Polen war gerade erst wiedergegründet worden; auch Włocławek, bis zum Ersten Weltkrieg zum Zarenreich gehörig, war somit befreit. Aber der Frieden währte nicht lange: im Sommer 1920 war die Rote Armee bereits auf dem Weg nach Westen. Sie stand mitten in Polen und wollte in wenigen Wochen als Vorhut der Weltrevolution Berlin erreichen. Ein Kavallerie-Korps stand auf dem östlichen Weichselufer an der Brücke, die in die Innenstadt von Włocławek hinüberführte. Wenn es den Reitertruppen gelungen wäre, hier über den Strom zu kommen... wäre die Geschichte Europas vermutlich anders verlaufen.

Die Brücke wurde im letzten Augenblick gesprengt, und das Leben der jüdischen Familie Reich, die für alle Fälle aus der Stadt geflohen war, verlief weiterhin in friedlichen Bahnen. Der fromme Vater war Unternehmer von Beruf. Er sprach Polnisch, Russisch, Jiddisch und Deutsch; die Mutter dagegen, die sich der deutschen Kultur verbunden fühlte, beherrschte das Deutsche sehr gut, das Polnische mangelhaft. Aus Reich-Ranickis späterer Autobiografie[1] erfahren wir nicht, welches die „Geschäftssprache“ der Familie war. Reich-Ranicki gab mir folgende Auskunft: „Die Geschäftssprachen waren zwei: Polnisch und Deutsch. Meine Mutter und mein Vater haben, wenn die Kinder etwas nicht verstehen sollten, deutsch gesprochen. Wir konnten besser polnisch als deutsch, damals.“[2] Marceli hatte zwei ältere Geschwister: Gerda und Herbert Aleksander.

 

[1] Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. Stuttgart 1999

[2] Gerhard Gnauck: Wolke und Weide. Marcel Reich-Ranickis polnische Jahre. Stuttgart 2009, S. 27 (polnische Ausgabe: Marcel Reich-Ranicki. Polskie lata. Z przedmową Normana Daviesa. Warszawa 2009)

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  • Marcel Reich-Ranicki im Studio des ZDF Titel der Sendung: Aus gegebenem Anlass - Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk

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    Marcel Reich-Ranicki auf Polnisch! Interview mit Joanna Skibińska für Polski Magazyn Radiowy 1997
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    Interview mit Gerhard Gnauck, deutscher Journalist und Historiker und Autor des Buches "Wolke und Weide. Marcel Reich-Ranickis polnische Jahre".
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    Interview mit Gerhard Gnauck zu Leben und Erbe des verstorbenen Marcel Reich-Ranicki.
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    Beitrag von Gerhard Gnauk in Gedenken an Marcel Reich-Ranicki im Radio "Trójka" (polnisch).
  • Grabstein von Teofila und Marcel Reich-Ranicki auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

    Grabstein von Teofila und Marcel Reich-Ranicki

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  • Geschmücktes Grab von Teofila und Marcel Reich-Ranicki auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

    Grabstein von Teofila und Marcel Reich-Ranicki

    Geschmücktes Grab von Teofila und Marcel Reich-Ranicki auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.
  • In der Zeit des Ghettos war in dem Gebäude unter gleichem Namen ein Konzertsaal mit 900 Plätzen, in dem Marceli Reich seine ersten Kritiken schrieb.

    Kino "Femina"

    In der Zeit des Ghettos war in dem Gebäude unter gleichem Namen ein Konzertsaal mit 900 Plätzen, in dem Marceli Reich seine ersten Kritiken schrieb.
  • Geschmücktes Grab von Teofila und Marcel Reich-Ranicki auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

    Grabstein von Teofila und Marcel Reich-Ranicki

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  • Marcel und Teofila Reich-Ranicki, Warschauer Ghetto, 1940

    Marcel und Teofila Reich-Ranicki, Warschauer Ghetto, 1940

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  • Teofila, Andrew und Marcel Reich-Ranicki

    Teofila, Andrew und Marcel Reich-Ranicki, 1957

    Teofila, Andrew und Marcel Reich-Ranicki, Warschau 1957
  • Teofila und Marcel Reich-Ranicki

    Teofila und Marcel Reich-Ranicki

    Teofila und Marcel Reich-Ranicki
  • Marcel Reich-Ranicki, „der Literaturpapst“

    Marcel Reich-Ranicki, „der Literaturpapst“

    Marcel Reich-Ranicki, „der Literaturpapst“
  • Gerda (MRRs Schwester), Olek (Bruder), Helene (Mutter) und Marcel Reich, Włocławek 1928.

    Marcel Reich mit Mutter und Geschwistern, Włocławek 1928

    Gerda (MRRs Schwester), Olek (Bruder), Helene (Mutter) und Marcel Reich, Włocławek 1928.
  • Berliner Gedenktafel für Marcel Reich-Ranicki

    Berliner Gedenktafel für Marcel Reich-Ranicki

    Berliner Gedenktafel für Marcel Reich-Ranicki
  • Von links: Ida Thompson (Schwiegertochter), MRR und Andrew Ranicki (Sohn) beim offiziellen Empfang des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue aus Anlass des letzten "Literarischen Quartetts", Berlin 14.12.2001

    MRR mit Sohn Andrew und Schwiegertochter Ida

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  • Teofila Reich-Ranicki, Łódź 1947

    Teofila Reich-Ranicki, Łódź 1947

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  • Marcel und Teofila Reich-Ranicki mit Sohn Andrew, London 1949

    Marcel und Teofila Reich-Ranicki mit Sohn Andrew, London 1949

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  • MRR und Moderator Thomas Gottschalk bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008

    MRR und Moderator Thomas Gottschalk bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008

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  • Eltern von Teofila Ranicki (geb. Langnas)

    Eltern von Teofila Ranicki (geb. Langnas)

    Eltern von Teofila Ranicki (geb. Langnas): Pawel (1885-1940) und Emilia Langnas (1886-1942)
  • David (1880-1942) und Helene Reich (1884-1942)

    Eltern von Marcel Reich

    Eltern von Marcel Reich: David (1880-1942) und Helene Reich (1884-1942)
  • Marcel Reich-Ranicki, Hamburg 1960

    Marcel Reich-Ranicki, Hamburg 1960

    Marcel Reich-Ranicki, Hamburg 1960
  • Marcel Reich-Ranicki, 1965

    Marcel Reich-Ranicki, 1965

    Marcel Reich-Ranicki, 1965