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Polinnen und Polen in Deutschland: Wege in die Sichtbarkeit

Magdalena Abakanowicz, Bambini, 1998. Ausstellungsansicht in der St. Elisabeth-Kirche, Berlin, Gallery Weekend 2015, Galerie ŻAK | BRANICKA, Berlin

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  • Bildnis in der Johanneskapelle im Kölner Dom - Beim Grabmal der Königin Richeza
  • Wappen des Ehepaares Hedwig Jagiellonica und Georg dem Reichen - Wappen des Ehepaares Hedwig Jagiellonica und Georg dem Reichen von Bayern-Landshut in der Burg zu Burghausen.
  • Glasmalerei im Landshuter Rathaus - Glasmalerei im Landshuter Rathaus. Fenster in Haupttreppenhaus.
  • Johannes a Lasco - 1499 in einer polnischen Magnatenfamilie geboren, ist Jan Łaski, mit lateinischem Namen Johannes a Lasco, für eine bedeutende politische und theologische Laufbahn vorherbestimmt.
  • Athanasius Graf Raczyński - Gemälde von Carl Wihelm Wach
  • Palais Raczynski - Am Königsplatz in Berlin um 1875
  • Empfang der Polen in Leipzig 1830 - Guillaume Thierry, Lithographie nach einer Zeichnung von Charles Malankiewicz, 39,8 x 48,7 cm, 1830/31
  • Durchzugsrouten (Überblick)

    Durchzugsrouten polnischer Novemberaufständischer und deutscher Polenhilfsvereine 1831 – 1833 (Überblick). H. Asmus, 1981. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • Gedächtnistafel in 12 Tableaux

    Die denkwürdigsten Tage des Jahres 1830, Gedächtnistafel in 12 Tableaux, Verlag Johann Andreas Endter, Nürnberg, 1830, Radierung, koloriert, 30,3 x 43,5 cm
  • Jubiläumsbriefmarke „175 Jahre Hambacher Fest“ - Sonderbriefmarke der Deutschen Post
  • Ludwik Mierosławski - Ludwik Mierosławski (1814-1878), Foto um 1850
  • Józef Ignacy Kraszewski - Józef Ignacy Kraszewski um das Jahr 1879
  • Kraszewski-Museum - Kraszewski-Museum in Dresden
  • „Chopin spielt im Salon des Fürsten Anton Radziwill in Berlin“ - Ein Gemälde von Henryk Siemiradzki (1843-1902), um 1880, Sankt Petersburg, Staatliches Russisches Museum
  • Wiarus Polski, Bochum - Ausgabe vom 3. Juli 1907
  • Sachsengänger - Sachsengänger bei der Ankunft in Berlin, 1909
  • Titelseite der ersten Ausgabe von „Narodowiec“ - Titelseite der ersten Ausgabe von „Narodowiec“, Herne, 2. Oktober 1909, aus: „Polak w Niemczech”, Bochum 1972, S. 44
  • Atelier von Alfred Wierusz-Kowalski in München, 1889 - Carl Teufel: Künstleratelier Alfred Wierusz-Kowalski, München 1889. Schwarzweiß-Fotografie vom Glasnegativ, 18 x 24 cm 
  • Kaiser Wilhelm II. im Atelier von Wojciech Kossak in Berlin, 1899 - Kaiser Wilhelm II. und Adolf v. Menzel im Atelier des Malers Adalbert von Kossak (Wojciech Kossak).
  • Internationaler Sozialistenkongress - Rosa Luxemburg während ihrer Rede auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart, August 1907.
  • Helena und Stanisław Sierakowski, Hochzeitsfoto, 1910  - Stanisław Sierakowski - der erste Vorsitzender des Bundes der Polen in Deutschland "Rodło"
  • Hochzeitstelegramm der Breslauer Polonia, 1913 - Hochzeitstelegramm mit zwei Männern in polnischen Nationaltrachten und der Kartusche mit einem weißen Adler, Farbdruck, 1913.
  • Studienbuch der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Mit Eintragungen von Edmund Husserl, 1916
  • "Pola Negri - unsterblich", Dokumentation von 2017 - Eine Filmdokumentation über Leben und Schaffen eines der größten Stummfilmstars in Deutschland polnischer Herkunft.

    "Pola Negri - unsterblich", Dokumentation von 2017

    Eine Filmdokumentation über Leben und Schaffen eines der größten Stummfilmstars in Deutschland polnischer Herkunft.
  • Drei Tage im November. Józef Piłsudski und die polnische Unabhängigkeit 1918" - Von Magdeburg in die Unabhängigkeit Polens - ein Film über einen polnischen Mythos.

    Drei Tage im November. Józef Piłsudski und die polnische Unabhängigkeit 1918"

    Von Magdeburg in die Unabhängigkeit Polens - ein Film über einen polnischen Mythos.
  • Haus in der Festung Magdeburg - Haus in der Festung Magdeburg, in dem Józef Piłsudski interniert war.
  • Radziwill-Palais - Radziwill-Palais, Blick in den “Roten Salon” und in den Wintergarten des Gebäudes, um 1927.
  • Religiöse Zeremonie in Herne, 1930 - Religiöse Zeremonie „Glaube unserer Väter“ im westfälischen Herne, 1930
  • Werbeplakat für den Film "Ich liebe alle Frauen" (1935) mit Jan Kiepura  - Werbeplakat für den Film "Ich liebe alle Frauen" (1935) mit Jan Kiepura in der Hauptrolle
  • Dziennik Berliński - Ausgabe vom 10. November 1937 mit der Titelgeschichte über die Eröffnung des Polnischen Gymnasiums im ostpreußischen Marienwerder (polnisch Kwidzyń).
  • Familie Jankowski – Ruhrpolen in Herne 1936 - Familie Jankowski, Eltern mit Kindern, 1936 in Herne
  • Polnischer Zwangsarbeiter beim Milchfahren, ca. 1943 - Polnischer Zwangsarbeiter vom Hof Schweers (Kr. Borken) beim Milchfahren, ca. 1943, Sammlung Ignaz Böckenhoff: Das Dorf Raesfeld in den 1930er bis 1960er Jahren
  • Polnisches Modemagazin „Moda“ in Niederlangen (Emsland), 1945 - Auf dem Titelblatt des in dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager für die Teilnehmerinnen des Warschauer Aufstandes entstandenen Magazins wird kurz nach der Befreiung durch die polnische 1. Panzerdivision des Gen. Maczek bereits für den Sommer 1945 eine neue
  • Wilhelmshaven, 1945 - Soldat der polnischen 1. Panzerdivision des Generals Stanissław Maczek auf dem Hof der Kaserne in Wilhelmshaven, Mai 1945.
  • Józef Szajna in Maczków - Józef Szajna in Maczków (Haren) an der Ems, 1946.
  • Friedhofskapelle im DP-Lager Flossenbürg, 1947 - Ein Kirchenfenster aus der durch polnische Displaced Persons 1946-47 erbauten Friedhofskapelle auf dem Gelände des ehemaligen KZ Flossenbürg (Detail) nach dem Entwurf von Władysław Płoskoń, 1947.
  • Artur Brauner - Der Filmproduzent Artur "Atze" Brauner. Das Foto wurde am 25. Januar 2002 in Leipzig am Rande der mdr-Talkshow "Riverboat" aufgenommen.
  • Artur Brauner - Ein Jahrhundertleben zwischen Polen und Deutschland - Eine Filmdokumentation über die legendäre Persönlichkeit des deutschen und internationalen Films.

    Artur Brauner - Ein Jahrhundertleben zwischen Polen und Deutschland

    Eine Filmdokumentation über die legendäre Persönlichkeit des deutschen und internationalen Films.
  • Tadeusz Nowakowski, ca. 1950 - Tadeusz Nowakowski, ca. 1950
  • Teresa Nowakowski (101) im Gespräch mit Sohn Krzysztof, London 2019. - Teresa Nowakowski (101) im Gespräch mit Sohn Krzysztof, London 2019 (auf Polnisch).

    Teresa Nowakowski (101) im Gespräch mit Sohn Krzysztof, London 2019.

    Teresa Nowakowski (101) im Gespräch mit Sohn Krzysztof, London 2019 (auf Polnisch).
  • Fronleichnam in der Siedlung für polnische Displaced Persons in Dortmund Eving, 1951 - Ein durch die polnische DP-Familie Sokołowski angefertigter Alter für die Fronleichnamsprozession, Dortmund Eving, 1951.
  • Stefan Arczyński in Moskau, 1956 - Stefan Arczyński (rechts) mit einem Bekannten in Moskau. Fotograf unbekannt, 1956.
  • Mieczysław Wejman, „Der Schlaf ist Bruder des Todes“, Wildflecken, 1971 - Ein Fresco des Professors der krakauer Kunstakademie (Fragment) zum Gedenken an 428 polnische Kinder und 116 Erwachsene, die im DP-Lager Wildflecken 1945-48 verstorben sind, Friedhofskapelle Wildflecken, 1971.
  • Marcel Reich-Ranicki im Studio des ZDF - Titel der Sendung: Aus gegebenem Anlass - Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk
  • Karol Broniatowski - Mahnmal für die deportierten Juden Berlins, 1991

    Karol Broniatowski

    Mahnmal für die deportierten Juden Berlins, 1991
  • Historische Vereinsfahnen des Bundes der Polen in Deutschland - Foto aus der St. Anna Kirche der Polnischen Katholischen Mission in Dortmund. Die Fahnen gehören zum Bestand der Porta Polonica
  • Film "Narr und Nonne" - St. Ignacy Witkiewicz, Filmstudio Transform, Regie: Janina Szarek - Film "Narr und Nonne" - St. Ignacy Witkiewicz, Filmstudio Transform, Regie: Janina Szarek

    Film "Narr und Nonne" - St. Ignacy Witkiewicz, Filmstudio Transform, Regie: Janina Szarek

    Film "Narr und Nonne" - St. Ignacy Witkiewicz, Filmstudio Transform, Regie: Janina Szarek
  • WURMLOCH, 2008 - Video-Installation im öffentlichen Raum, Stahlkonstruktion, Glas, Video, Monitor, DVD Player, Ø = 100 cm, H = 110 cm. Copyright: Karina Smigla-Bobinski

    WURMLOCH, 2008

    Video-Installation im öffentlichen Raum, Stahlkonstruktion, Glas, Video, Monitor, DVD Player, Ø = 100 cm, H = 110 cm. Copyright: Karina Smigla-Bobinski
  • Andrzej Wirth in seiner Berliner Wohnung - Andrzej Wirth in seiner Berliner Wohnung.
  • Interview mit Leszek Zadlo - Deutsche Übersetzung über Originalaufnahme

    Interview mit Leszek Zadlo

    Deutsche Übersetzung über Originalaufnahme
  • Stefan Szczygieł - Aus der Serie „Urban Spaces“, 2005-2009, „Köln, Hohenzollernbrücke“, Inkjet Photo Print, 85 x 240 cm.
  • ZEITFLUG - Hamburg - ZEITFLUG - Hamburg, Video, 2008; 12:00 Min. Stefan Szczygieł. Courtesy: Claus Friede*Contemporary Art

    ZEITFLUG - Hamburg

    ZEITFLUG - Hamburg, Video, 2008; 12:00 Min. Stefan Szczygieł. Courtesy: Claus Friede*Contemporary Art
  • Lech Wieleba - am Kontrabass.
  • Roland Schefferski - Empty Images, 2000/2006. Bild (Berlin), 12. Januar 2006
  • Monika Czosnowska, Johanna - Monika Czosnowska, Johanna , 2004, C-Print, 78 x 66 cm, Sammlung Marta Herford, Zugangsjahr: 2005
  • Polonia Dortmund 2012 - Robert Lewandowski, Łukasz Piszczek und Jakub Błaszczykowski von Borussia Dortmund mit der Meisterschale der Bundesliga 2012
  • Małgosia Jankowska - In Blau, 2015, Aquarell, Filzstift auf Papier, 100 x 150 cm.
  • Katarzyna Myćka -
  • Der Planet von Susanna Fels - Ein Kunstfilm von Susanna Fels mit den Fotos von u.a. Annette Hudemann, 2019.

    Der Planet von Susanna Fels

    Ein Kunstfilm von Susanna Fels mit den Fotos von u.a. Annette Hudemann, 2019.
  • Agata Madejska, RISE, 2018 - Agata Madejska, RISE, 2018. Installation view, ∼ =, Impuls Bauhaus, Zeche Zollverein, Essen, 2019.
Magdalena Abakanowicz, Bambini, 1998
Magdalena Abakanowicz, Bambini, 1998. Ausstellungsansicht in der St. Elisabeth-Kirche, Berlin, Gallery Weekend 2015, Galerie ŻAK | BRANICKA, Berlin

Auf der Suche nach Arbeit

Das 1871 gegründete Deutsche Reich bot seinen Bürgerinnen und Bürgern rechtliche Gleichstellung, gesetzlichen Schutz und freie Mobilität innerhalb der Reichsgrenzen. Davon machten auch die preußischen Polen Gebrauch: Der Zustrom polnischsprachiger Reichsbürger in die Industriebetriebe und Bergwerke des Ruhrgebiets in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg – etwa 500.000 Personen – war bis dahin die größte kompakte Zuwanderung einer nichtdeutschen Bevölkerung in der deutschen Geschichte, sie ebnete sozusagen den Weg für alle später folgenden Erwerbsmigrationen. Sie wanderten aber auch in einer Zeit, in der in den Augen der nationalistischen Parteien und eines Teils der Öffentlichkeit die Polen zu den größten Reichsfeinden avancierten, durch ihre eigenen staatlichen Bestrebungen die Einheit des jungen Staates zu gefährden schienen.

Diese Mischung aus kultureller Nähe und latenter Diskriminierung führte dazu, dass Polinnen und Polen sich in mehrheitlich deutschsprachigen Gebieten oft scheuten, ihre polnische Identität offen zur Schau zu stellen: Lieber auf der Straße kein Polnisch sprechen, lieber nicht auffallen, lieber rasch hineinwachsen in die deutsche Gesellschaft. Die Kinder der Binnenmigranten lernten meistens kaum Polnisch mehr. Dabei prägten diese Zuwanderer nicht nur die Ruhrgebietsgesellschaft (1910 stellten sie in Recklinghausen zum Beispiel ein Viertel der Bevölkerung), sondern auch andere aufstrebende Industriezentren wie etwa die norddeutschen Großstädte oder Berlin. Allerdings war diese Gruppe keineswegs homogen: Neben den katholischen Zuwanderern gab es – vor allem in Westfalen – auch eine große Zuwanderung protestantischer Masuren, und neben den Hochpolnisch sprechenden Posenern zogen Oberschlesier und Kaschuben mit ihren charakteristischen Dialekten bzw. Sprachen zu. Vor allem die „Ruhrpolen“ (westfalczycy) entwickelten ein reiches Vereinsleben, es entstanden polnische kirchliche Strukturen, Gewerkschaften und eine politische Vertretung.

Zusätzlich zu den polnischen Binnenmigranten kamen Polen aus dem Ausland, aus dem österreichischen Galizien oder den von Russland annektierten Landesteilen. Zeitweise mehrere hunderttausend von ihnen arbeiteten vorwiegend als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft, die sogenannten „Sachsengänger“.

Während es sich hier fast ausschließlich um eine proletarische Erwerbsmigration handelte, kamen auch Vertreter polnischer Eliten nach Deutschland: Berlin zog als Hauptstadt Vertreter des Hochadels (wie die Familien Radziwiłł und Raczyński) an, aber hier saßen Polen auch im Reichstag und im preußischen Landtag. Schriftsteller wie Adam Mickiewicz oder Józef Ignacy Kraszewski wählten sich zeitweise Dresden als Wohnort, und Studenten zogen an die unterschiedlichen Hochschulen des Reichs, machten hier zuweilen auch akademische Karriere. Nicht zuletzt fanden Politikerinnen und Politiker im Reich eine Bleibe – die Sozialisten Rosa Luxemburg und Julian Marchlewski waren nur zwei von vielen.

Besonders bekannt wurde in Polen die „Münchner Schule“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Tatsache, dass zwischen 1828 und dem Ausbruch der Ersten Weltkriegs mehr als dreihundert polnischer Maler und Bildhauer an der Kunstakademie in München und in ihrem Umfeld studierten. Auch wenn es sich um keine „Schule“ im eigentlichen Sinn handelte, so entwickelte sich unter den vielen bedeutenden Malern wie Józef Brandt, Jan Matejko, Aleksander Gierymski, Maksymilian GierymskiAlfred Wierusz-Kowalski und Wojciech Kossak vielfältige Kontakte und Bezugnahmen. Kossak sollte später als Hofmaler von Kaiser Wilhelm II. eine zeitweilig wichtige Rolle in der hauptstädtischen Kunstszene spielen. Und auch Künstlerinnen wie Olga Boznańska konnten sich in München fortbilden, auch wenn es nur wenige waren, da Frauen an der Münchner Akademie bis 1920 nicht studieren durften.